Englischer Fußballverband begehrt gegen Fifa-Chef Blatter auf "Man muss fragen, ob die Wahl stattfinden sollte"

Von mm-newsdesk
FA-Präsident Dyke: "Man muss fragen, ob die Wahl unter diesen Umständen stattfinden sollte"

FA-Präsident Dyke: "Man muss fragen, ob die Wahl unter diesen Umständen stattfinden sollte"

Foto: Patrick Seeger/ dpa

Kurz vor der Präsidentschaftswahl am Freitag versinkt die Fifa wieder im Chaos von Bestechungsvorwürfen und Korruptionsverdacht. Der englische Verband FA hat nun als erste Konföderation die Wahl von Fifa-Chef Joseph Blatter infrage gestellt. "Man muss fragen, ob die Wahl unter diesen Umständen stattfinden sollte", erklärte FA-Präsident Greg Dyke am Mittwoch.

Eigentlich wollte der Weltfußballverband den Kongress des Dachverbandes und die Wahl des Präsidenten mit Blatter und seinem einzigen noch verbliebenen Herausforderer Prinz Ali bin al-Hussein wie geplant durchführen. Einen Rücktritt Blatters schloss Fifa-Kommunikationschef Walter de Gregorio aus. "Warum soll er zurücktreten? Er wird nicht verdächtigt", sagte de Gregorio.

Zuvor waren sieben hochrangige Fußball-Funktionäre in Zürich festgenommen worden - darunter die Blatter-Stellvertreter Jeffrey Webb und Eugenio Figueredo. Ihnen wird organisiertes Verbrechen und Korruption vorgeworfen. Insgesamt ermittelt das US-Justizministerium gegen 14 Personen.

Unabhängig davon stellten Schweizer Behörden nur wenige Stunden nach dem Polizeieinsatz in Zürcher Nobelhotel Baur au Lac in der Zentrale des Fußball-Weltverbandes am Mittwoch elektronische Daten und Dokumente sicher. Die zuständige Bundesstaatsanwaltschaft eröffnete ein Strafverfahren im Zusammenhang mit den WM-Vergaben an Russland 2018 und Katar 2022. Nach Behördenangaben geht es um den Verdacht "der ungetreuen Geschäftsbesorgung sowie des Verdachts der Geldwäscherei gegen unbekannt". Bis zu zehn an der WM-Vergabe beteiligte Mitglieder des Exekutivkomitees sollen verhört werden.

Allerdings gehen diese Ermittlungen auf eine Strafanzeige der Fifa vom 18. November 2014 zurück. "Das Timing ist nicht das beste", räumte Kommunikationschef de Gregorio ein, generell sei das Verfahren aber gut für die Fifa "im Sinne der Transparenz". Der Medienchef des Verbandes stellte bei einer eigens einberufenen Pressekonferenz in Zürich klar, dass die WM-Endrunden 2018 und 2022 ebenfalls wie vorgesehen stattfinden sollen.

Unter den insgesamt 14 Verdächtigen sind auch das designierte Fifa-Exko-Mitglied Eduardo Li aus Costa Rica und der frühere Fifa-Vizepräsident Jack Warner aus Trinidad und Tobago. In den USA laufen seit längeren Untersuchungen des FBI gegen frühere Fifa-Funktionäre. Der ehemalige US-Verbandschef Chuck Blazer und Warner gehören zu Beschuldigten in diversen Korruptionsverdachtsfällen. Zuvor hatte bereits die "New York Times" die Namen in dem Zusammenhang erwähnt.

Wie das US-Justizministerium erklärte, sollte am Mittwoch in Miami auch das Hauptquartier des nord- und mittelamerikanischen Dachverbandes CONCACAF durchsucht werden. Korruption sei weit verbreitet, systematisch und tief verwurzelt sowohl in den Vereinigten Staaten als auch im Ausland, erklärte US-Justizministerin Loretta E. Lynch.

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Das Schweizer Bundesamt für Justiz bestätigte, dass die Beschuldigten in Auslieferungshaft genommen wurden. Ihnen droht die Abschiebung in die USA. Laut Behörden geht es um Bestechungszahlungen von über 100 Millionen Dollar seit den 90er Jahren. Ein Sprecher sagte, das Geld sei von Sportmedien- und Sportvermarktungsunternehmen gekommen. Als Gegenleistung hätten sie Medien-, Sponsoring- und Vermarktungsrechte an Fußball-Turnieren in den USA und Lateinamerika erhalten.

Zwanziger: "Das ist ein großer Sumpf"

Der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger sieht die Ursachen für den Fifa-Skandal im Aufbau des Weltverbandes. "Das ist ein großer Sumpf", sagte der bis Freitag im Fifa-Exekutivkomitee sitzende Zwanziger der Rheinischen Post: "Das Problem ist nicht damit erledigt, dass man Sepp Blatter als Präsident verhindert. Der Fehler liegt im System der Fifa. Es können sich zu viele bedienen."

Dennoch sei er aber "froh, dass endlich etwas passiert", betonte der Jurist aus Altendiez weiter. Im Fall der umstrittenen Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 in Russland und 2022 in Katar fordert Zwanziger weitreichende Ermittlungen: "Auch diesbezüglich muss es intensive Untersuchungen geben. Es darf nichts unter den Teppich gekehrt werden."

Auf dem fifa-Kongress am Donnerstag und Freitag in Zürich scheidet Zwanziger endgültig aus dem Exekutivkomitee des Weltverbandes aus und wird durch DFB-Präsident Wolfgang Niersbach in der Regierung des Weltfußballs ersetzt.

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ts/dpa-afx/sid
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