Dienstag, 12. November 2019

Widerstand wächst, Bird startet vorsichtig im deutschen Markt  Hält der E-Scooter-Hype nur einen Sommer?

Das "Entsorgungsproblem" der Scooter-Verleiher, von dem Kritiker sprechen, lösen manche Nutzer oder Gegner der neuen Mittel zur Mobilität auf ihre Weise. Was wiederum für Verdruss bei Kommunen sorgt.
GERARD JULIEN/ AFP
Das "Entsorgungsproblem" der Scooter-Verleiher, von dem Kritiker sprechen, lösen manche Nutzer oder Gegner der neuen Mittel zur Mobilität auf ihre Weise. Was wiederum für Verdruss bei Kommunen sorgt.

E-Scooter haben nach Einschätzung des SPD-Umweltpolitikers Michael Thews eine schlechte Umweltbilanz. "Mein erster Eindruck von der Nutzung der E-Scooter ist, dass sie für Strecken genutzt werden, die sonst zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem ÖPNV zurückgelegt wurden." Ihren eigentlichen Zweck, die CO2-Bilanz zu verbessern, erfüllten sie somit nicht, glaubt der stellvertretende Vorsitzende des Umweltausschusses im Bundestag.

Stattdessen trete ein "Entsorgungsproblem" auf. "Die E-Scooter müssen häufig schon nach wenigen Monaten als Elektroschrott entsorgt werden", sagte Thews der "Rheinische Post". Im Verleih seien die Roller recht teuer und hätten ihren Anschaffungspreis daher schon nach wenigen Monaten eingespielt. Mit Blick auf die Ökobilanz sei dies nicht sinnvoll. Für defekte E-Scooter müsse es daher dringend ein Reparatur- und Recyclingkonzept geben, so Thews.

Roller-Verleiher wie Tier rechnen selbst mit einer Lebensdauer von 14 Monaten ihrer Geräte. Auch betrachten sie sich nicht nur als Teil des städtischen Lebens in ganz Europa, sondern auch als Katalysator für eine notwendige Verkehrswende in den Großstädten, was zugleich mit weniger CO2-Ausstoß verbunden sei.

Allerdings: Valide Erhebungen über einen längeren Zeitraum, wie stark Elektroroller andere Verkehrsmittel in Deutschland tatsächlich ersetzen, gibt es noch nicht. Erste wissenschaftliche Arbeiten dazu und auch Unfallstatistiken sind bislang lediglich zu einzelnen Städten in den USA bekannt.


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Das wundert indes nicht. Denn erst seit Juni sind die E-Scooter auf den Straßen deutscher Städte zugelassen. Gleichwohl weht der Verleihern mittlerweile ein kräftiger Wind der Kritik und anhaltenden Skepsis ins Gesicht. Nach Beschwerden aus der Bevölkerung und den Kommunen haben die vier größten Verleiher vor wenigen Tagen eine Vereinbarung mit dem Verband der kommunalen Spitzenverbände unterzeichnet. Ziel der Vereinbarung ist es, die Nutzer zu mehr Disziplin im Umgang mit den Rollern zu bringen. Dafür wollen die Verleiher auch selbst verantwortlich zeichnen.

Mehr über das Geschäftsmodell der E-Scooter -Verleiher erfahren Sie im Podcast

Ob dieses Gegenwinds geben sich einzelne Anbieter auch sehr vorsichtig für das weitere Geschäft in Deutschland. Der Hype könnte gar sehr schnell sogar wieder vorbei sein, glaubt Bird-Deutschlandmanager Christian Gessner. "Eine Konsolidierung wird schneller erfolgen, als viele denken. Die Investments sind sehr hoch, und Ende des Jahres wird die Kasse bei vielen schon erschöpft sein", sagte Gessner dem Handelsblatt.

Das US-Unternehmen ist am Montag offiziell in den deutschen Scooter-Markt eingestiegen und wolle das Geschäft bewusst langsam aufbauen - mit anderen Worten: nicht zu großes Risiko eingehen.

Wie widerstandsfähig das Geschäftsmodell der einzelnen Anbieter ist, wird sich spätestens mit dem beginnenden Herbst und Winter zeigen, wenn die Roller wegen des schlechten Wetters kaum oder gar nicht mehr nachgefragt werden.

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