Freitag, 20. September 2019

ADAC-Erhebung In Hamburg ist die Monatskarte für Bus und Bahn am teuersten

Nahverkehrsbus der Hamburger Hochbahn (HVV) in Hamburg

Wer in Hamburg regelmäßig mit dem Bus und Bahn fährt, muss deutlich tiefer in die Tasche greifen als Pendler in anderen Großstädten. Das hat ein Vergleich der Preissysteme des öffentlichen Nahverkehrs in 21 Städten ergeben, die der Automobilclub ADAC am Mittwoch veröffentlicht hat.

Demzufolge zahlen Pendler in der Hansestadt 109,20 Euro für ein Monatsticket, während in der bayerischen Hauptstadt nur 55,20 Euro fällig sind. Dafür liegt der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) bei den Einzeltickets im positiven Sinne weit vorn. Das kostet nur 2,30 Euro für eine Fahrt und landet damit auf Platz zwei hinter Mannheim. Dort zahlen Fahrgäste für eine Tour durch die Stadt 50 Cent weniger.

Der Studie zufolge sind wiederum Einzelfahrkarten und Tageskarten in großen Städten Nordrhein-Westfalens mit am teuersten. Eine Tageskarte für Erwachsene kostet in Köln und Bonn (Verkehrsverbund Rhein-Sieg) 8,80 Euro und damit rund 70 Prozent mehr als beim günstigsten Anbieter in Stuttgart (5,20 Euro). Das Kurzstrecken-Ticket ist in den beiden Städten mit zwei Euro rund 43 Prozent teurer als in der Schwabenmetropole (1,40 Euro).

Für eine Einzelfahrt zahlen Kinder in Bochum, Dortmund, Düsseldorf, Duisburg, Essen und Wuppertal (Verkehrsverbund Rhein-Ruhr) 1,70 Euro. Leipzig verlangt mit 1,20 Euro den niedrigsten Preis. Auch bei der Fahrradmitnahme müssen ÖPNV-Nutzer in den VRR-Städten mit 3,60 Euro tief in die Tasche greifen.

Der ADAC sieht verschiedene mögliche Ursachen für die hohen Preisunterschiede in den Städten:

  • unterschiedliche Verkehrsangebote und Zielsetzungen städtischer Politik
  • den angestrebte Deckungsgrad bei den Kosten
  • die Beseitigung von Kapazitätsengpässen und damit verbundene Investitionen
  • qualitative Aspekte oder eine teilweise marode Verkehrsinfrastruktur

Das Problem für den Kunden: Er sehe zunächst einmal nur den Preis, den er zu zahlen hat. Da könne es sich lohnen, nach speziellen Ticket-Varianten und Sonderregelungen zu suchen oder über die jeweiligen Webseiten und Apps der Anbieter digital zu zahlen, sagt Roman Suthold, Mobilitätsexperte des ADAC in NRW.

"Wer eine wirkliche Verkehrswende möchte, muss darauf achten, dass der öffentliche Nahverkehr ein attraktives Angebot ist, auch preislich", ergänzt Ingo Meyer, Vorstandschef des ADAC Hansa. Dazu gehöre auch die Abschaffung der Stellplatzgebühren bei "Park & Ride"-Anlagen, für die Hamburger nochmals 100 Euro im Jahr aufbringen müssten.

Bei seiner umfangreichen Untersuchung hat der ADAC nach eigenen Aussagen die Preise der sieben relevantesten Ticketarten im jeweiligen Stadtgebiet deutscher Städte über 300.000 Einwohner erhoben: Einzelfahrt und Kurzstrecke für Erwachsene, Einzelfahrt für Kinder, Tages-, Wochen- und Monatskarte für Erwachsene sowie Ticket für Fahrräder. Diese Tickets waren weitgehend durchgängig in allen Städten erhältlich. Recherchiert wurden die Preise jeweils auf den Webseiten der Verkehrsverbünde im Zeitraum vom 8. Januar bis zum 3. Mai 2019.

Der Hamburger Verkehrsverbund HVV hält den Preisvergleich für unzulässig und nennt als Beispiel die HVV-Monatskarte "Hamburg AB". Diese gelte nicht nur im Hamburger Stadtgebiet, sondern umfasse auch viele Orte in Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Dennoch werde der Preis dieser Karte vom ADAC mit der "Isarcard 2 Ringe" verglichen, die nur den Innenstadtbereich Münchens abdecke.

rei

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