Mittwoch, 18. September 2019

Konkurrenz für die Bahn Alle gegen den ICE

Privatbahnen: Konkurrenz auf der Langstrecke
Locomore

2. Teil: Geschäftsmodell voller Tücken

Hinter solchen Ideen steckt ganz augenscheinlich ein mitunter ausgeprägter Idealismus. Locomore-Chef Derek Ladewig etwa schwärmt im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE vom Bahnfahren als "besonders kultivierter Form des Reisens" - die zudem umweltfreundlich sei. Die Lokomotiven seines Start-ups, die im Gegensatz zu den angemieteten Gebrauchtwaggons brandneu sind, verfügen laut dem 44-Jährigen über moderne Technik zum Speichern von Bremsenergie. Auch der Strom soll grün sein, das angebotene Essen größtenteils biologisch, der Kaffee fair gehandelt.

Solchen Eifer brauchen Neueinsteiger auf dem Fernverkehrsmarkt wohl auch, denn das Geschäftsmodell ist voller Tücken und Risiken. Anders als im Nahverkehr schießen die Bundesländer kein Geld zu, zudem ist der Konkurrenzdruck durch Fernbusse enorm. Gut geschultes Personal müssen die jungen Anbieter auch noch finden: Zum Locomore-Team gehören bislang nur vier Mitarbeiter, auch derschnellzug.de sucht noch händeringend Zugbegleiter.

Vor allem aber macht die Deutsche Bahn den Newcomern zu schaffen. So sind neue Züge für die Start-ups zu teuer, ausgemusterte Eisenbahnwaggons jedoch Mangelware in Deutschland: Der DB-Konzern ließ diese jahrelang lieber ins Ausland verkaufen oder gleich verschrotten - und hatte wegen Lieferproblemen seiner Hersteller schließlich selbst zu wenige Züge.

Noch fragwürdiger ist die Macht der Deutschen Bahn über das Streckennetz. 21 Jahre nach der Öffnung des Eisenbahnmarkts gibt es dort kaum freien Wettbewerb, die Start-ups müssen Bahnhöfe, Schienen und Stellwerke des mächtigen Konkurrenten nutzen - und dafür zahlen.

Hinzu kommt: Wenn ein Eisenbahnunternehmen mit der Bahn-Tochter DB Netz einen über ein halbes Jahrzehnt laufenden Rahmenvertrag für bestimmte Strecken abschließen will, geht das nur alle fünf Jahre - denn alle Rahmenverträge laufen zum selben Datum aus. Gerade sind wieder fünf Jahre um, daher versuchen es nun mehrere Privatbahnen gleichzeitig. Wie aber soll sich ein junges Start-up für einen so starr abgegrenzten Zeitraum festlegen, wenn der wirtschaftliche Erfolg in den Sternen steht und Waggons nicht nur teuer sind, sondern auch rar?

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