Montag, 14. Oktober 2019

Escape Rooms - der neue Trend im Teambuilding Wenn Personaler ihre Mitarbeiter zum Spielen schicken

Teambuilding: Ein Besuch im Escape Room Casa Moretta in Hamburg
manager magazin

"Wir stehen hier vor der Casa Moretta. Die Familie ist bekannt für ihre windigen Geschäfte. Falschgeld, Erpressung, Steuerhinterziehung, sogar von Menschenhandel war schon die Rede. Ihr, eine Gruppe top-ausgebildeter Spezialpolizisten, braucht nun belastende Beweise, um die Morettas endlich hinter Gitter zu bringen. Dafür bleibt euch eine Stunde Zeit!"

Was nach einem Fernsehkrimi klingt, wird genauso tagtäglich in einem abgedunkelten Raum in der Hamburger Speicherstadt erzählt. Escape Rooms liegen schon seit Jahren im Trend. Rund 420 Betriebe gibt es in Deutschland, die zusammen 110 Millionen Euro im Jahr erlösen. Von der Weltrettung über Laborexplosionen bis hin zu Zeitreisen - es gibt keine Geschichte, keine Aufgabe, die nicht schon zum Escape Room-Storytelling genutzt wurde. Was bisher vor allem Hobby-Detektive und Knobel-Fans in die geschlossenen vier Wände gelockt hat, entdecken jetzt Unternehmen für sich: gemeinsames Rätsel lösen als Teambuilding-Maßnahme.

Viele Firmen buchen die Räume im Zuge der Weihnachtsfeier oder als reines Event. Etwas fünf bis zehn Prozent nutzen sie jedoch bereits als Teambuilding-Maßnahme, schätzt Max Giesen, Escape-Room-Betreiber und Vorstand im Fachverband der Live Escape & Adventure Games. Tendenz steigend. Inzwischen gibt es neben den stationären Escape Rooms auch Anbieter, die mit mobilen Varianten zum jeweiligen Unternehmen fahren und das Spiel vor Ort durchführen.

Nur, wenn das Team kooperiert, kommt es weiter

Im Alltag arbeiten Renate, Tristan, Lena, Tanja und Antje bei einem IT-Konzern zusammen. Heute sind sie die "Spezialpolizisten" - und stehen vor dem ersten Rätsel: der Tür zur Casa Moretta. Während Tristan die ausgehändigten Unterlagen in Augenschein nimmt, tastet Lena den Türrahmen ab, dreht an der Lampe, doch das schummrige Licht wird nur noch schwacher. Tanja fühlt unter dem Briefkasten nach ungewöhnlichen Auskerbungen, rückt an jedem einzelnen Ziegel, verschiebt Steine, als die schwere Holztür mit einem Quietschen aufschwingt. Der Eingang ist geöffnet.

"Bei klassischen Escape Rooms werden Logik und Kreativität angesprochen, es geht darum, out of the box und um die Ecke zu denken, sich von gewöhnlichen Denkmustern zu befreien", erklärt René Wittek, Diplom-Psychologe und Geschäftsführer von "Spielgestalter". Die Agentur bietet Teambuildings und -Trainings, auch mobil. "Kompetenzen wie zuhören und sich gegenseitig ausreden lassen werden geschult, man muss gewillt sein, auf andere Vorschläge einzugehen. Dabei muss man immer die Zeit im Blick haben. Es ist so angelegt, dass man es nicht alleine schaffen kann, sondern mit der Gruppe kommunizieren muss." Genau deshalb sei dies auch eine so gute Möglichkeit, um ein Kollegen-Team näher zusammen zu bringen.

Im Kaminzimmer der Morettas angekommen sucht Renate weiter, sie öffnet Kisten und Schränke, Schubladen und Truhen, findet ein Zahlenschloss. Bücher werden umgedreht, Stühle hochgehoben, Kerzen verrückt. Alles kann eine Bedeutung haben - muss es aber nicht. Belanglose Deko oder wichtiger Anhaltspunkt? Während Antje die linke Ecke des Zimmers durchsucht, macht sich Lena am Regal in der rechten Ecke zu schaffen und findet ein weiteres Schloss, diesmal mit Buchstaben. Immer mehr Hinweise finden den Weg auf den Tisch in der Mitte des Raums, wo sich nach und nach alle wieder zusammenfinden. Wie geht es nun weiter? Tristan nimmt das Zahlenschloss in die Hand und spricht ein Machtwort: "Wir fangen jetzt damit an, dann können wir mit dem Anderen weiter machen." Alle nicken.

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