So werden Kinder erfolgreich - sagt die Wissenschaft Was Eltern besonders richtig machen können

Stolzer Moment für Eltern: Abschlussfeierlichkeit an der Uni. Bis dahin ist es aber ein weiter Weg. Und natürlich muss sich Erfolg nicht immer über akademische Bildung definieren (schließlich waren unter vielen anderen auch Bill Gates und Richard Branson Studienabbrecher).

Stolzer Moment für Eltern: Abschlussfeierlichkeit an der Uni. Bis dahin ist es aber ein weiter Weg. Und natürlich muss sich Erfolg nicht immer über akademische Bildung definieren (schließlich waren unter vielen anderen auch Bill Gates und Richard Branson Studienabbrecher).

Foto: Julian Stratenschulte/ dpa

Eltern sind eine der größten Zielgruppen überhaupt für Ratgeberliteratur (und auch für ungefragte Ratschläge). Alles richtig machen kann man nicht und schon gar nicht es jedem recht.

Aber es gibt immer wieder interessante wissenschaftliche Studien, die entweder belegen, warum man vorher schon intuitiv richtig lag - oder die, in selteneren Fällen, auch neue Erkenntnisse für den persönlichen Erziehungsalltag (vulgo Familienwahnsinn) bringen.

Was machen Eltern erfolgreicher Kinder richtig? Das englischsprachige Portal "Business Insider" hat versucht, anhand wissenschaftlich gesicherter Erkenntnisse einige relevante Antworten  zusammenzutragen. Hier sind die wichtigsten Stichpunkte - um den einen oder anderen Aspekt ergänzt.

Und bevor Sie sich in die Enge getrieben fühlen, weil es für mathematische Frühförderung zu spät ist und Sie vielleicht den falschen Vornamen gewählt haben - entspannen Sie sich. Die beste Zusammenfassung der wirklich gesicherten Erkenntnisse aus der erziehungsrelevanten Forschung seines Fachs hat der Neurowissenschaftler Steve Petersen einmal gegeben: "Sperren Sie Ihr Kind nicht in den Schrank, lassen Sie es nicht verhungern und schlagen Sie ihm nicht mit der Bratpfanne auf den Kopf."

Kinder brauchen Aufgaben

Wer mitmacht, weiß auch das Ergebnis zu würdigen: Starköchin Sarah Wiener beim Salatzupfen mit Kindern

Wer mitmacht, weiß auch das Ergebnis zu würdigen: Starköchin Sarah Wiener beim Salatzupfen mit Kindern

Foto: Friso Gentsch/ picture alliance / dpa

Die Autorin von "How to Raise an Adult" ("Wie man Erwachsene großzieht"), Julie Lythcott-Haims, gibt laut Business Insider  das Offensichtliche zu bedenken: "Wenn Kinder nicht den Abwasch machen, heißt das, das jemand anders das für sie macht."

In den meisten Familien dürfte das Phänomen bekannt sein, dass Kinder die Küche auch gerne für ein sich selbst reinigendes Organ halten. Aber das ist gefährlich, denn: "Die Kinder sind so nicht nur von der Arbeit befreit, sondern auch davon, zu lernen, dass sie gemacht werden muss und und dass jeder von uns etwas zum Wohle der Allgemeinheit beizutragen hat", so Lythcott-Haims.

Wer früh lernt, Aufgaben zu übernehmen, ist auch ein besserer Kollege, kann selbständiger arbeiten und empathischer auf andere reagieren. Die Autorin beruft sich auf die Langzeitstudie "Harvard Grant Study",  die nachweisen konnte, dass Leute, die in ihrer Kindheit mehr Hausarbeit machen mussten, später im Leben glücklicher waren als andere.

Soziale Kompetenz als Erfolgsfaktor

Fair teilen ist auch eine Altersfrage: Bei kleineren Kindern ist die Impulskontrolle noch nicht ausgeprägt - das ist ein neurologischer Fakt.

Fair teilen ist auch eine Altersfrage: Bei kleineren Kindern ist die Impulskontrolle noch nicht ausgeprägt - das ist ein neurologischer Fakt.

Foto: DPA

Wenn man sich ein wichtiges Erziehungsziel setzen will, dann sollte soziale Kompetenz ganz oben auf der Liste stehen. Eine Studie der US-Universitäten Pennsylvania State und Duke  verfolgte die Entwicklung von mehr als 700 Kindern, bis sie das Alter von 25 Jahren erreicht hatten.

