Brexit-Countdown Buchmacher - Zustimmung der Briten zur EU steigt

In sechs Tagen stimmen die Briten ab, ob sie in der EU bleiben oder die EU verlassen. Der Tod der britischen Abgeordneten Cox rüttelt die Menschen auf - nicht ohne Folgen. Glaubt man den Buchmachern, steigt jetzt die Zustimmung der Briten zur EU. Das Wichtigste vor dieser Entscheidung im Überblick.
Tatort abgesperrt: Die britische Labour-Abgeordnete Jo Cox erlag nach einem Angriff in ihrem Wahlkreis ihren Verletzungen.

Tatort abgesperrt: Die britische Labour-Abgeordnete Jo Cox erlag nach einem Angriff in ihrem Wahlkreis ihren Verletzungen.

Foto: OLI SCARFF/ AFP

13.31 Uhr: Die Citibank folgt den Wettbüros, ist man fast geneigt zu sagen ... Die Bank geht von einem Verbleib Großbritanniens in der EU aus. Darauf deute eine Analyse (aha!) der jüngsten Umfragen hin, erklärte das US-Geldhaus. "Insgesamt gehen wir nach wie vor von einer Brexit-Wahscheinlichkeit am oberen Ende der Spanne von 30 bis 40 Prozent aus."

12.15 Uhr: Wer ein vergleichsweise ungetrübtes Meinungsbild über die Wahrscheinlichkeit eines Brexit haben möchte, ist bei Wettanbietern derzeit wohl am besten aufgehoben. Der Online-Wettanbieter Betfair beziffert die Wahrscheinlichkeit eines Verbleibs von Großbritannien in der EU nun mit 67 Prozent nach 65 Prozent am Donnerstagabend. Vor der Ermordung der britischen Abgeordneten Jo Cox hatte die Chance noch bei 60 Prozent gelegen.

11.15 Uhr: Ein Brexit könnte deutliche Vermögenseinbußen in Europa auslösen und Unternehmensfusionen hemmen. Zu diesen Ergebnissen kommt der Softwareanbieter und Finanz-Dienstleister Intralinks, der nach eigener Auskunft weltweit mehr als 1400 Experten für Firmen-Fusionen und -Übernahmen (M&A) befragt hat. "Sollte Großbritannien für einen Austritt stimmen, könnten europäische Vermögenswerte massiv beeinträchtigt werden - ausländische Käufer bieten weniger, wenn UK die EU verlässt", erklärte Intralinks-Experte Philipp Whitchelo. "Dies könnte in den nächsten Jahren drastische Auswirkungen auf die europäische und britische Wirtschaft haben."

10.30 Uhr: Die niederländische Bank ING und die Schweizer Societe Generale warnen ihre Kunden vor Problemen am Tag der Brexit-Abstimmung. ING unterrichtete ihre Kunden, dass es um den Abstimmungstermin am 23. Juni herum zu Schwierigkeiten im Handel kommen könnte. Einem Insider zufolge hat die französische SocGen in einem Schreiben an die Kunden für den Zeitpunkt der Abstimmung ebenfalls vor Problemen mit Preisbildung und Liquidität gewarnt.

10 Uhr: Die ermordete britische Abgeordnete Jo Cox hat vor ihrem Tod Drohungen erhalten. Die Labour-Politikerin habe sich bei der Polizei gemeldet, weil sie "bösartige Mitteilungen" erhalten habe, erklärten die Sicherheitsbehörden am Freitag. Die Polizei habe in diesem Zusammenhang im März einen Mann festgenommen, der später eine Verwarnung akzeptiert habe. Bei ihm handle es sich allerdings nicht um den 52-Jährigen, der am Donnerstag in Gewahrsam genommen worden war. Die Polizei ergriff diesen Mann in der Nähe des Tatorts, an dem Cox kurz zuvor getötet worden war.

9 Uhr: Die Grünen sehen in dem tödlichen Angriff auf eine britische Abgeordnete und EU-Befürworterin eine Mahnung, sich gegen Radikalisierung zu engagieren. Der Fall mache deutlich, wie groß die Polarisierung in Großbritannien vor dem Referendum über die EU-Mitgliedschaft kommende Woche sei, sagte Grünen-Chefin Simone Peter. Nicht nur in Großbritannien, sondern auch in vielen anderen Ländern führten zunehmende Radikalisierung und Hetze zu Mordanschlägen.

Fotostrecke

Mord an Politikerin: Tödlicher Angriff in Birstall

Foto: OLI SCARFF/ AFP

7.30 Uhr: Großbritannien könnte bereits vor einem offiziellen Austritt aus der EU Unionsvorschriften missachten. Es erscheine zweifelhaft, "ob das Vereinigte Königreich in der Übergangszeit eine Veranlassung sehen würde, ungewollte EU-Regeln weiterhin zu befolgen", heißt es in einer als vertraulich eingestuften Experten-Analyse des Deutschen Bundestags. Aufgrund der Dauer eines Vertragsverletzungsverfahrens vor dem Europäischen Gerichtshof würde es zum Zeitpunkt eines möglichen Urteils der Rechtsprechung womöglich gar nicht mehr unterliegen. Die Experten analysieren in der Studie zudem ausführlich die möglichen wirtschaftlichen Folgen eines Brexits. So soll die EZB bei Instituten der Eurozone mit bedeutendem Geschäft im Vereinigten Königreich Informationen über deren Brexit-Notfallpläne angefordert haben. Die Institute der Londoner City führten bereits seit längerem entsprechende Stresstests durch und befürchteten massive und verlängerte Liquiditätskrisen.

7 Uhr: Der Bruder des kurz nach der Tat festgenommenen 52-jährigen Tatverdächtigen sprach gegenüber der Zeitung "Daily Telegraph" von einer langen Vorgeschichte psychischer Probleme berichtet. "Es fällt mir schwer zu glauben, was passiert ist", sagte er. "Mein Bruder ist nicht gewalttätig, und er ist nicht besonders politisch." Er habe "eine Vorgeschichte psychischer Erkrankungen" - deswegen aber Hilfe in Anspruch genommen. In britischen Medien wurden auch Nachbarn zitiert, die den mutmaßlichen Täter als Einzelgänger beschrieben, der meistens für sich geblieben sei.

6.30 Uhr: Der Mord an der britischen Parlamentsabgeordneten Jo Cox hat das Königreich und die Welt geschockt. die Flaggen vor dem Regierungsgebäude in London am Freitag auf Halbmast gesetzt, um der Politikerin zu gedenken. Vor dem Westminster-Palast legten in der Nacht zum Freitag hunderte von Menschen Blumen ab und zündeten Kerzen an. Die Abgeordnete der sozialdemokratischen Labour-Partei und Brexit-Gegnerin war in der nordenglischen Grafschaft Yorkshire auf offener Straße niedergestochen und niedergeschossen worden. Am 23. Juni stimmen die Briten über Verbleib oder Austritt aus der EU ab.

Das Tatmotiv ist noch weiter unklar. Augenzeugen wollen gehört haben, dass der Täter die Worte "Britain First" gerufen habe, als er festgenommen wurde. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür nicht. Im Wortsinn bedeuten die Worte "Großbritannien zuerst". Sie sind aber auch der Name einer rechtsradikalen Partei. Die Polizei äußerte sich zunächst nicht zum möglichen Tatmotiv.

Noch 7 Tage bis zur Abstimmung: "Sie hätte zwei Dinge gewollt ..."

18.15 Uhr: Eine Woche vor dem Referendum über die Mitgliedschaft Großbritanniens in der EU ist die britische Labour-Abgeordnete Jo Cox bei einem Angriff tödlich verletzt worden. Cox trat in den vergangenen Wochen entschieden für den Verbleib ihres Landes in der EU ein. Die 41-jährige war zu Besuch in ihrem nordenglischen Wahlkreis, als sie Medienberichten zufolge bei einem Streit zweier Männer schlichten wollte und dabei von einem Mann mit einer Schusswaffe - womöglich auch mit einem Messer - attackiert wurde. Die Mutter zweier Kinder sei daraufhin im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen erlegen, teilte die Polizei am Donnerstag bei einer Pressekonferenz mit. Das Motiv der Tat sei unklar.

