Montag, 23. September 2019

Brexit-Countdown Buchmacher - Zustimmung der Briten zur EU steigt

Tatort abgesperrt: Die britische Labour-Abgeordnete Jo Cox erlag nach einem Angriff in ihrem Wahlkreis ihren Verletzungen.

In sechs Tagen stimmen die Briten ab, ob sie in der EU bleiben oder die EU verlassen. Der Tod der britischen Abgeordneten Cox rüttelt die Menschen auf - nicht ohne Folgen. Glaubt man den Buchmachern, steigt jetzt die Zustimmung der Briten zur EU. Das Wichtigste vor dieser Entscheidung im Überblick.

13.31 Uhr: Die Citibank folgt den Wettbüros, ist man fast geneigt zu sagen ... Die Bank geht von einem Verbleib Großbritanniens in der EU aus. Darauf deute eine Analyse (aha!) der jüngsten Umfragen hin, erklärte das US-Geldhaus. "Insgesamt gehen wir nach wie vor von einer Brexit-Wahscheinlichkeit am oberen Ende der Spanne von 30 bis 40 Prozent aus."

12.15 Uhr: Wer ein vergleichsweise ungetrübtes Meinungsbild über die Wahrscheinlichkeit eines Brexit haben möchte, ist bei Wettanbietern derzeit wohl am besten aufgehoben. Der Online-Wettanbieter Betfair beziffert die Wahrscheinlichkeit eines Verbleibs von Großbritannien in der EU nun mit 67 Prozent nach 65 Prozent am Donnerstagabend. Vor der Ermordung der britischen Abgeordneten Jo Cox hatte die Chance noch bei 60 Prozent gelegen.

11.15 Uhr: Ein Brexit könnte deutliche Vermögenseinbußen in Europa auslösen und Unternehmensfusionen hemmen. Zu diesen Ergebnissen kommt der Softwareanbieter und Finanz-Dienstleister Intralinks, der nach eigener Auskunft weltweit mehr als 1400 Experten für Firmen-Fusionen und -Übernahmen (M&A) befragt hat. "Sollte Großbritannien für einen Austritt stimmen, könnten europäische Vermögenswerte massiv beeinträchtigt werden - ausländische Käufer bieten weniger, wenn UK die EU verlässt", erklärte Intralinks-Experte Philipp Whitchelo. "Dies könnte in den nächsten Jahren drastische Auswirkungen auf die europäische und britische Wirtschaft haben."

10.30 Uhr: Die niederländische Bank ING und die Schweizer Societe Generale warnen ihre Kunden vor Problemen am Tag der Brexit-Abstimmung. ING unterrichtete ihre Kunden, dass es um den Abstimmungstermin am 23. Juni herum zu Schwierigkeiten im Handel kommen könnte. Einem Insider zufolge hat die französische SocGen in einem Schreiben an die Kunden für den Zeitpunkt der Abstimmung ebenfalls vor Problemen mit Preisbildung und Liquidität gewarnt.

10 Uhr: Die ermordete britische Abgeordnete Jo Cox hat vor ihrem Tod Drohungen erhalten. Die Labour-Politikerin habe sich bei der Polizei gemeldet, weil sie "bösartige Mitteilungen" erhalten habe, erklärten die Sicherheitsbehörden am Freitag. Die Polizei habe in diesem Zusammenhang im März einen Mann festgenommen, der später eine Verwarnung akzeptiert habe. Bei ihm handle es sich allerdings nicht um den 52-Jährigen, der am Donnerstag in Gewahrsam genommen worden war. Die Polizei ergriff diesen Mann in der Nähe des Tatorts, an dem Cox kurz zuvor getötet worden war.

9 Uhr: Die Grünen sehen in dem tödlichen Angriff auf eine britische Abgeordnete und EU-Befürworterin eine Mahnung, sich gegen Radikalisierung zu engagieren. Der Fall mache deutlich, wie groß die Polarisierung in Großbritannien vor dem Referendum über die EU-Mitgliedschaft kommende Woche sei, sagte Grünen-Chefin Simone Peter. Nicht nur in Großbritannien, sondern auch in vielen anderen Ländern führten zunehmende Radikalisierung und Hetze zu Mordanschlägen.

7.30 Uhr: Großbritannien könnte bereits vor einem offiziellen Austritt aus der EU Unionsvorschriften missachten. Es erscheine zweifelhaft, "ob das Vereinigte Königreich in der Übergangszeit eine Veranlassung sehen würde, ungewollte EU-Regeln weiterhin zu befolgen", heißt es in einer als vertraulich eingestuften Experten-Analyse des Deutschen Bundestags. Aufgrund der Dauer eines Vertragsverletzungsverfahrens vor dem Europäischen Gerichtshof würde es zum Zeitpunkt eines möglichen Urteils der Rechtsprechung womöglich gar nicht mehr unterliegen. Die Experten analysieren in der Studie zudem ausführlich die möglichen wirtschaftlichen Folgen eines Brexits. So soll die EZB bei Instituten der Eurozone mit bedeutendem Geschäft im Vereinigten Königreich Informationen über deren Brexit-Notfallpläne angefordert haben. Die Institute der Londoner City führten bereits seit längerem entsprechende Stresstests durch und befürchteten massive und verlängerte Liquiditätskrisen.

7 Uhr: Der Bruder des kurz nach der Tat festgenommenen 52-jährigen Tatverdächtigen sprach gegenüber der Zeitung "Daily Telegraph" von einer langen Vorgeschichte psychischer Probleme berichtet. "Es fällt mir schwer zu glauben, was passiert ist", sagte er. "Mein Bruder ist nicht gewalttätig, und er ist nicht besonders politisch." Er habe "eine Vorgeschichte psychischer Erkrankungen" - deswegen aber Hilfe in Anspruch genommen. In britischen Medien wurden auch Nachbarn zitiert, die den mutmaßlichen Täter als Einzelgänger beschrieben, der meistens für sich geblieben sei.

6.30 Uhr: Der Mord an der britischen Parlamentsabgeordneten Jo Cox hat das Königreich und die Welt geschockt. die Flaggen vor dem Regierungsgebäude in London am Freitag auf Halbmast gesetzt, um der Politikerin zu gedenken. Vor dem Westminster-Palast legten in der Nacht zum Freitag hunderte von Menschen Blumen ab und zündeten Kerzen an. Die Abgeordnete der sozialdemokratischen Labour-Partei und Brexit-Gegnerin war in der nordenglischen Grafschaft Yorkshire auf offener Straße niedergestochen und niedergeschossen worden. Am 23. Juni stimmen die Briten über Verbleib oder Austritt aus der EU ab.

Das Tatmotiv ist noch weiter unklar. Augenzeugen wollen gehört haben, dass der Täter die Worte "Britain First" gerufen habe, als er festgenommen wurde. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür nicht. Im Wortsinn bedeuten die Worte "Großbritannien zuerst". Sie sind aber auch der Name einer rechtsradikalen Partei. Die Polizei äußerte sich zunächst nicht zum möglichen Tatmotiv.

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