Es zeigte sich eine signifikante Verbindung zwischen der Sozialkompetenz, die sie im Kindergarten gezeigt hatten, und den beruflichen Erfolgen, die sie zwei Jahrzehnte später erzielten. Ob jemand auf der Uni oder im Gefängnis landete, ob er oder sie beruflich erfolgreich war oder von Sozialhilfe abhing, ließ sich in vielen Fällen direkt mit der sozialen Kompetenz im Kindergarten verknüpfen - auch wenn natürlich kausale Verknüpfungen in diesen Bereich immer riskant sind; es spielen ja etliche Faktoren für die Koordinaten eines Lebensweges mit.

Was sich aber gesichert sagen lässt, ist, dass die Sozialkompetenz eine Art Universalschlüssel für viele Türen sein kann, die sich später im Leben damit öffnen lassen.

Nicht zu wenig erwarten - und die richtige Geisteshaltung fördern

Hoch hinaus: Eltern sollten ihren Kindern viel zutrauen und den richtigen Umgang mit Fehlern vorleben

Hoch hinaus: Eltern sollten ihren Kindern viel zutrauen und den richtigen Umgang mit Fehlern vorleben

Foto: Frank Leonhardt/ picture alliance / dpa

Eltern mögen sich sorgen, ob sie ihre Kinder überfordern. Aber eine Studie der University of California  zeigte, dass es sehr stark von der Erwartungshaltung der Eltern abhing, welche Ziele deren Kinder erreichten. Das ließ sich in Zahlen messen: Bei standardisierten Tests stellte sich heraus, dass unter den Kindern, die am besten abschnitten, 96 Prozent waren, deren Eltern erwarteten, dass sie eine Hochschule besuchen würden.

Bei denen, die am schlechtesten abschnitten, waren es nur 57 Prozent. Hier komme, so die Vermutung, der sogenannte Pygmalion-Effekt  zum Tragen, der eine Erwartungshaltung zur einer selbsterfüllenden Prophezeihung werden lässt (es mag aber natürlich auch eine Rolle spielen, dass manche Eltern ihre Kinder einfach realistisch einschätzen können).

Auch die familiäre Fehlerkultur spielt eine wichige Rolle: Der Business Insider zitiert die Psychologin Caron Dweck, die zwei Arten unterscheidet, wie Kinder (und Erwachsene) über Erfolg denken: Eine festgelegte Geisteshaltung und eine auf Wachstum angelegte. Erstere betrachtet Charakter, Intelligenz und Kreativität als mehr oder minder fixe Größen; wer seine Kinder lobt, dass sie aufgrund ihrer Gaben einen Test bestanden haben, legt sie darauf fest - Scheitern wird zum Problem, denn das würde die gesamte Persönlichkeit in Frage stellen.

Lobt man seine Kinder hingegen für ihre Anstrengung, lernen sie, dass Scheitern nicht so schlimm ist, sondern eher Ansporn sein sollte, es künftig besser zu machen. Eine gute Einführung in das Thema gibt Dweck in diesem TED Talk. 

Für ein harmonisches Umfeld sorgen - und fair streiten

Vor den Kindern streiten, aber dabei fair bleiben heißt die pädagogische Devise

Vor den Kindern streiten, aber dabei fair bleiben heißt die pädagogische Devise

Foto: Christoph Schmidt/ dpa

Eine Untersuchung der University of Illinois bestätigt, was auch der gesunde Menschenverstand vermuten lässt: Kindern aus Familien, in denen es dauernd Streitigkeiten und Konflikte gibt, ging es schlechter als solchen in einem harmonischen Umfeld. Dabei konnte es Kindern Alleinerziehender besser gehen als Kindern, deren Eltern zwar zusammen blieben, aber sich andauernd stritten. Mittzwanziger, die als Teenager die Scheidung ihrer Eltern mitbekamen, litten noch zehn Jahre später darunter. Verlustangst und Reuegefühlen waren verbreiteter unter jungen Leuten, die im Elternhaus viele Konflikte mitbekommen hatten.

Kehren Sie Konflikte nicht unter den Teppich

Aber das heißt nicht, dass Sie jeden Mini-Streit unter den Teppich kehren sollten. Da kommt wieder das Streben nach sozialer Kompetenz ins Spiel: Wie sollen Kinder lernen, Konflikten zu lösen, wenn sie nicht erleben, wie das geht?

Streiten Sie also ruhig, aber bleiben Sie fair. Kinder, die miterleben, wie Eltern miteinander streiten und zu einer gemeinsamen Lösung finden, sind nachher glücklicher, als sie vor dem Konflikt waren, zitiert der Business Insider den Entwicklungspsychologen E. Mark Cummings . Am schlimmsten sei es, wenn Elternteile sich kommentarlos zurückzögen: Dann spürten die Kinder zwar, dass etwas nicht stimme, aber verstünden nicht, was los sei oder wieso. Destruktive Streitigkeiten, bei denen es zu keiner einvernehmlichen Lösung kommt, könnten aber zu Angst- und Lernstörungen, Müdigkeit, Verhaltensauffälligkeiten führen.

