Mittwoch, 27. Mai 2020

Ladesäulenfirma Chargepoint expandiert nach Europa So will Daimlers neuer Partner Europa unter Strom setzen

Chargepoint-Ladesäule: Der US-Anbieter bietet ein einheitliches Abrechnungssystem, egal wie langsam oder schnell die Lademöglichkeit ist.

2. Teil: CEO sieht Ladesäulen eher als "Annehmlichkeit", nicht als Profitmaschine

Den Betreibern bietet Chargepoint auch ein detailliertes Abrechnungssystem an. Elektroauto-Fahrer können an allen Chargepoint-Stationen auf dieselbe Art und Weise bezahlen. Und sie lassen sich auch leicht finden. Denn Chargepoint hat Verträge mit Auto- und Naviherstellern abgeschlossen, um seine Ladesäulen samt aktueller Belegung auch in deren In-Car-Systemen anzeigen zu lassen. "Das ist eine ziemlich komplette Lösung", wirbt Romano für seinen Ansatz

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Chargepoint selbst verdient an einer jährlichen Gebühr, die Ladesäulen-Käufer für Wartung und Betrieb des Abrechnungssystems zahlen. Mit dem eigentlichen Verkauf von Strom hat chargepoint nichts zu tun. Das sei ein mühsames Geschäft, gibt Romano zu - und bestätigt damit eine der Klagen der Säulenbetreiber, dass sie am eigentlichen Stromverkauf kaum etwas verdienen.

Seine Ladesäulen sieht Romano eher als Zusatzgeschäft für die einzelnen Kunden. Ein Shoppingcenter etwa könne so zusätzliche Besucher auf den Parkplatz und dann in die Shops holen. Einzelhändler könnten so besonders wertvollen Kunden einen zusätzlichen Anreiz zum Shop-Besuch bieten: Für Vorteilskarten-Besitzer könne der Strom etwa gratis sein, alle anderen müssten fürs Stromtanken bezahlen.

Von den bisher in Europa verfügbaren Ladenetzwerken wie The New Motion oder dem niederländischen Schnelladesäulen-Anbieter Fastned will sich Romano mit mehr Breite unterscheiden. Die meisten Ladenetz-Anbieter in Europa seien auf ein "sehr enges Segment" fokussiert, meint Romano. Sein Unternehmen biete hingegen alles an, von der Ladesäule auf der Straße oder auf dem Unternehmensparkplatz bis hin zum Superschnelllader an der Autobahn.

Das Laden soll einheitliches Kundenerlebnis sein - egal wo

"Wir glauben, dass es wirklich einfach sein muss für den Fahrer", sagt Romano. "Ob ich nun am Straßenrand an einer Ladesäule parke, zu Hause über Nacht mein Fahrzeug lade, auf dem Firmenparkplatz oder beim Gemüsehändler: Das muss ein einheitliches Kundenerlebnis sein." Er glaube zwar nicht, dass ein einziges Unternehmen den gesamten Ladenetz-Markt gewinnen solle. Doch Elektroauto-Fahrer werden bald fordern, dass es keine allzu große und damit verwirrende Zahl an Ladesäulen-Anbietern gebe. Sonst müssen sie Geschäftsbeziehungen mit zu vielen Spielern unterhalten.

Romano glaubt allerdings, dass es notwendig sei, in jedem Segment des Ladesäulen-Marktes vertreten zu sein - von der Wallbox für zu Hause bis hin zur mehreren zehntausend Euro teuren Super-Schnelladesäule. Chargepoint werde ab Sommer die ersten Exemplare mit 400 kW Ladeleistung ausliefern, kündigt er an. Solche Säulen sind beinahe viermal so schnell wie die Tesla-Supercharger. Rechnerisch ließe sich dort ein 100 kWh großer Akku in einer Viertelstunde komplett aufladen.

Zahlen für den geplanten Ausbau in Europa wollte Romano in dem Gespräch nicht herausrücken. Doch er hatte klare Einschätzungen zu den Hürden des Geschäfts: Es sei sehr "herausfordernd" mit dem reinen Strom-Verkauf Geld zu verdienen. Bei der Errichtung von Ladesäulen müsse üblicherweise der Boden aufgerissen und Kabel verlegt werden. "Diese Installationsarbeiten werden nicht billiger werden, und die Elektronikbauteile auch nicht so richtig", argumentiert Romano. Deshalb gebe es für Ladesäulen eher eine Art Umwegrentabilität. Sie seien eine "Annehmlichkeit", die Unternehmen ihren Kunden oder Mitarbeitern bieten können.

"Firmen schmeißen Parties und stellen ihren Mitarbeitern kostenfrei Wasser zur Verfügung. Eine Ladesäule im Unternehmen spricht für ihren Nachhaltigkeits-Anspruch", meint Romano. "Bei Chargepoint geht es darum rauszufinden, was funktioniert", meint Romano. Auch herkömmliche Sprit-Tankstellen verdienen heute kaum mehr am Treibstoffverkauf, sondern an ihren Tankstellenshops. Das werde bei Ladesäulen ähnlich sein. Da müssen wohl einige der bisherigen Stromzapfsäulen-Betreiber noch kräftig umdenken.

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