Samstag, 24. August 2019

Deutsche Bank und Commerzbank Eine Fusion ist grober Unfug

Deutsche Bank, Commerzbank

Eine Fusion zwischen Deutscher Bank und Commerzbank klingt eindrucksvoll: 2 Billionen Euro Bilanzsumme, weltweit fast 50 Millionen Kunden und 140.000 Mitarbeiter. Der für die deutsche Exportwirtschaft existenziell wichtige Banken-Champion entstünde durch diesen Zusammenschluss aber dennoch nicht. Beide Banken haben den Anschluss an die Weltspitze lange verloren. Dieses politische Versäumnis nun durch einen weiteren Fehler ausgleichen zu wollen, indem man einen Zusammenschluss schon fast politisch verordnet, ist grober Unfug.

Beruhigungspillen ohne Wirkung

Markus Schön
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    Markus Schön
    Markus Schön ist Vermögensverwalter und Autor mehrerer Bücher. Daneben engagiert er sich ehrenamtlich für die gemeinnützige GIVING TREE Stiftung, die benachteiligte Kinder und Jugendliche unterstützt.

Die deutsche Politik hat durch ihr stoisches Festhalten am Drei-Säulen-Modell, bestehend aus Sparkassen, Genossenschafts- und Privatbanken, eine Konsolidierung des Heimatmarkts für Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen und Commerzbank Börsen-Chart zeigen unmöglich gemacht. Die Übernahme der Postbank einerseits und der Dresdner Bank andererseits waren Beruhigungspillen ohne Wirkung. Der Hebel für einen deutschen Bank-Champion hätte in der Konsolidierung des öffentlich-rechtlichen Sektors mit der Möglichkeit privater Beteiligungen daran gelegen.

Durch die Professionalisierung von Landesbanken und Sparkassen wäre viel Steuergeld gerettet worden. Schließlich vergisst man beim Eindreschen auf die Deutsche Bank sehr leicht, dass diese eben gerade kein Staatsgeld in Anspruch genommen hat. Nun dient sie ein Stück weit als politischer Steigbügelhalter, um aus Regierungssicht das Problem der teilstaatlichen Commerzbank zu lösen. Als Kopie des Sparkassenkonzeptes auf Bundesebene ist die Commerzbank so wenig zukunftsfähig wie die immer noch knapp 400 Sparkassen in der Fläche.

Die Entstehungsgeschichte der Fusionsgedanken mutet nicht nur planwirtschaftlich an, sie ist es: Eine politisch verordnete Fusion zweier bestenfalls nur noch teilweise wettbewerbsfähiger Banken, die sich in einem globalen Markt behaupten müssen, wird noch vor der ersten Verhandlungsrunde scheitern, wenn das Ziel ist, ein mindestens perspektivisch international führendes Bankhaus zu schaffen. Denn das kann auch durch einen Zusammenschluss nicht gelingen.

Beide Banken sollten eigentlich das Ziel verfolgen, international wieder eine Entwicklungsperspektive zu haben. Dies wird aber nur gelingen, wenn sich beide einen attraktiven internationalen Partner suchen.

Augen vor den Risiken verschlossen

Leider wurde der sich nun abzeichnende politische Unfug durch ein zukunftsfähiges Management nicht verhindert: Die Commerzbank ist zur "Bundessparkasse" geschrumpft in einer Phase, in der immer mehr Unternehmen alternative Finanzierungswege - gerade über den Kapitalmarkt - suchen. Geld von Sparern günstig einzusammeln und teuer an solide Kreditnehmer zu verleihen, funktioniert in einem immer transparenteren Umfeld nicht.

Die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen hatte gute Investmentbanker in ihren Reihen, die den Weltanspruch der Deutsche Bank aufrechterhielten, als man sich im Heimatmarkt mit faktisch subventionierten Kampfkonditionen von Sparkassen und Volksbanken herumschlagen musste. Diesen Spagat konnte die Bank nicht aushalten.

Im Rückblick zu bereitwillig hat die Deutsche Bank die Augen vor den Risiken hoch komplexer Investmentgeschäfte verschlossen. Als Ex-Chef Josef Ackermann strategisch umsteuerte, kam die Finanzkrise, durch die er die Deutsche Bank sicher gebracht hat, während damalige Wettbewerber wie Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen oder JP Morgan teilweise existenziell bedroht waren und andere Wettbewerber verschwunden sind. Die Stärke der US-Banken ist aber auch deren Mut geschuldet, weiter Investmentbanken bleiben zu wollen, während die Deutsche Bank - sichtlich beeindruckt durch die Skandale und den politischen Druck - nun auch Investmentbanking quasi zum "Teufelszeug" erklärt. So endet man dort, wo man heute steht - in der internationalen Bedeutungslosigkeit.

Markus Schön ist Geschäftsführer des DVAM Vermögensverwaltung GmbH und Mitglied der Meinungsmacher von manager magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wieder.

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