Donnerstag, 17. Oktober 2019

Selbstbestimmt in der digitalen Welt glücklicher werden Haben Sie Ihr Handy im Griff? Oder das Handy Sie?

Top Ten: So gelingt die digitale Selbstbestimmung
REUTERS

2. Teil: Die sieben Geheimnisse der Macht der digitalen Welt

Alexander Markowitz vom Institut für Informatik an der Uni Bonn hat in seinen Untersuchungen herausgefunden, dass wir heute im Schnitt 88 Mal pro Tag auf das Handy schauen, das heißt, 2,5 Stunden damit verbringen. Nur sieben Minuten davon telefonieren wir. Der Rest der Zeit fällt dem Entsperren , um "nur mal zu schauen", Wettervorhersage, Uhrzeit, Spielen zum Opfer. Es ist nicht problematisch, dass wir unsere Zeit vertrödeln, sondern dass wir unsere Aufmerksamkeit ständig unterbrechen. Bereits ein Handy, das auf dem Tisch liegt, erzeugt Unruhe.

  • Wir sind neugierig

Unser Gehirn liebt es zu lernen, zu spielen und zu entdecken. Es ist also durchaus gesund und sinnvoll, zu recherchieren, um ein Thema zu erforschen. Doch setzen Sie sich ein Zeitlimit. Indem wir den zahlreichen Verlinkungen folgen, verlieren wir das Gefühl für unseren Zeiteinsatz am PC.

  • Wir wollen dazugehören

Einer unserer ältesten und damit stärksten Instinkte stammt aus der Zeit, in der wir Menschen wurden, in kleinen Gruppen gelebt haben und nur innerhalb der Gruppe überleben konnten. Darauf ist unser Gehirn heute noch gepolt. Der Eindruck, etwas zu verpassen oder uns nicht gruppenkonform zu verhalten, vermittelt uns das Gefühl, in Gefahr zu sein.

  • Wir lechzen nach Aufmerksamkeit und Anerkennung

Hier finden wir das machtvollste Geheimnis der neuen Medien. Kaum einem Kind wurde von seiner Familie ausreichend Aufmerksamkeit geschenkt. Die Eltern waren stets beschäftigt, körperlich, oft jedoch nicht geistig anwesend. Sie haben ihr Bestes getan, doch das Bedürfnis des Kindes, wahrgenommen zu werden, wurde unzureichend erfüllt. Haben sie sich den Kindern zugewandt, dann oft, um sie zu erziehen - mit Geboten, Verboten, negativem Feedback. Nicht zu zappeln, leise, sauber, ordentlich, fleißig, klug, schnell zu sein. Die Botschaft, die bei einem Kind ankommt, lautet: "Du bist nicht richtig".

Daraus entstanden ist eine große Sehnsucht, die wir als Erwachsene unbemerkt mit uns herumtragen, hoffend, irgendwer ließe uns einmal genügend Aufmerksamkeit zuteilwerden. Das jedoch funktioniert nicht. Wir selbst müssen uns besser um uns kümmern. Die neuen Medien docken zielsicher an unser Aufmerksamkeitsdefizit an, indem sie falsche Hoffnungen entstehen lassen.

Wir wollen glücklich sein

Das ist auch gut so. Der Glücksbotenstoff Dopamin wird jedoch bereits dann im Gehirn ausgeschüttet, wenn wir etwas Positives erwarten. Im Hinblick auf unsere Handy-Gepflogenheiten heißt das: Wir checken das Handy nicht, weil eine neue Nachricht eingegangen ist, sondern weil sie eingegangen sein könnte. Wie wir von Suchtmitteln wie Zucker oder Alkohol wissen, muss die Dosis ständig gesteigert werden, um denselben Effekt zu erzielen.

  • Wir lieben Stress

Wir machen uns zu viele Gedanken, wollen zu viel auf einmal schaffen, zu viel erreichen. Die Folgen der Volkskrankheit namens Selbstüberforderung sind Stress und Leistungsverlust. Kein Wunder, wenn Intranet, Facebook, Skype, Xing, Dienst- und privates Handy parallel bedient werden. Unser Gehirn folgt dem Prinzip "mehr von Bekanntem". Ist das Stresshormon Cortisol unserem Körper vertraut, suchen wir unbewusst immer wieder nach neuen Situationen, in denen es produziert wird.

Falls Sie jetzt denken: "Das ist heute nun mal so", möchte ich Sie daran erinnern, dass Sucht dort beginnt, wo wir glauben, unser Verhalten nicht ändern zu können. Besser wäre, die Möglichkeiten der neuen, digitalen Arbeitswelt selbstbestimmter zu nutzen und damit dies gelingt, gut für sich zu sorgen.

Die Top Ten für mehr digitale Selbstbestimmung

Disziplin ist nicht nur nötig, um gut für sich zu sorgen, sondern auch, um gut zu entscheiden. Zum Beispiel, welche Aktivität/welches Medium Priorität hat. Je besser es uns geht, je wohler wir uns fühlen, desto leichter gelingt dies. Folgende Gedanken führen nicht nur zu diesem Ziel, sondern sie machen zudem Spaß:

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