Freitag, 22. November 2019

Deutschlands Finalgegner Argentinien Ihr schon wieder!

Sieg gegen die Niederlande: Argentiniens Triumph
Getty Images

Argentinien bezwingt Holland 4:2 im Elfmeterschießen und steht im WM-Finale. Jetzt geht es gegen Deutschland - wie so oft. Im Gegensatz zur DFB-Elf mussten die Südamerikaner jedoch bis zur letzten Minute richtig kämpfen.

Ausgangslage: Wer wird Deutschlands Gegner im Endspiel? Nach dem kollektiven Rausch bei der deutschen 7:1-Demontage Brasiliens musste noch das andere Team für das Finale ermittelt werden. Die Niederlande (mit Robben) oder Argentinien (mit Messi) - eine große Fußballnation würde folgen. Und der Traum einer anderen enden.

Ergebnis: 2:4 nach Elfmeterschießen (0:0, 0:0).

Umarmung des Spiels: Lionel Messi und Gonzalo Higuaín. Kurz vor dem Anstoß kuschelten die beiden Argentinier miteinander und flüsterten sich flugs ein, zwei Sätze in die Ohren. In Abwesenheit des verletzten Ángel di María hatte Superstar Messi Higuaín als neuen kongenialen Partner auserkoren. Die Liaison stand unter keinem gutem Stern: Die beiden sollten sich in der Folge nicht wieder so gut verstehen wie vor dem Anpfiff.

Die erste Halbzeit: Vier Tore in sechs Minuten, ein irrer Auftakt. Kleiner Scherz. Statt Spektakel wie im ersten Halbfinale gab es einen sehr unappetitlichen Mix aus Ballgeschiebe und Fehlpässen, garniert mit etwas Tempo-Armut und einer Lange-Bälle-Orgie in Orange. Die Highlights: ein Schuss von Wesley Sneijder (13. Minute) - vorbei. Ein Messi-Freistoß, den Jasper Cillessen parierte (14.) und ein Kopfball von Ezequiel Garay (24.) nach einer Ecke. Mit anderen Worten: Es lief alles nach Plan für Supertaktiker Louis van Gaal.

Schrecksekunde des Spiels: Javier Mascherano prallte mit Hollands Georgino Wijnaldum zusammen, taumelte anschließend sekundenlang über den Platz und sank dann zu Boden (27.). Der Profi des FC Barcelona wurde behandelt, selbst Gegenspieler wie Dirk Kuyt standen mit sorgenvoller Miene daneben. Nach einer kurzen Pause ging es für Mascherano weiter.

Argentiniens Mascherano: Crash mit Folgen
Die zweite Halbzeit: Begann mit etwas Slapstick. Garay klärte einen hohen Ball ins Seitenaus - mit nur einem Schuh. Den anderen hielt er dabei artig in der Hand, nachdem er ihn zuvor verloren hatte (49.). Und sportlich? Die größte Chance für die Albiceleste vergab Higuaín, der nach einer Perez-Flanke nur das Außennetz traf. Bezeichnend: Der Argentinier stand dabei im Abseits. Von Holland war gar nichts mehr zu sehen. Bis zur Nachspielzeit, als ausgerechnet Robben durchkam und abzog. Der erste Torschuss der Niederländer - er wurde in letzter Sekunde noch von Mascherano abgegrätscht (90.+1). Es lief nicht mehr nach Plan für Supertaktiker Louis van Gaal.

Duell des Spiels: Robben gegen Messi. Die prägenden Spieler beider Teams bei dieser WM - sie waren auch zu den entscheidenden Figuren des Halbfinales erklärt worden. Tatsächlich konnte keiner von ihnen den Erwartungen gerecht werden. Robben hatte in der ersten Hälfte ganze sechs Ballkontakte. Messi, der mit seinem 92. Länderspiel-Einsatz nun einen mehr hat als Diego Maradona, wurde von Nigel de Jong bis zu dessen Auswechslung (62.) so liebevoll begleitet, dass er jede Lust verlor. Wurde wie Robben auch danach nicht besser.

Naseweiß des Spiels: Robin van Persie. Hollands Stürmer hatte einige Tage mit Magen- und Darmproblemen zu kämpfen, lief aber dennoch von Beginn an auf. Seine Gesichtsfarbe lag irgendwo zwischen dem gut gepuderten Karl Lagerfeld und Hui Buh, dem Schlossgespenst. Spielte dann auch trotz großem Laufpensum genauso: irgendwie erschreckend.

Foul des Spiels: Mit den Knien voraus rauschte Hollands Daryl Janmaat in Lucas Biglia hinein und traf seinen argentinischen Gegenspieler mit voller Wucht (61.). Am Seitenrand verzog selbst Trainer Alejandro Sabella schmerzverzerrt das Gesicht. Immerhin blieb er diesmal stehen. Sein Mittelfeldspieler, bereits mit einer Blessur am Arm in die Partie gegangen, konnte aber weitermachen. Eine Karte gab es für diese Aktion übrigens nicht.

Verlängerung, Teil eins: Bis auf eine Einwechslung ohne besondere Vorkommnisse. Für van Persie kam Klaas-Jan Huntelaar, es war der dritte Wechsel bei Oranje. Van Gaal verzichtete also auf Elfmeter-Killer Tim Krul.

Verlängerung, Teil zwei: 115. Minute, der eingewechselte Palacio köpfte frei vor Cillessen. Leider so kläglich, dass der Niederländer mühelos fangen konnte. Elfmeterschießen.

Elfmeterschießen: Vlaar (gehalten), Messi (Tor), Robben (Tor), Garay (Tor), Sneijder (gehalten), Agüero (Tor), Kuyt (Tor), Maxi Rodriguez (Tor, Finale, Aus). Gehalten hat die niederländischen Elfmeter Sergio Romero. Jener Torwart, der von 2007 bis 2009 unter Louis van Gaal bei AZ Alkmaar zwischen den Pfosten stand.

Fazit: Das Beste an einem miesen Spiel ist die endgültige Erkenntnis, dass Deutschland vor dem Finale keine Angst haben muss. Am Sonntag (21 Uhr, Liveticker auf "Spiegel Online", TV: ARD) ist die DFB-Elf gegen Argentinien angesichts der gezeigten Leistungen Favorit. Wenn sie genau deshalb nicht abhebt, hat sie richtig gute Chancen auf den nächsten WM-Titel nach dem Sieg 1990. Dort gewann man gegen Argentinien - wie auch bei den vergangenen beiden Weltmeisterschaften, wo für die Südamerikaner jeweils im Viertelfinale gegen die deutsche Mannschaft Schluss war.

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