Mittwoch, 13. November 2019

Zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse Vier Strategien gegen die Netflix-Bedrohung

Leseglück: Schmökern am Strand

Auf der Buchmesse in Frankfurt wurde viel über Nachhaltigkeit, Achtsamkeit und Nationalismus geredet. Doch über all den aktuellen Themen schwebt die große Frage, ob das Buch als Medium und Kulturgut noch eine Zukunft hat: Netflix und andere Streaming-Anbieter sind die gefährlichsten Wettbewerber des Buches. Wie aber kann das Buch gegen die digitale Konkurrenz bestehen? Ist die permanente Verfügbarkeit immer kürzerer und serieller digitaler Inhalte die Rettung?

Erik Maier

Folgende vier Strategien könnten helfen, das Buch wieder klarer zu positionieren und erfolgreicher zu machen.

1. Macht alles anders als Netflix

Ein Ansatz, dem Buch im Wettbewerbsvergleich wieder zu mehr Profil zu verhelfen, ist eine stärkere Abgrenzung von Netflix & Co. Wenn sich der Buchhandel mit Streamingdiensten gemein macht, bleibt er am Ende nur Abklatsch des Originals und verliert seinen Mehrwert. Elektronische Bücher (E-Books) konkurrieren direkt mit anderen digitalen Medien, da sie leichteren Zugriff von unterwegs sowie kürzere, serielle Inhalte und sogar "transmediales Erzählen" ermöglichen. Aber kann die digitalisierte Kopie besser sein als das digitale Original? Eher nicht.

Lesen Sie auch: mm-Bücherschau: Das sind die Lieblingsbücher der Erfolgreichen

Die Digitalisierung schafft keine perfekten Substitute. Während digitale Medieninhalte besser zu einigen Konsumsituation passen (beispielsweise YouTube zur schnellen Ablenkung), eignen sie sich weniger gut für andere (etwa für ein haptisches Leseerlebnis oder die opulente Optik des neuesten Coffee-Table-Buchs). Einige Verlage gehen daher den umgekehrten Weg: eine Rückkehr zu aufwendig hergestellten Büchern, die sich an Bibliophile richten. Die Andere Bibliothek ist hier ein Beispiel.

Betriebswirtschaftlich stellt sich bei diesem Ansatz allerdings die Frage nach der Marktgröße. Verglichen mit Unterhaltung à la Netflix sind bibliophile Bücher ein Nischenprodukt, vorsichtig formuliert. Es ist fraglich, ob es überhaupt einen Markt für eine solche Abgrenzungsstrategie gibt, in jedem Fall ist er sehr klein. Aber vielleicht erlebt der Buchhandel in zwei Dekaden ja auch ein Revival des Analogen, ähnlich wie die auferstandene Langspielplatte.

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung