Investor erhöht Druck auf Management Cerberus reicht Radikalkur bei Commerzbank nicht

Der Aktionär Cerberus erhöht den Druck und fordert offenbar einen deutlich höheren Stellenabbau bei der Commerzbank. Folgte das Management dem Drängen, stünden insgesamt mehr als 11.000 Jobs zur Disposition - in Relation zur Deutschen Bank wären das deutlich mehr.
Wieviel Filialen bleiben? Der Großaktionär Cerberus fordert bei der Commerzbank laut Reuters den Abbau von mindestens 7000 weitere Stellen.

Wieviel Filialen bleiben? Der Großaktionär Cerberus fordert bei der Commerzbank laut Reuters den Abbau von mindestens 7000 weitere Stellen.

Foto: Marius Becker dpa/lhe

Der Commerzbank-Großaktionär Cerberus gibt sich mit den neuen Sparplänen des Geldhauses nicht zufrieden. "Cerberus fordert den Abbau von deutlich mehr als 7000 Stellen", sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag. Der Investor wolle in den nächsten Wochen konkrete Vorschläge für Stellenstreichungen und andere Sparmaßnahmen vorlegen.

Einem anderen Insider zufolge ist bei der Commerzbank der Abbau von weiteren 7000 Stellen in der Diskussion, die zu der bereits im vergangenen Herbst angekündigten Streichung von 4300 Arbeitsplätzen bis 2023 hinzukäme. Darüber hatte zuerst die "Börsen-Zeitung" berichtet.

Mit der Streichung von mehr als 11.000 Jobs wäre der Arbeitsplatzabbau bei der Commerzbank im Verhältnis deutlich radikaler als bei der Deutschen Bank, bei der weltweit 18.000 Stellen wegfallen. Ende Dezember beschäftigte die Commerzbank rund 48.500 Mitarbeiter, die Deutsche Bank 87.600. Zudem steht die Schließung von 400 der 1000 Commerzbank-Filialen im Raum - damit würden doppelt so viele wegfallen wie bisher geplant.

Eine Sprecherin der Commerzbank wollte sich dazu konkret nicht äußern. "Derzeit werden verschiedene Optionen und Szenarien diskutiert. Noch wurden keine Entscheidungen getroffen", sagte sie. Sie bekräftigte, dass die Bank die Pläne spätestens mit den Zahlen zum zweiten Quartal Anfang August präsentieren werde.


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Commerzbank-Chef Martin Zielke feilt seit Monaten an einer Verschärfung des Sparkurses, nachdem Anleger und Aufseher die Pläne als unzureichend kritisiert hatten. Wegen der Corona-Pandemie ist der Handlungsbedarf weiter gestiegen. Bei der Commerzbank drohen deswegen mehr Kreditausfälle. Auch zählt das Frankfurter Geldhaus zu den Gläubigern des zusammengebrochenen Zahlungsabwicklers Wirecard.

Vor allem Cerberus macht Druck und hat die Geduld verloren. Anfang Juni bezeichneten die Amerikaner die Entwicklung bei dem Geldhaus als "desaströs". Sie forderten einen Strategieschwenk, Einsparungen sowie zwei Sitze im Aufsichtsrat, die ihnen die Commerzbank verwehrte. Mit einem Anteil von gut fünf Prozent ist der Finanzinvestor zweitgrößter Commerzbank-Aktionär hinter dem Bund, der 15,6 Prozent hält.

AR-Sitzung gestrichen, Arbeitnehmervertreter aufgebracht

Die Sparpläne sorgen bei den Arbeitnehmer-Vertretern für helle Aufregung. "Der Bund möchte bei der Strategie mitreden. Das ist als Großaktionär sein gutes Recht", sagte Verdi-Vertreter und Commerzbank-Aufsichtsratsmitglied Stefan Wittmann am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Aber anscheinend sei dem Bund die Meinung des Finanzinvestors Cerberus wichtiger als die des Aufsichtsrats. "Eine Strategie, die von Cerberus beeinflusst ist, ist definitiv nicht im Sinne der Mitarbeiter", sagte Wittmann. Sie sei auch nicht im langfristigen Interesse der Bank.

Eine für Mittwoch geplante Aufsichtsratssitzung, bei der die Sparpläne Thema sein sollten, wurde gestrichen. Die Arbeitnehmer hatten mit einem Boykott der Sitzung gedroht, weil ihnen die Unterlagen dazu nicht vorlagen.

rei/Reuters