Börse Dow Jones knickt ein und zieht Dax nach unten

Der Dax legte am Freitag zunächst zu, sackte dann aber wieder ab. In den USA baut der Dow Jones seine Verluste aus. Die Angst vor einer zweiten Corona-Welle wächst. Der Crash der Wirecard-Aktie setzt sich fort.
Dax und Dow im Minus, Wirecard-Crash geht weiter

Dax und Dow im Minus, Wirecard-Crash geht weiter

Foto: Frank Rumpenhorst/ dpa

Kursverluste zum Wochenende. Am Freitag Nachmittag drehte der Dax  deutlich ins Minus, nachdem er im frühen Handel noch Gewinne verbucht hatte. Zum Handelsschluss auf Xetra (17.30 Uhr) notierte der deutsche Leitindex knapp unter der Marke von 12.100 Zählern, anschließend baute der Dow Jones in den USA jedoch seine Verluste aus und belastete auch den deutschen Leitindex Dax  .

Der Markt sei nach Einschätzung von Experten hin- und hergerissen zwischen wieder gestiegenen Corona-Sorgen und Konjunkturdaten, die zumindest auf eine moderate Erholung der Wirtschaft hindeuten. Mit Blick auf den Sommer sei das Umfeld für die Finanzmärkte herausfordernd, urteilten die Experten der Credit Suisse. Aktien blieben zunächst attraktiv, doch schade eine gewisse Vorsicht nicht. Vor allem die Entwicklung in den Vereinigten Staaten und die dort wieder zum Teil stark steigende Zahl von Corona-Neuinfektionen bereitet vielen Investoren Kummer.

Wirecard-Aktie stürzt unter 2-Euro-Marke

Bei den Einzelwerten stehen auch vor dem Wochenende einmal mehr die Wirecard-Aktien  im Mittelpunkt. Der in einen Bilanzskandal verwickelte Zahlungsabwickler stellte am Donnerstagabend Antrag auf Insolvenz, nachdem er dies am Vormittag angekündigt hatte. Bei Wirecard wollen die Anleger nur noch raus - die Titel rauschten am Freitag zwischenzeitlich um mehr als 42 Prozent auf knapp zwei Euro weiter in die Tiefe. "Der schwerste Fall von Wirtschaftskriminalität in der jüngeren Vergangenheit hat dazu geführt, dass Wirecard quasi nichts mehr wert ist - die Aktie ist zum Spielzeug von Tradern verkommen", schrieb Analyst Jochen Stanzl von CMC Market dazu.

MDax: Lufthansa verliert deutlich

Bei der Lufthansa  ging die am Vortag gestartete Erleichterungsrally erst einmal nicht weiter, nachdem am Vorabend nach Börsenschluss die Aktionäre des MDax-Konzerns einer 20-prozentigen Kapitalbeteiligung der Bundesrepublik mit einer Mehrheit von 98 Prozent zugestimmt hatten. Die Freude flachte nun ab, Lufthansa verloren mehr als acht Prozent.

Ein laut Händlern unerwarteter Quartalsverlust des US-Sportartikelherstellers Nike färbte auf die Papiere des Rivalen Adidas  ab. Die Aktien des Dax-Konzerns gaben um ein knappes halbes Prozent nach. Es sei immerhin der erste Verlust von Nike in mehr als zwei Jahren, hieß es am Markt. Die Virus-Pandemie macht den Sportwaren- wie auch den Luxusgüterkonzernen zu schaffen. Viele Läden mussten im Zuge der Abriegelungen der Wirtschaft und der Einschränkungen des gesellschaftlichen Lebens geschlossen werden.

Die Deutsche Bank (Kurswerte anzeigen) ist das zweite Jahr in Folge ohne Probleme durch den Stresstest der US-Notenbank Fed gekommen. Allerdings erteilten die Finanzaufseher den größten Geldhäusern im Land angesichts der Corona-Krise strikte Auflagen zur Schonung der Kapitalausstattung. Aktien der größten deutschen Geschäftsbank verloren zuletzt rund 0,70 Prozent auf 8,34 Euro.