Für die eigene Bildung sorgen - und Mathe mögen

Kinder gebildeter Eltern bringen es weiter - aber das hängt auch mit der Erwartungshaltung von Eltern und Lehrern zusammen

Kinder gebildeter Eltern bringen es weiter - aber das hängt auch mit der Erwartungshaltung von Eltern und Lehrern zusammen

Foto: Patrick Pleul/ dpa

Es liegt einiger sozialer Sprengstoff in der Erkenntnis, dass die Kinder von Müttern mit höherer Schulbildung es auch eher weit im Bildungssektor bringen. 2014 führte die University of Michigan eine Studie  mit mehr als 14.000 Kindern durch - die, deren Mütter 18 Jahre oder jünger waren, brachten es in der Schule nicht so weit wie die anderen.

Das kann aber auch an der Erwartungshaltung von Lehrern liegen - und an mangelnder Chancengleichheit; ein Schulsystem wie das deutsche, das immer noch in weiten Teilen von der Unterstützung der Eltern abhängt und in dem viele Kinder Nachhilfe brauchen oder bekommen, ist für Quereinsteiger ohne bildungsbürgerlichen Hintergrund ohne Frage schwieriger zu bewältigen.

Vorsprung durch Mathe

Es kann sich lohnen, Kinder früh an den Umgang mit Zahlen heranzuführen - das steigert nicht nur die späteren Fähigkeiten, sich auch weitere Bereiche der Mathematik zu erschließen, sondern auch die Lesekompetenz, wie eine Untersuchung der Fähigkeiten von 35.000 Vorschulkindern  in den USA, Kanada und England herausfand.

Früh eine gute Beziehung entwickeln

Mutmaßlich glückliche Familie: Facebook-Gründer Mark Zuckerberg mit seiner Frau Priscilla Chan Zuckerberg und Tochter Max Chan Zuckerberg

Mutmaßlich glückliche Familie: Facebook-Gründer Mark Zuckerberg mit seiner Frau Priscilla Chan Zuckerberg und Tochter Max Chan Zuckerberg

Foto: Mark Zuckerberg via AP

In den frühen Jahren wird das Fundament dafür gelegt, wie Menschen dem Leben insgesamt gegenübertreten. Eine Studie fand 2014 das Erwartbare heraus : Wenn Kinder in den ersten drei Lebensjahren Zuwendung erfuhren und erlebten, dass auf ihre Signale prompt und angemessen reagiert wurde, waren sie in ihren späteren Lebensjahren erfolgreicher im Beruf und in ihren privaten Beziehungen. Business Insider zitiert Lee Raby, eine der Ko-Autorinnen der Studie: "Dies deutet darauf hin, dass frühe Investitionen in die Eltern-Kind-Beziehung langfristige Renditen bringen, die über das Leben der einzelnen Individuen hinaus Wirkung zeigen."

Aber machen Sie sich bloß keinen Stress. Wie Brigid Schulte in der Washington Post schreibt , ist das Schlagwort der "Qualitätszeit" noch immer aktuell. Sie zitiert eine aktuelle Studie, nach der man durchaus auch zu viel Zeit mit seinen Kindern verbringen kann - dann nämlich, wenn man selbst müde, gestresst oder unglücklich ist, ängstlich oder sich schuldig fühlt.

Schlechte Karten haben demnach auch überbehütende Helikopter-Eltern. Entscheidend sei nicht, wie viel Zeit man mit seinen Kindern verbringe, sondern wie man selbst dabei drauf sei: Emotionale Ansteckung ist das Stichwort - eine positive Grundstimmung färbt ebenso ab wie eine negative.

Und vor allem Töchter profitieren davon, wenn Mütter arbeiten gehen, wie eine Studie vor zwei Jahren zeigte.   Unter anderem verdienten sie später im Schnitt 23 Prozent mehr als ihre Altersgenossinnen, deren Mütter zu Hause blieben. Einen positiven Effekt gab es auch für Söhne: Die beteiligten sich als Erwachsene signifikant mehr an Haushalt und Kindererziehung. Die Autorin der Studie, Kathleen L. McGinn, resümiert denn auch: "Uns sind wenige Dinge bekannt, die zur Gleichberechtigung einen klareren Effekt haben als der, von einer arbeitenden Mutter großgezogen zu werden."

