Börse Pessimisten sehen Dax bei 8500 Punkten

Der Dax beendet die Woche tief im Minus, der Börsengewinn eines ganzen Jahres ist dahin. Mit Angst blicken Anleger auf die Berichtssaison und die kommende Woche. Der Kurssturz könnte weitergehen, sagen Pessimisten.
"Es graut jedem vor der anstehenden Quartalssaison": Viele Anleger am deutschen Aktienmarkt sind nicht guter Dinge

"Es graut jedem vor der anstehenden Quartalssaison": Viele Anleger am deutschen Aktienmarkt sind nicht guter Dinge

Foto: DPA

Frankfurt am Main - Sorgen um die Konjunktur und um früher als erwartet steigende US-Zinsen haben den Dax  am Freitag stark ins Minus gedrückt. Am Ende büßte das Börsenbarometer 2,40 Prozent auf 8788 Punkte ein, was den größten prozentualen Tagesverlust seit März bedeutete.

So tief hatte der Dax zuletzt vor zwölf Monaten geschlossen. Unter dem Strich ergab dies für die abgelaufene Woche einen Verlust von 4,42 Prozent. Der MDax  fiel am Freitag um 1,40 Prozent auf 14.988 Punkte. Der TecDax sackte um 2,26 Prozent auf 1157 Punkte ab.

Das Dax-Fiasko in dieser Woche fing am Dienstag mit enttäuschenden deutschen Konjunkturdaten an. Die deutsche Industrie hatte im August den stärksten Rückschlag seit der schweren Wirtschaftskrise vor fünf Jahren erlitten. In den Betrieben brach die Produktion um 4 Prozent ein.

Am Mittwoch setzte sich die steile Abwärtsbewegung fort und ließ den Dax unter die stark beachtete 9000-Punkte-Marke abrutschen. Auslöser dafür war die Warnung des Internationalen Währungsfonds (IWF) vor einem Abflauen der Weltwirtschaft. Zudem schraubte der IWF seine Wachstumsprognose für 2014 erneut deutlich nach unten.

Psychologisch wichtige Marke gerissen

Am Donnerstag hatten zwar Spekulationen über länger niedrige US-Zinsen neue Hoffnungen entfacht. Der stabile Schlussstand des Dax erwies sich jedoch im Nachhinein als Strohfeuer. Denn am Freitag zogen sehr schwache Vorgaben von den Übersee-Börsen den wichtigsten deutschen Index schon wieder abwärts. Grund dafür waren ernüchternde Aussagen vom Chef der regionalen Notenbank von St. Louis, James Bullard, der eine erste Leitzinserhöhung weiterhin im ersten Quartal 2015 erwartet.

"Die Märkte machen einen Fehler, wenn sie die Zinsprojektionen der Fed ignorieren", hatte Bullard am Donnerstag gesagt. Dies könne schlecht enden. Die Märkte hatten nach dem jüngsten Fed-Protokoll erst Mitte 2015 mit einer Leitzinsanhebung gerechnet.

Händler begründeten den tiefen Fall vor dem Wochenende auch damit, dass der Index psychologisch wichtige Marken gerissen habe. Dies könne neue Verkaufsaufträge auslösen und die Indizes somit noch weiter in die Tiefe reißen. Mit 8900 Punkten sei eine solche Marke am Vormittag durchstoßen worden, sagte der Händler Ludwig Donnert von Orca Capital. Manche Beobachter halten Indexstände von 8500 Punkten und weniger durchaus für möglich.

"Das Konjunkturklima trübt sich immer weiter ein, und die zahlreichen internationalen Konflikte und Krisenherde werden die Märkte weiterhin schwer belasten", sagte Donnert. Händler Andreas Lipkow vom Vermögensverwalter Kliegel & Hafner ergänzt, die Konjunktur sei einfach nicht in der Verfassung, die sich viele Marktteilnehmer gewünscht hätten.

Anleger nutzen Rücksetzer nicht mehr zum Einstieg

Laut Daniel Saurenz, Marktexperte bei Feingold Research, waren die Aktienkurse für das gegebene Umfeld lange Zeit zu hoch und passten sich nun der Lage an. Offenbar hätten Anleger das Vertrauen verloren, dass die Notenbanken alles richten werden. Zudem geistere in Europa das Deflationsgespenst durch die Lande und verstärke die Probleme. "Wurde jahrelang jeder Dax-Rücksetzer zum Neueinstieg genutzt, hat sich das Blatt gewendet. Die Dax-Ampel steht erstmals seit Jahren auf Rot", sagte Saurenz.

"Es graut jedem vor der anstehenden Quartalssaison", sagte ein Börsianer. Wegen der westlichen Sanktionen gegen Russland dürften die Quartalsergebnisse der europäischen Firmen tendenziell schlecht ausfallen, prognostizierte Daniel Zindstein, Portfoliomanager des Vermögensverwalters Gecam.

Angst vor der Berichtssaison - Kein Dax-Wert im Plus

In den USA, wo die Berichtssaison mit Zahlen der Großbanken und der Technologiekonzerne Intel und Google sowie des Industrieriesen GE in der kommenden Woche an Fahrt gewinnt , müsse dagegen wegen der jüngsten Dollar -Aufwertung mit pessimistischen Ausblicken gerechnet werden. "Da viel Geld in die Aktien dieser Unternehmen geflossen ist und damit die Bewertung und Erwartungshaltung recht hoch sind, braucht es nicht viel, um für Enttäuschungen zu sorgen." In Europa werden Unternehmenszahlen von Danone, Roche und Nestle erwartet.

Kein Dax-Wert beendet den Handel im Plus

Im Dax beendete den Tag kein einziger Wert im Plus. Am erfolgreichsten stemmten sich SAP gegen die schlechte Stimmung, die Titel des Softwarekonzerns verloren lediglich 0,16 Prozent. Infineon Technologies brachen am Dax-Ende hingegen um 6,84 Prozent auf 7,174 Euro ein. Händler verwiesen auf die Warnung des US-Chipherstellers Microchip Technologies vom Vorabend, der für das laufende und kommende Quartal eine breite Nachfrageschwäche in der Branche vorausgesagt hatte. Dies sorgte auch bei den Titeln anderer Halbleiter-Konzerne und Technologiefirmen für größere Verluste.

VW-Aktien trotz Absatzplus unter Druck

Die Anteilsscheine der Lufthansa gaben um unterdurchschnittliche 1,81 Prozent nach. Der September hatte der Fluglinie deutlich mehr Fluggäste und vollere Maschinen beschert. VW-Vorzugsaktien verloren 2,99 Prozent, obwohl der Autobauer im September weltweit 3 Prozent mehr Autos verkauft hatte.

Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging 1,67 Prozent schwächer bei 2991,50 Punkten aus dem Handel. In Paris und London gaben die nationalen Börsenbarometer ebenfalls deutlich nach. Der US-Leitindex Dow Jones Industrial hingegen trat zum europäischen Börsenschluss nahezu auf der Stelle.

Euro gibt nach

Am Rentenmarkt blieb die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere bei 0,79 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,05 Prozent auf 137,85 Punkte. Der Bund Future gewann 0,13 Prozent auf 150,41 Punkte. Der Kurs des Euro gab nach. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,2638 (Donnerstag: 1,2763) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7912 (0,7835) Euro.

la/rei/dpa/rtr
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