Freitag, 13. Dezember 2019

Nasdaq, Dow Jones und Dax stürzen ab Kurssturz an der Wall Street - Abschied vom Bullenmarkt

Kursrutsch: Der Dax stürzt Richtung 11.000 Punkte. Auch an der Wall Street nehmen Anleger Abschied vom Bullenmarkt

Ausverkauf an den Börsen: An der Wall Street brechen Dow Jones, Nasdaq und der marktbreite S&P 500 im späten Handel ein. Der Dax dürfte seinen Kurssturz nun beschleunigen und droht unter die Marke von 11.000 Punkten zu fallen.

Lange Zeit hatte sich die Wall Street dem Kursrutsch in Asien und Europa widersetzt, doch nun rollt auch über die US-Börsen eine Verkaufswelle hinweg: Die wichtigsten US-Indizes Dow Jones Börsen-Chart zeigen, Nasdaq 100 Börsen-Chart zeigen und S&P 500 haben am Mittwoch zwischen 2,4 und 4,6 Prozent nachgegeben. Vor allem an der Techbörse Nasdaq nahmen Anleger Gewinne mit, da sie ein Ende des neunjährigen Bullenmarktes befürchten. Der Nasdaq schloss 4,4 Prozent niedriger, während der Dow Jones 2,4 Prozent auf Tagestief schloss. Viele Schwergewichte wie Amazon, Apple oder AT&T gerieten stark unter Verkaufsdruck.

Wenige Tage vor den Midterm-Wahlen schürten schwachhe Daten vom US-Immobilienmarkt die Sorgen, dass steigende Preise das Wirtschaftswachstum beeinträchtigen könnten. Zudem drücken der Handelsstreit zwischen China und den USA, der Konflikt mit Saudi Arabien, Italiens hohe Verschuldung sowie die Sorge vor einem harten Brexit zusätzlich auf die Gemüter.

Der Dow Jones hat inzwischen seinen kompletten Jahresgewinn seit Januar wieder aufgezehrt. Der deutsche Leitindex Dax notiert unterdessen bereits 12 Prozent im Minus. Der marktbreite US-Index S&P 500 verlor am Mittwoch 3,1 Prozent auf 2656 Punkte, womit das Jahresplus hier ebenfalls dahin ist. Der technologielastige Auswahlindex Nasdaq 100 sackte um 4,6 Prozent auf 6789,15 Zähler ab - er steht auf Jahressicht aber immerhin noch gut sechs Prozent im Plus.

Klare Schwächezeichen, Verkaufswelle bei Tech-Werten

Die Chartexperten von Indexradar sahen im "ausbleibenden Kaufinteresse an der zuvor stets stabilisierenden 25 000er-Marke ein klares Schwächezeichen" für den Dow. Mittelfristig seien daher weitere Verkäufe zu befürchten, und "Luft nach unten ist genug", so die pessimistische Prognose.

Beim Telekomkonzern AT&T mussten die Anleger trotz der Umsatz- und Gewinnsteigerung durch die Übernahme des Medienkonzerns Time Warner einen Kursrutsch von rund 6 Prozent verkraften. Die Aktien des Paketdienstes UPS büßten trotz eines Gewinnsprungs aufgrund geringerer Steuern im dritten Quartal fast vier Prozent ein. Dem Deutsche-Post-Konkurrenten hatten gestiegene Kosten und hohe Investitionen auf dem heimischen Markt zu schaffen gemacht.

Dax droht Sturz unter 11.000 Punkte

Die schwache Tendenz an der Wall Street hatte zuvor bereits den deutschen Aktienmarkt auch am Mittwoch ins Minus gedrückt. Der Dax Börsen-Chart zeigen schloss 0,73 Prozent tiefer bei 11.191 Punkten. Mit 11.166 Zählern war er kurz zuvor auf das niedrigste Niveau seit Dezember 2016 gefallen. Am Donnerstag droht dem Dax wegen des Ausverkaufs in den USA nun der Sturz unter die Marke von 11.000 Punkten.

Herbstdepression an den Märkten

"Herbstdepression an den Märkten", resignierte LBBW-Analyst Thomas Meißner. "Neben Italien werfen Themen wie die Ankündigung erster US-Sanktionen gegen Saudi-Arabien oder die Aufkündigung einer Abrüstungsvereinbarung zwischen den USA und Russland ihre Schatten auf das Handelsgeschehen, von den Dauerbrennern chinesisch-amerikanischer Handelsstreit, Brexit und US-Zinserhöhungen nicht zu reden."

In diesem ohnehin schon nervösen Umfeld gab es zudem eine Reihe von Enttäuschungen in der laufenden Bilanzsaison. Nunmehr laste die Sorge über zu hohe Gewinnschätzungen auf den Gemütern, erklärte Marktanalyst Jochen Stanzl vom Broker CMC Markets. "Dann müssten die Aktienkurse sich an die neue Realität eines langsameren Gewinnwachstums erst noch anpassen." Dafür sprachen auch schwache Konjunkturdaten aus Europa, die dem Euro zu schaffen machten.

Deutsche Bank nahe Rekordtief

Hierzulande galt es zur Wochenmitte Resultate der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen zu verarbeiten. Das Institut konnte seine Anleger aber nicht damit überzeugen, nach drei Verlustjahren für 2018 wieder einen Gewinn anzupeilen. Analysten äußerten sich enttäuscht zum dritten Quartal. Die Papiere sackten um rund 4,8 Prozent ab und gehörten damit zu den schwächsten Dax-Werten. Sie notieren nur noch minimal über ihrem Rekordtief.


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Euro wieder unter 1,14 US-Dollar

Am Rentenmarkt sank die Umlaufrendite von 0,27 Prozent am Vortag auf 0,23 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,16 Prozent auf 141,00 Punkte. Der Bund-Future legte um 0,29 Prozent auf 160,11 Punkte zu.

Der Kurs des Euro fiel erstmals seit August wieder unter die Marke von 1,14 US-Dollar. Belastet von enttäuschenden Stimmungsdaten aus der Wirtschaft der Eurozone wurden zuletzt nur noch 1,1391 Dollar für die Gemeinschaftswährung gezahlt. Den Referenzkurs hatte die Europäische Zentralbank (EZB) auf 1,1389 Dollar festgesetzt.

dpa-afx, rtr

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