Jo Cox erlag ihren Verletzungen

Jo Cox erlag ihren Verletzungen

Foto: REUTERS/ Press Association

Der Witwer, Brendan Cox, gab kurz nach der Todesmeldung eine Erklärung heraus. "Sie hätte zwei Dinge gewollt: Erstens, dass unsere beiden kostbaren Kinder jetzt in Liebe gebadet werden. Und zweitens, dass wir uns alle vereinen, um gegen den Hass zu kämpfen, der sie getötet hat. Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig."

Ein Augenzeuge sagte, der Attentäter sei auf die Politikerin losgegangen und habe sie bedrängt. Dann seien mindestens zwei Schüsse gefallen. Cox ging blutend zu Boden, dann habe der Attentäter weiter auf sie eingestochen und noch einmal auf sie gefeuert. Die Kugel habe die Frau im Gesicht getroffen.

Mehrere Augenzeugen hatten berichtet, dass der Angreifer während der Tat mehrfach "Britain First", "Großbritannien zuerst" gerufen habe. "Britain First" ist auch der Name einer rechtsextremen Partei.

Cox saß seit 2015 für Labour im britischen Unterhaus. Dort vertrat sie den Wahlkreis Batley and Spen. Vorher hatte sie unter anderem für die Hilfsorganisation Oxfam und die Bill und Melinda Gates Foundation gearbeitet.

Beide Wahlkampflager setzten daraufhin ihre Aktivitäten für unbestimmte Zeit aus. Premierminister David Cameron und andere führende britische Politiker zeigten sich erschüttert über die Bluttat.

Die Polizei nahm den mutmaßlichen Täter, einen 52-jährigen Mann, fest. Die Ermittler gehen davon aus, dass es sich um einen Einzeltäter handelt.

17.30 Uhr: Sollte es zum Brexit kommen, würde dies nach Einschätzung von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker den Beginn einer Periode der großen Ungewissheit bedeuten. Die Unsicherheit werde nicht nur Europa, sondern die ganze Welt in Mitleidenschaft ziehen, sagt Juncker. Dies gelte es zu vermeiden.

17 Uhr: Laut EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny ist die Europäische Zentralbank vorbereitet, um im Fall eines Brexit die Märkte mit Finanzspritzen versorgen zu können. Es gebe Vereinbarungen mit der Bank von England für gegenseitige Liquiditätshilfe. So sei sichergestellt, dass es weder bei den englischen noch bei den anderen europäischen Instituten zu Liquiditätsengpässen komme.

16.55 Uhr: Durchatmen im britischen "Remain" Lager. Jamie Vardy gleicht gegen Wales zum 1:1 aus, und Sturridge schießt in der Schlussminute das britische Team zum 2:1 Sieg. Damit haben die Briten als aktueller Tabellenführer der Gruppe B mit 4 Punkten beste Chancen auf einen Verbleib im europäischen Turnier. Im Lager der Brexit-Gegner gilt es als positives Szenario, wenn das englische Team zum Zeitpunkt der Abstimmung am 23. Juni noch um den EM-Titel mitspielt.

England schlägt Wales - und bleibt im EM-Turnier

15.45 Uhr: Auch das noch. Im EM-Spiel England gegen Wales schießt Gareth Bale die Waliser mit einem fulminanten Freistoß 1:0 in Führung. Falls England bereits in der EM-Vorrunde scheitern sollte, dürfte das die Begeisterung für Europa auf der Insel nicht gerade heben. Sollten die "Three Lions" heute gegen Wales verlieren, muss am Montag gegen die Slowakei ein Sieg her - oder das britische Team ist "out" und fährt nach Hause. Das wäre Rückenwind für die Brexit-Befürworter.

Torschütze Gareth Bale: Eine Niederlange für England wäre Rückenwind für die Brexit-Fans gewesen. Doch die "Three Lions" drehten das Spiel

Torschütze Gareth Bale: Eine Niederlange für England wäre Rückenwind für die Brexit-Fans gewesen. Doch die "Three Lions" drehten das Spiel

Foto: REUTERS
Fotostrecke

Vor dem Votum in Großbritannien: Diese Manager warnen vor einem Brexit

Foto: REUTERS

11.15 Uhr: - Frühere Parteichefs der Konservativen werfen dem Finanzministerium und der Bank of England vor, im Vorfeld des Referendums über den britischen EU-Austritt keine ausgewogene Analyse der Konsequenzen geliefert zu haben. Beide Behörden würdigten nicht ausreichend die positiven Folgen, die sich durch die "Befreiung Großbritanniens von den EU-Richtlinien" und die Möglichkeit ergäben, wieder eine eigene Handelspolitik zu verfolgen, kritisieren die ehemaligen Parteichefs Michael Howard und Iain Duncan Smith. Finanzministerium und Zentralbank hatten vor einer Rezession und einem starken Wertverlust des Pfunds im Falle eines Brexits gewarnt.

