Dienstag, 18. Juni 2019

Umbruch in der Autoindustrie Megafusion gegen den Trend - warum VW FiatChrysler und Renault nicht fürchten muss

FiatChrysler und Renault: Kooperationen, nicht Mega-Bündnisse sind der Weg in die Zukunft
MARCO BERTORELLO and LOIC VENANCE / AFP
FiatChrysler und Renault: Kooperationen, nicht Mega-Bündnisse sind der Weg in die Zukunft

Der Umbruch in der Automobilwelt ist in vollem Gang. Ein neuer Wettlauf unter den Herstellern sowie Newcomern hat längst begonnen. In der sich anbahnenden digitalen und gleichzeitig umweltbewussteren Welt benötigt eine erfolgreiche Marke aber nicht mehr den stärksten Motor oder das sportlichste Design. In der Zukunft wird es vielmehr auf umweltbewussteren Antrieb, autonomes Fahren, nützliche Fahrassistenzsysteme, Car Connectivity, Infotainment und mobile Verfügbarkeiten ohne Kaufzwang ankommen.

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    Stefan Randak ist Direktor und Leiter der Praxisgruppe Automotive beim Interim-Management-Anbieter Atreus in München.

Diese komplette Neuausrichtung verlangt sowohl von den Herstellern als auch auf Zuliefererseite extreme Kraftanstrengungen in Form von Kapital (Investitionen in neue Technologien), Personal (andere Fachkräfte werden benötigt) und Organisation (flachere Hierarchien und agile Arbeitsmethodik). Die Elektromobilität ist dabei nur ein Aspekt. Wer die "5 Stufen des autonomen Fahrens" vollumfänglich erreichen will, wer das Fahrzeug zum fahrenden Mobiltelefon entwickeln und gleichzeitig nicht in den Fallstricken einer mangelnden "Cyber Security" zu Fall kommen möchte, muss noch deutlich mehr investieren. Der Blick nach helfenden Händen am Beckenrand liegt daher auf der Hand.

Zeit der Megafusionen ist vorbei

Klassische Megafusionen als Antwort darauf sind jedoch der falsche Weg. Ihre Unwägbarkeiten sind kaum zu beherrschen und ein möglicher Koloss wie Fiat Chrysler Börsen-Chart zeigen und Renault Börsen-Chart zeigen wird daran scheitern. Beispiele von geringerer Tragweite endeten bereits im Misserfolg: Die "Hochzeit im Himmel" zwischen Daimler und Chrysler brachte Daimler fast zu Fall. Auch die Fusion zwischen BMW und Rover war von Anfang an nicht von Erfolg gekrönt und endete in einer Zerschlagung.

Kooperationen unter Gleichen sind der Weg in die Zukunft. Hierbei stehen gemeinsame Investitionen (z.B. in der Navigation), die Bündelung von Wissen (z.B. in der Elektromobilität), die Schaffung von gemeinsamen Fertigungskapazitäten (z.B. in der Batteriezellenproduktion), die Nutzung gemeinsamer Produktionsstätten (z.B. beim Bau von gemeinsamen Produkten), die Zusammenarbeit im Vertrieb (z.B. in der Erschließung neuer Märkte) und die Bündelung von Marktmacht (z.B. bei der Zusammenarbeit im Einkauf) im Vordergrund. Ein gutes Beispiel hierfür ist die gemeinsame Übernahme des Kartendienstes "Here" im Jahr 2015 durch Daimler, BMW und Audi oder die zu Beginn des Jahres bekannt gewordene Kooperation von Volkswagen und Ford bei der Pick-up-Fertigung. Die Vorteile liegen auf der Hand:

1. Die Fokussierung auf aktuell wichtige Einzelthemen

2. Die Bündelung von überschaubarem Kapital sowie Personal und Wissen auf Zeit

3. Das Erreichen von Skaleneffekten in überschaubaren Zeiträumen

4. Der Strukturierungs-/Restrukturierungsaufwand ist überschaubar und händelbar.

Fiat Chrysler unter Zugzwang

Blicken wir auf Fiat Chrysler, fällt auf, dass es sich dabei schon längst nicht mehr um einen italienischen Konzern handelt. Das Unternehmen entstand 2014 durch die Übernahme von Chrysler, hat seinen rechtlichen Sitz in Amsterdam und die operative Zentrale in London. Die Geschäfte laufen seit Jahren unbefriedigend. Zudem ist bekannt, dass der Konzern insbesondere die Elektromobilität verschlafen hat. Investoren an der Börse halten sich seit Jahren zurück. Der Aktienkurs schlingert seit 5 Jahren zwischen mindestens 5 und maximal 20 Euro. Im Frühjahr 2019 sackte das Ergebnis auf Konzernebene erneut um ein Drittel gegenüber dem Vorjahr ein.

Fiat Chrysler muss also handeln und zwar jetzt. "Der Konzern ist offen für Partnerschaften" teilte Mike Manley kürzlich bei der Präsentation der Zahlen 2018 öffentlich mit. Seine Initiative liegt nun auf dem Tisch: Durch eine Fusion von Fiat Chrysler mit Renault entstünde hinter Volkswagen und Toyota der drittgrößte Autohersteller der Welt mit einem Absatzvolumen von 8,7 Millionen Fahrzeugen. Sollten Nissan und Mitsubishi ebenfalls einsteigen, entstünde mit über 15 Millionen Fahrzeugen sogar der größte Autohersteller überhaupt.

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