Donnerstag, 18. Juli 2019

Umbruch in der Autoindustrie Megafusion gegen den Trend - warum VW FiatChrysler und Renault nicht fürchten muss

FiatChrysler und Renault: Kooperationen, nicht Mega-Bündnisse sind der Weg in die Zukunft
MARCO BERTORELLO and LOIC VENANCE / AFP
FiatChrysler und Renault: Kooperationen, nicht Mega-Bündnisse sind der Weg in die Zukunft

2. Teil: Fusion mit Renault erscheint sinnvoll

Fusion mit Renault erscheint sinnvoll

Die Franzosen um Renault sind gut in der Massenproduktion bei Klein- und Kompaktwagen und die Elektromobilität ist bereits Teil der Produktpalette. Das Kerngeschäft läuft in Europa sowie den Schwellenländern. In der Mittel- und Oberklasse tut man sich jedoch schwer. Im zweitgrößten Absatzmarkt Amerika ist man so gut wie nicht vertreten.

Fiat Chrysler hingegen ist stark in Nordamerika. 50 Prozent der 4,8 Millionen Neuwagen werden dort abgesetzt. 90 Prozent des Gewinns entstammen aus diesem Markt. Auch Lateinamerika gehört für den Konzern zu den wachsenden Märkten. Das Segment der Mittel- und Oberklasse (Alfa Romeo und Maserati) sowie Geländewägen (Jeep) sind bereits erfolgreicher Teil des Unternehmens.

In Europa aber schwächelt der Konzern, nur der Kleinwagen Fiat 500 und seine Abwandlungen behaupten sich am Markt. In China, dem Absatzmarkt Nummer 1, ist man so gut wie nicht präsent. Bei der Elektromobilität hat der Konzern nichts zu bieten. Es gibt nicht einmal ein ausschließlich batteriegetriebenes Modell der ersten Generation.

Schwierige Situation in beiden Unternehmen

An Renault ist der Staat Frankreich mit 15 Prozent beteiligt und hat damit ein Mitspracherecht. Ob und wie die Partner Nissan und Mitsubishi einsteigen, wäre noch zu klären. Renault verkauft beispielsweise weniger Autos als Nissan, hat aber im Dreier-Bündnis mehr Stimmrechte. Jean-Dominique Senard leitet den Konzern erst seit kurzer Zeit, da sein Vorgänger, Carlos Ghosn, wegen einem angeblichen Verstoß gegen Börsenauflagen im Gefängnis sitzt.

Italien ist am Fiat Chrysler Konzern nicht beteiligt. Erste Stimmen, dies im Fusionsfall den Franzosen gleich zu tun, sind bereits zu hören. Das Markengleichgewicht zwischen Fiat und Chrysler hinkt. Chrysler ist der überwiegende Ergebnisbringer und bezuschusst den maroden Zustand von Fiat. Auch Mike Manley ist neu an der Spitze. Sein Vorgänger, Sergio Marchionne, starb kürzlich.

Soll die Fusion Erfolg haben, müssen tiefgreifende Effekte in überschaubarer Zeit realisiert werden:

1. Einsparungen: Hier rechnet man mit ca. 5 - 8,7 Milliarden Euro pro Jahr, je nach Einstieg der Partner.

2. Technologischer Fortschritt: Hier haben die Franzosen mehr zu bieten als die Italiener. Daher drängen die Franzosen bereits darauf, die Leitung des fusionierten Konzerns zu übernehmen. Die Italiener sehen das nicht gerne und wollen mindestens eine aufwendige Doppelspitze.

Die Gewerkschaften, welche berechtigterweise den massiven Verlust von Arbeitsplätzen befürchten, sind zum äußersten bereit. Auch die maßgebenden Politiker beider Länder, Macron und Salvini, können sich keine Stimmenverluste erlauben. Die zu vereinenden Befindlichkeiten dreier Kulturen (Franzosen, Italiener und Japaner) wären dann noch eine weitere Herausforderung. Die Führung eines solchen Riesen dürfte sich ebenfalls als extrem schwierig erweisen.

Keine Konkurrenz für Volkswagen

Die anfängliche Euphorie an der Börse ist bereits verflogen. Der alleinige Zusammenschluss von Fiat Chrysler und Renault ändert nichts an der klaffenden Absatzlücke in China. Auch Nissan, sofern Teil des Ganzen, hat dort seine Ziele bis 2023 gesenkt. Hier ist Volkswagen jedoch längst platziert.

Im Zukunftsfeld Elektromobilität verfügt Volkswagen Börsen-Chart zeigen über zusätzliche Kompetenzen, wie etwa bei Hybridantrieb oder der Brennstoffzelle. Die eigenständigen Marken Audi, Porsche, Skoda und Seat sind schon längst mit einer deutlichen Aufgabenverteilung in den Konzern integriert. Eine baldige Bewältigung der Dieselaffäre sowie eine überlegte Umsetzung des verabschiedeten und milliardenschweren Investitionspakets für neue Zukunftstechnologien könnte den Konzern vielmehr an die Spitze spülen als ihn durch eine Megafusion unter Zweitligisten in Gefahr bringen.

Stefan Randak ist Direktor und Leiter der Praxisgruppe Automotive beim Interim-Management-Anbieter Atreus in München und schreibt hier als Gastkommentator. Gastkommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.

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