11 Uhr: Ein Brexit könnte Deutschland nach Einschätzung des Ifo-Instituts im schlimmsten Fall langfristig drei Prozent seines Wirtschaftswachstums kosten. Deutschland habe bei einem Austritt Großbritanniens aus der EU sehr wenig zu gewinnen und viel zu verlieren, sagt Ifo-Chef Clemens Fuest. Der Brexit sei derzeit das größte Risiko für das Wachstum in Deutschland.

Britische Buchmacher sehen Europa-Freunde in der Mehrheit

10.00 Uhr - Einer neuen Umfrage zufolge kommen die EU-Gegner auf einen deutlichen Vorsprung: 53 Prozent der Briten würden für einen Austritt aus der Europäischen Union stimmen, ergibt eine Ipsos-Mori-Umfrage für die Zeitung "Evening Standard".

10.00 Uhr: Entscheidend für den Meinungsumschwung zugunsten eines Brexits ist nach Einschätzung von Forschern das Thema Zuwanderung. Die wirtschaftlichen Konsequenzen seien dagegen das stärkste Argument der Verfechter eines Verbleibs in der EU, erklärt das Marktforschungsinstitut Ipsos Mori. In seiner monatlichen Umfrage hatten zuvor erstmals die Brexit-Befürworter die EU-Anhänger überholt.

08.30 Uhr: Während die jüngsten Umfragen von Ipsos Mori das Brexit-Lager vorne sehen, gehen die britischen Wettbüros weiterhin von einem Verbleib der Briten in der EU aus. Die Buchmacher sehen nach wie vor die Brexit-Gegner vorn: Der Online-Wettanbieter Betfair beziffert die Wahrscheinlichkeit für einen EU-Verbleib Großbritanniens auf 65 Prozent. Offenbar gibt es doch einen Unterschied zwischen der verbalen Position und der Position, auf die man sein Geld setzt.

Die Briten wetten auf alles - ob auf den Sieger beim Royal Racecourse in Ascot (Photo) oder auf die Chancen eines Verbleibs in der EU. Und in dieser Frage sehen die Buchmacher die Europa-Freunde vorn - ganz im Gegensatz zu den jüngsten Meinungsumfragen

Die Briten wetten auf alles - ob auf den Sieger beim Royal Racecourse in Ascot (Photo) oder auf die Chancen eines Verbleibs in der EU. Und in dieser Frage sehen die Buchmacher die Europa-Freunde vorn - ganz im Gegensatz zu den jüngsten Meinungsumfragen

Foto: Chris Jackson/ Getty Images

09.30 Uhr: Japans Notenbankchef Haruhiko Kuroda ist in engem Kontakt mit den Währungshütern in London: "Wir werden die Auswirkungen des Votums auf die Anleihenmärkte und die globalen Finanzmärkte genau beobachten - einschließlich der Folgen für Japan."

9 Uhr: Das britische Pfund ist um 0,8 Prozent auf den tiefsten Stand seit zwei Monaten gefallen. Ein Euro kostete am Donnerstag noch 79,945 Pence.

7 Uhr: Der Fraktionschef der Europäischen Volkspartei im Europaparlament, Manfred Weber, plädiert im Falle eines Brexit für ein schnelles Aushandeln der Austrittsbedingungen. In der ARD sagt er: "Die Regeln sind eigentlich relativ klar: wer raus geht, geht raus." Vorteile der EU könne Großbritannien dann nicht mehr nutzen. "Nicht mehr die City of London ist dann wichtig, sondern Frankfurt oder Paris sind dann wichtig."

7 Uhr: Experten von Goldman Sachs  Sachs erwarten für den Fall eines Brexit einen Einbruch des Pfundes um elf Prozent im Vergleich zu einem Korb von Währungen der großen Industriestaaten. Im Februar waren sie noch von einem Minus von 15 bis 20 Prozent ausgegangen. Bereits jetzt notiert das britische Pfund auf dem tiefsten Stand seit 2 Monaten.