Autoritativ statt autoritär sein

Drill mag beim Training funktionieren, in der Pädagogik ist er der falsche Weg

Drill mag beim Training funktionieren, in der Pädagogik ist er der falsche Weg

Foto: picture alliance / AP

Bereits in den 60er Jahren unterschied die Entwicklungspsychologin Diana Baumrind drei Arten elterlicher Erziehung : Autoritär, autoritativ und permissiv. Autoritäre Eltern fordern unbedingten Gehorsam und arbeiten viel mit Bestrafungen. Diskussionen sind selten. Permissive Eltern lassen so ziemlich alles durchgehen und schränken das Kind nirgendwo ein - sie setzen ihm so gut wie keine Grenzen und nehmen ihren Erziehungsauftrag kaum wahr. Autoritative Eltern hingegen nehmen sich als Erziehende wahr, diskutieren aber mit den Kindern über ihre Entscheidungen und respektieren auch den Willen des Kindes.

Aus erziehungswissenschaftlicher Perspektive ist die autoritative Stil der beste, weil das Kind einerseits Respekt lernt, andererseits nicht in seiner Entfaltung behindert wird. In Deutschland vertritt etwa der Erziehungsexperte Jan-Uwe Rogge diese Richtung; sein Buch "Kinder brauchen Grenzen", 1993 erschienen, wurde zum Klassiker der hiesigen Erziehungsliteratur. Rogge plädiert dafür, Kindern bewusst Grenzen zu setzen, um sie nicht durch die Tolerierung jedweden Verhaltens im Stich zu lassen.

Biss trainieren

Sich für Themen interessieren und dranbleiben: Das ist eine wichtige Kernqualifikation

Sich für Themen interessieren und dranbleiben: Das ist eine wichtige Kernqualifikation

Foto: Friso Gentsch/ dpa

Erfunden hat die Psychologin Angela Duckworth den Biss zwar nicht, wohl aber ihm eine Untersuchung gewidmet , die zeigte: Wer Biss (englisch "grit") hat, also die Tendenz, sich für sehr langfristige Ziele zu interessieren und anzustrengen, der bringt es weit im Leben.

Das mag keine Überraschung sein, aber die wissenschaftliche Untermauerung des Konzepts ist interessant. Und auch die Folgerungen, die sich für die Erziehung ergeben: Kinder zu ermuntern, sich eine Zukunft vorzustellen, die sie erschaffen wollen. Weil "grit" langfristige Ziele setzt, geht es auch um visionäres Denken - darum, seine Kinder sowohl zu Träumern als auch zu Machern zu erziehen.

Augen auf bei der Namenswahl

Die Namenswahl ist bei diesen Kindern schon gelaufen. Aber bis zur Berufswahl ist schon noch ein bisschen Zeit.

Die Namenswahl ist bei diesen Kindern schon gelaufen. Aber bis zur Berufswahl ist schon noch ein bisschen Zeit.

Foto: Christian Charisius/ picture alliance / dpa

Ein ganz praktischer Tipp, den man frühzeitig beachten sollte: Die Namenswahl kann entscheidend sein für schulische und berufliche Erfolge . Namen wie Kevin oder Justin sind eher hinderlich. Auch eine Mandy oder Cindy hat es mutmaßlich schwerer beim Vorankommen als eine Ann-Sophie oder eine Laura - aber schwer haben es auch die beiden letzteren. In deutschen Vorständen gibt es nämlich mehr Leute, die Thomas oder Michael heißen, als Frauen .

Verhaltenskontrolle, nicht Psycho-Kontrolle

Gutes Benehmen ist keine Glückssache - die Fundamente werden früh gelegt

Gutes Benehmen ist keine Glückssache - die Fundamente werden früh gelegt

Foto: Waltraud Grubitzsch/ picture alliance / dpa

Eine britische Studie fand heraus , dass der Umfang der psychologischen Kontrolle, die Eltern über ihre Kinder ausüben, eine signifikante Rolle für deren spätere psychische Gesundheit und Lebenszufriedenheit spielt.

Zusammengefasst: Je mehr Psycho-Kontrolle die Eltern ausüben, desto schwerer haben es die Kinder später im Leben. Psycho-Kontrolle heißt in diesem Zusammenhang: Kindern keine eigenen Entscheidungen erlauben, ihre Privatsphäre nicht respektieren, Abhängigkeit fördern und ihnen ein schlechtes Gewissen machen. Sie heißt nicht, dass man die Kinder selbst entscheiden lassen sollte, ob sie sich gerne an der Hausarbeit beteiligen oder ihre Schulaufgaben erledigen möchten.

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