Dow Jones mit Verlusten

Belastet von Kursverlusten der Finanzwerte startet die Wall Street mit Kursabschlägen. Die Leitindizes Dow Jones (Kurswerte anzeigen), Nasdaq und S&P 500 verlieren am Freitag jeweils etwa ein Prozent.

Die Aktien von Bank of America, Citigroup und JPMorgan büßten bis zu 3,3 Prozent ein, nachdem die US-Notenbank Fed den Instituten wegen der Coronavirus-Pandemie Dividendenzahlungen und Aktienrückkäufe vorläufig verboten hatte. Damit soll die Kapitalbasis der Geldhäuser gestärkt werden, um die Folgen der Krise besser zu überstehen. "Die Banken haben den Fed-Stresstest zwar bestanden, aber wie wir alle wissen, nur dank der Geldspritzen der Notenbank und der Konjunkturhilfen der Regierung", gab Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com, zu bedenken.

In den vergangenen Tagen war die Zahl der Corona-Neuinfektionen in den Vereinigten Staaten wieder rasant nach oben geschnellt, womit sogar der bisherige Höchststand aus dem April übertroffen wurde. Die Johns-Hopkins-Universität meldete am Donnerstag rund 40 000 neue Fälle.

Die gebremste Entwicklung an den Börsen könnte sich deshalb fortsetzen, schätzt Edward Moya vom Broker Oanda angesichts der wachsenden Gefahr, dass in den USA durch neue, zumindest regionale Lockdowns womöglich die wirtschaftliche Erholung doch nicht so rasant vonstatten gehen könnte wie erhofft. Die Wette auf ein schnelles Wiederaufleben der Wirtschaft plus die Stimuli durch die Notenbanken waren zuletzt die wichtigsten Treiber der Kurserholung an den Börsen gewesen.

Vor diesem Hintergrund dürften die Anleger einmal mehr ganz genau auf die neuesten Konjunkturdaten zum privaten Konsum schauen. Im vergangenen Monat Mai waren die Konsumausgaben in den USA zwar deutlich angezogen, allerdings nicht so stark wie erwartet. Im weiteren Verlauf steht zudem die endgültige Auswertung des von der Universität Michigan ermittelten Verbrauchervertrauens für Juni an.


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Euro hält sich über 1,12 US-Dollar

Der Euro (Kurswerte anzeigen) hat sich am Freitag im frühen Handel über der Marke von 1,12 US-Dollar gehalten. Am Morgen kostete die Gemeinschaftswährung 1,1225 US-Dollar und damit in etwa so viel wie am Vorabend. Starke Kursbewegungen gab es am Devisenmarkt zunächst nicht. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstagnachmittag auf exakt 1,12 Dollar festgesetzt.

Vor dem Wochenende stehen in Europa und den USA einige Konjunkturdaten an, allerdings ohne besonders starke Bedeutung für die Finanzmärkte. Im Euroraum veröffentlicht die EZB Geld- und Kreditdaten. In den USA gibt die Uni Michigan ihr Konsumklima bekannt.


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Ölpreise steigen weiter

Die Ölpreise sind am Freitag zunächst weiter gestiegen. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  41,69 US-Dollar. Das waren 64 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 58 Cent auf 39,30 Dollar.

Unterstützung erhielten die Ölpreise zuletzt von dem etwas schwächeren US-Dollar. Rohöl wurde dadurch für Interessenten außerhalb des Dollarraums etwas günstiger, was die Nachfrage von dort belebte.

In den USA spitzt sich die Corona-Lage unterdessen weiter zu und sorgt für große Risiken auf der Nachfrageseite. Vor allem im Süden der Vereinigten Staaten werden immer mehr Neuinfektionen gemeldet. Dies erhöht die Gefahr neuer Corona-Beschränkungen, was die Konjunktur schädigen und die Ölnachfrage dämpfen würde.

Grundsätzlich waren die Erdölpreise in den vergangenen Tagen schwankungsanfällig. Nachdem die Preise im März und April infolge der Corona-Krise drastisch eingebrochen waren, hatten sie sich im Mai und Juni sichtlich erholt. Zuletzt kam der Anstieg aber ins Stocken.

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