Noch 8 Tage bis zur Abstimmung: Britische Börse könnte bei Brexit um 30 Prozent einbrechen

17 Uhr: Ein Brexit würde auch dem Aktienmarkt heftig zusetzen - allen voran der Londoner Börse. Markus Herrmann, Chef-Analyst der Landesbank Baden-Württemberg, hält einen Absturz des britischen FTSE 100 von 30 bis 40 Prozent für möglich. Da es wegen der zweijährigen Übergangsfrist vor dem endgültigen EU-Austritt keine kurzfristigen handelspolitischen Konsequenzen gibt, sollte der Schock aber nur kurz währen, betont Finanzmarkt-Experte Jörg Rahn von Bankhaus Marcard, Stein & Co.

Der größte Verlierer eines Brexit dürfte die Wirtschaft Großbritanniens sein - die Vorstellung der Brexit-Befürworter, man könne aus der EU austreten und sich trotzdem einen Zugang zum EU-Binnenmarkt erhalten, dürfte sich als teurer Irrtum erweisen.

15.05 Uhr: Die Schotten, wir hatten sie bereits um 13 Uhr erwähnt, sind mehrheitlich für einen EU-Verbleib Großbritanniens. 53 Prozent wollen den Status Quo beibehalten, 32 für einen Brexit stimmen, zeigt eine Umfrage von Ipsos Mori. Vor sechs Wochen fiel das Verhältnis mit 66 zu 29 aber noch deutlicher zugunsten der EU-Befürworter aus.

14.50 Uhr: Die US-Regierung hofft auf einen Verbleib der Briten in der EU. "Es gibt einen strategischen Grund dafür", sagt Verteidigungsminister Ash Carter. Er habe darüber mit seinem britischen Amtskollegen Michael Fallon gesprochen.

13.40 Uhr: Japans Notenbank (BOJ) ist Zentralbankkreisen zufolge in ständigem Kontakt mit der EZB, um die Finanzmärkte zu beruhigen, sollten die Briten für einen Austritt aus der EU stimmen. Die BOJ sei bereit, heimischen Banken über Auktionen Dollar-Bestände anzubieten, wenn Investoren im Falle eines Brexit die US-Währung horten.

1 3 Uhr - Sollten die Briten aus der EU austreten, könnten die Schotten ein neues Referendum über die Unabhängigkeit des nördlichen Landesteils einfordern, warnte die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon. "Es wäre ein sehr schwerer Fehler für das Vereinigte Königreich, für einen Abschied von der Europäischen Union zu stimmen." Es wäre demokratisch nicht vertretbar, sollten sich die Schotten für einen Verbleib aussprechen, die Mehrheit im Lande aber für einen EU-Abschied sein.

1 2.37 Uhr: Der britische Finanzminister George Osborne warnt nachdrücklich vor einem Brexit. "In der Situation können britische Familien nur verlieren, und das sollten wir nicht riskieren", sagte er in Ashford. "Wer das anzweifelt, braucht sich nur anzuschauen, was gerade an den Finanzmärkten passiert."

Fotostrecke

Vor dem Votum in Großbritannien: Diese Manager warnen vor einem Brexit

Foto: REUTERS

11.35 Uhr: Das Lager der Brexit-Befürworter in Großbritannien hat in groben Zügen dargelegt, wie es sich einen Austritt aus der EU vorstellt. In einem Dokument, das auf der Webseite der offiziellen Wahlkampforganisation "Vote Leave" veröffentlicht wurde, heißt es, das Land werde der Union erst 2020 endgültig den Rücken kehren. Bis dahin wollen die Brexit-Befürworter Verhandlungen über das künftige Verhältnis zwischen dem Königreich und der Rest-EU führen. Einer zeitlichen Beschränkung von zwei Jahren für die Verhandlungen, wie im Vertrag von Lissabon vorgesehen, wollen sich die Brexit-Befürworter nicht unterwerfen. Auch automatische rechtliche Folgen wie ein sofortiges Ausscheiden aus dem Binnenmarkt oder ein Stopp von EU-Fördergeldern hätte ein Brexit-Votum nicht.

