Mittwoch, 26. Juni 2019

Ladesäulenfirma Chargepoint expandiert nach Europa So will Daimlers neuer Partner Europa unter Strom setzen

Chargepoint-Ladesäule: Der US-Anbieter bietet ein einheitliches Abrechnungssystem, egal wie langsam oder schnell die Lademöglichkeit ist.

Der US-Ladenetzspezialist Chargepoint angelt sich einen wichtigen Partner: Daimler hat sich als Lead-Investor an einer 82 Millionen Dollar schweren Finanzierungsrunde des Startups beteiligt. Die Schwaben erhalten einen Sitz im Aufsichtsrat, das Geld soll der Expansion nach Europa dienen. Chargepoint-CEO Pasquale Romano sieht dort Nachholbedarf.

Chargepoint hat eine klare Mission: Das Startup aus dem Silicon Valley will das Leben der Elektroauto-Fahrer einfacher machen. In den USA kann Chargepoint bereits mit einem Netzwerk von 33.000 Elektroauto-Lademöglichkeiten punkten, damit ist das Unternehmen nach eigenen Angaben der größte Ladenetzwerk-Anbieter. Ein einheitliches Abrechnungssystem beim Stromzapfen an Ladesäulen, simple Bedienung und Vorab-Info, welche Ladeplätze gerade frei sind: So etwas klingt im Jahr 2016 eigentlich nach Selbstverständlichkeiten, ist es aber bei weitem nicht.

Alleine in Deutschland gibt es Dutzende Unternehmen, die Ladesäulen betreiben und Elektro-Automobilisten Strom verkaufen wollen. Um den Wildwuchs erkennen, reicht ein Blick auf Website Plugfinder, die sämtliche Ladesäulen-Anbieter in Deutschland auflistet. Die Palette reicht von kleinen kommunalen Stadtwerken bis zu Energieversorger-Riesen, vom Schnellrestaurant bis zum Luxushotel. Dumm nur, dass viele kleine Anbieter nach wie vor auf ihre eigenen Abrechnungssysteme setzen - mit Extra-Zugangskarte und eigenen Abo-Modellen.

Solange sich Elektroauto-Fahrer nur in einer einzigen Stadt bewegen, ist das mitunter ärgerlich, aber mit etwas Planung bewältigbar. Mühsam wird die Ladesäulen-Frage jedoch, wenn Elektromobilisten weitere Strecken zurücklegen. Denn dann müssen sie ein ganzes Bündel an Zugangskarten mitschleppen. Oder, falls sie in einem Tesla-Modell sitzen, eine der unternehmenseigenen Supercharger-Ladesäule ansteuern, wo sie unkompliziert und mit Hochgeschwindigkeit Strom zapfen können.

Kampf um die Vorherrschaft bei E-Auto-Infrastruktur geht los

Tesla-Neuwagenkäufer müssen für dieses Privileg nun allerdings bezahlen. Für die Fahrer anderer Marken ist das Netz an Schnellladesäulen mit mehr als 50 kW Ladeleistung noch äußerst löchrig. Nach dem Willen der Branche soll sich das bald ändern. Denn die großen deutschen Autohersteller bringen in den kommenden Jahren Elektroautos mit Reichweiten über 500 Kilometern je Akkuladung auf den Markt. Audi will noch 2018 mit dem Verkauf seines E-Tron-SUVs starten, Daimlers Stromer-Marke EQ und VWs Elektroauto-Offensive sollen im Jahr 2020 loslegen.

Kein Wunder also, dass sich nun auch einiges punkto Infrastruktur tut: Der Ölkonzern Shell spendiert ausgesuchten Tankstellen ab diesem Jahrextra Strom-Zapfsäulen für Elektroautos. Los geht es damit zunächst in Großbritannien und den Niederlanden. Bei manchen Shell-Konkurrenten gibt es solche Strom-Tankstellen bereits. Auch der Raststättenbetreiber Tank & Rast baut für das Elektroauto-Zeitalter vor - und installiert Schnelladesäulen entlang der Autobahnen.

Doch auch hier ist das Abrechnungs-Problem nur in Ansätzen gelöst. Zwar gibt es mit dem Konsortium Hubject auch den Versuch, einen europaweiten Abrechnungsstandard für das Ladesäulen-Hopping einzuführen. 40.000 Ladepunkte von insgesamt 240 Partnern hat Hubject laut Eigendarstellung bereits. Doch anders als chargepoint bietet Hubject den Ladesäulenbetreibern vor allem Abrechnungsdienste und zusätzliche Services an - und kümmert sich wenige um das drumherum.

Das sei bei seinem Unternehmen anders, sagt Chargepoint-CEO Pasquale Romano zu manager-magazin.de. Chargepoint berät interessierte Firmen beim Aufbau eigener Ladesäulen. Das Startup, das 2007 gegründet wurde, betreibt seine Ladesäulen nicht selbst - sondern verkauft diese an Unternehmen. Die Chargepoint-Stromzapfsäulen gehören also etwa Lebensmittelgeschäften, Shoppingmall-Betreiber oder zum Großunternehmen.

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