BVB-Finalniederlage gegen Wolfsburg Ein leiser Abgang

Nach sieben Jahren wollte sich Jürgen Klopp in seinem letzten Spiel als Trainer von Borussia Dortmund mit einem Titel verabschieden. Wurde nix: Im DFB-Pokalfinale schwächelte sein Team mal wieder - die Wolfsburger triumphierten. Alles Wichtige zum Spiel.
Wolfsburgs De Bruyne (l.), Klopp: Lauter Jubel, leiser Abgang

Wolfsburgs De Bruyne (l.), Klopp: Lauter Jubel, leiser Abgang

Foto: ODD ANDERSEN/ AFP

Ausgangslage: Es war einmal ein Bundesligist in Not. Dann kam ein Held im Trainingsanzug und mit Brille, der den Klub aus der Tristesse und zurück zu altem Glanz führte. Sie wähnten sich in echter Liebe. Doch dann kam die Krise und sie beschlossen die Trennung. Nun stand es an: das letzte Spiel des Helden, im DFB-Pokalfinale gegen den VfL Wolfsburg. Würde sich Jürgen Klopp von Borussia Dortmund mit einem Titel verabschieden?

Ergebnis: 3:1 (3:1) für Wolfsburg. Kein Traum-Abschied für Klopp. Pierre-Emerick Aubameyang brachte den BVB zwar früh in Führung (5. Minute). Doch Luiz Gustavo (22.), Kevin de Bruyne (33.) und Bas Dost (38.) drehten die Partie.

Erkenntnis des Spiels: "Der Abschiedsschmerz kommt. Das tut extrem weh." (Klopp zu seinem Abschied nach seinem letzten Spiel als Trainer des BVB)

Die Anfangsphase: Die ersten Minuten glichen einer Hommage der BVB-Elf an ihren Trainer. Dortmund spielte wie zu besten Zeiten. Das sehenswerte 1:0, als Shinji Kagawa eine punktgenaue Flanke schlug, die Aubameyang per Volley vergoldete, veredelte den Dortmunder Vollgas-Fußball. Der gelbe Nebel, in den Dortmunder Anhänger das Feld mit Rauchbomben gehüllt hatten, sorgte für seinen Sepia-Look, der den Vintage-Eindruck noch verstärkte.

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Schock des Spiels: Das 1:1 sorgte für einen Bruch bei der Borussia. Einen Freistoß von Naldo konnte BVB-Keeper Mitchell Langerak nur nach vorne abwehren, was Luiz Gustavo bestrafte. Beim 1:2 bekam der BVB den Ball nicht aus der eigenen Hälfte, beim 1:3 funktionierte dann nichtmal mehr das Pressing der Borussen. Im Gegenteil: Bei Dosts Treffer sah knapp die Hälfte aller Dortmunder schlecht aus. Der starke Kagawa bereitete zwar noch Chancen für Marco Reus (18.) und Aubameyang (44.) vor. Die Pausenführung ging dennoch in Ordnung.

Die zweite Hälfte: Hatte mit einer Klopp-Hommage nichts mehr zu tun. Nun, wo der BVB das Spiel machen musste, kamen all die Probleme der vergangenen Monate zum Vorschein. Dem Team fehlten die Mittel, eine organisierte Defensive zu knacken. Nach Ballverlusten im Aufbau boten sich dem VfL sogar gute Gelegenheiten (58., 65.). Für den BVB vergaben Kagawa (50., 80.), Reus (56.) und Aubameyang (87.) Chancen auf den Anschlusstreffer. Wirklich gefährlich wirkte Dortmund aber kaum, was vielleicht auch daran lag, dass die Spieler zu sehr damit beschäftigt waren, nach Zweikämpfen im Wolfsburger Strafraum Elfmeter zu fordern.

Klopp des Spiels: Die 20. Minute. Nacheinander werfen sich Neven Subotic und Erik Durm per Grätsche in Zweikämpfe gegen Daniel Caligiuri; gemeinsam schaffen sie es, dem Wolfsburger den Ball abzujagen - und das direkt vor den Augen ihres Trainers. Und der bricht aus wie ein Vulkan, ballt die rechte Hand zur Faust, wirbelt sie zweimal durch die Luft und brüllt seinen Spielern ein wildes "JAAAAA" entgegen, als hätten sie nicht den Ball gewonnen, sondern ein Tor geschossen. Knapp zwei Minuten später reagierte VfL-Coach Dieter Hecking ähnlich impulsiv. Mit dem Unterschied, dass seine Mannschaft tatsächlich getroffen hatte.

Premiere des Spiels: Einst überstand er mit einem Zweitligisten die Gruppenphase des Uefa-Cups, Hannover und Nürnberg bewahrte er vor dem Abstieg. Anerkennung für seine Verdienste bekam Dieter Hecking jedoch nur innerhalb der Branche. Außerhalb war er einer der meistunterschätzten Trainer Deutschlands. War, Präteritum. Denn spätestens durch den DFB-Pokalsieg, seinen ersten Titelgewinn überhaupt, dürfte jedem klar geworden sein: Dieter Hecking ist einer der Besten seiner Zunft.

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Abschied des Spiels: Nicht nur für Klopp war es die letzte Partie für den BVB. Auch für Ilkay Gündogan stand fest, dass er den Klub verlassen würde - wohin auch immer. Und dann war da noch Kapitän Sebastian Kehl, der mehr als 13 Jahre lang für den Klub auflief und das Ende seiner Laufbahn längst verkündet hat. In der 68. Minute wurde Kehl ausgewechselt, er klatschte mit ein paar Kollegen ab, die Fans applaudierten artig. Die finalen Momente seiner Karriere verliefen ebenso nüchtern, wie es Kehls Spielweise auf dem Rasen stets war.

Fazit: Es gibt Märchen, die kein Happy End haben. Die Geschichte zwischen Jürgen Klopp und Borussia Dortmund ist so eine. Wer sich in zehn Jahren an die Ära Klopp beim BVB erinnert, dem wird nicht Scheitern, sondern Erfolg in den Sinn kommen. Doch der magische Abschied, die letzte Party auf dem Borsigplatz, der Abtritt als Held ist Klopp nicht vergönnt gewesen. Ein Gutes hat das Spiel dennoch aus Sicht der Borussen. Nämlich die Gewissheit, dass Verein und Trainer mit der Trennung die richtige Entscheidung getroffen haben.

Borussia Dortmund - VfL Wolfsburg 1:3 (1:3) 1:0 Aubameyang (5.) 1:1 Luiz Gustavo (22.) 1:2 De Bruyne (33.) 1:3 Dost (38.)

Dortmund: Langerak - Durm (68. Blaszczykowski), Subotic, Hummels, Schmelzer - Gündogan, Kehl (68. Piszczek) - Mchitarjan, Kagawa, Reus (79. Immobile) - Aubameyang

Wolfsburg: Benaglio - Vieirinha, Naldo, Klose, Rodriguez - Arnold (81. Schürrle), Luiz Gustavo - Perisic (74. Guilavogui), De Bruyne, Caligiuri (85. Träsch) - Dost

Schiedsrichter: Felix Brych

Zuschauer: 75.815 (ausverkauft)

Gelbe Karten: Mchitarjan (2), Schmelzer - De Bruyne (2), Vieirinha (2)

 
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