11 Uhr: Sollten die Briten am Donnerstag, 23. Juni, tatsächlich für einen Abschied aus der EU Stimmen, erwarten Börsianer für Freitag, den 24. Juni, ein Beben an den Weltbörsen. Die heftigste Reaktion droht Experten zufolge an den Devisenmärkten. Nick Parsons, leitender Anlagestratege der National Australia Bank, erwartet eine Wiederholung des "Schwarzen Mittwochs". Am 16. September brach der Kurs des Pfund Sterling um 4,3 Prozent ein und die Währung fiel aus dem Europäischen Wechselkurssystem. Experten halten auch einen Fall des Pfund auf den tiefsten Stand seit 30 Jahren fallen für möglich - das wäre der Fall, wenn die Währung auf knapp 1,35 Dollar abschmiert. Schon im Vorfeld geriet die Währung unter Druck. Aktuell kostet ein Pfund Sterling rund 1,41 Dollar.

10 Uhr: Großbritanniens Unternehmernachwuchs will mit der in England beliebten deutschen Wurst für den Verbleib der Briten in der EU kämpfen. Mit der Aktion "Bratwurst against Brexit" macht der Verband "Die jungen Unternehmen" an diesem Dienstag auf dem Londoner Trafalgar Square mobil gegen einen EU-Austritt Großbritanniens. Mit den deutschen Würsten wollen sie nach eigenen Angaben den Briten nicht nur symbolisch zeigen, was sie bei einem Brexit verlieren könnten. Es gehe auch um Reformen in der Europäischen Union. Der Verband fordert die junge Generation auch auf, um die Zukunft des "angeschlagenen Europas" zu kämpfen.

9 Uhr: Der weltweit zweitgrößte Triebwerksbauer Rolls-Royce empfiehlt seinen britischen Mitarbeitern in einem Brief, für einen Verbleib Großbritanniens in der EU zu stimmen. Es sei im Interesse des Unternehmens, EU-Mitglied zu bleiben, heißt es in dem Schreiben. Im Falle eines Brexits werde Rolls-Royce Entscheidungen über Investitionen in Großbritannien zunächst auf Eis gelegt.

8 Uhr: Die Gegner eines Brexits sind Buchmachern zufolge weiterhin in der Mehrheit. Die Wahrscheinlichkeit, dass Großbritannien in der EU verbleibe, liege derzeit bei 62 Prozent, teilt der Online-Wettanbieter Betfair mit. Am Vortag hatte die Wettquote zwischenzeitlich nur 55 Prozent betragen. Damit setzen die Buchmacher und Wettbüros einen anderen Trend als die jüngsten Umfragen: In Umfragen des Instituts YouGov für die "Times" zu Wochenbeginn lagen die Brexit-Befürworter mit 46 Prozent klar vor den Brexit-Gegnern (39 Prozent).

7 Uhr: Ein Brexit würde die Engländer nach Einschätzung des DIHK-Hauptgeschäftsführers Martin Wansleben ärmer machen. "Wenn aber die Engländer die drittgrößten Kunden der Welt für uns sind und sie werden ärmer, dann haben wir auch größere Probleme, unsere Produkte nach England zu liefern", sagt Wansleben in der ARD. Dies sei das Gegenteil von einer "Win-Win-Situation". In England seien rund 2500 deutsche Unternehmen mit etwa 400.000 Beschäftigten präsent.

6 Uhr: Der Chef der Wirtschaftsweisen, Christoph Schmidt, warnt vor einem Austritt Großbritanniens aus der EU. "Für die Realwirtschaft würde ein Brexit kurz- und mittelfristig voraussichtlich erhebliche Wachstumseinbußen für Großbritannien nach sich ziehen, unter anderem durch die Wirkung von negativen Vertrauenseffekten und Einbußen beim internationalen Handel", sagt Schmidt der "Rheinischen Post".

Fotostrecke

Der Brexit und seine Kinder: Welche Länder einem EU-Austritt der Briten folgen könnten

Foto: © Michael Dalder / Reuters/ REUTERS

5 Uhr: Ein Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union wird nach Worten von Finanzminister George Osborne die Bürger teuer zu stehen kommen. Bei einem Brexit müssten die Steuern angehoben und die Ausgaben in Großbritannien gesenkt werden, warnt Osborne.