Börse Bankenwerte legen zu, VW hält an Dividende fest

Der Dax legt zum Wochenschluss wieder zu. Steigende Ölpreise und eine Pause im Brexit-Wahlkampf nach dem Tod der Labour-Abgeordneten Joe Cox sorgen für eine Beruhigung an den Finanzmärkten.

Steigende Ölpreise und zunehmende Hoffnungen auf einen Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union haben deutsche Aktien am Freitag angetrieben. Der Dax  gewann am Freitag zuletzt 0,8 Prozent auf 9631 Punkte, nachdem es seit Anfang Juni fast durchweg bergab gegangen war.

Seinen Wochenverlust von zeitweise rund vier Prozent konnte der deutsche Leitindex damit fast halbieren. Am Ende blieb ein Minus von 2,1 Prozent.

Der MDax  stieg am Freitag um 1,1 Prozent auf 19 690 Punkte. Für den Technologiewerte-Index TecDax ging es um 1,03 Prozent nach oben. In Japan erholte sich der Nikkei 225 um 1,1 Prozent auf 15.599 Punkte. Auf Wochensicht gilt es für die Anleger gleichwohl einen Verlust von rund 6 Prozent zu verkraften.

Asiens Börsen erholt - Hisense steigt zweistellig

In der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong, wo neben chinesischen auch ausländische Marktteilnehmer handeln dürfen, verbesserte sich der Hang-Seng-Index um 0,72 Prozent. Auf dem chinesischen Festland stieg der CSI-300-Index, der die Entwicklung der 300 größten Aktienwerte in Shenzhen und Shanghai abbildet, um 0,5 Prozentpunkte.

Größter Gewinner waren die Papiere von Hisense Electric mit plus 10 Prozent. Chinas TV-Marke Nummer 1 zählt neben Continental , Adidas , Coca-Cola  und McDonald´s zu den EM-Sponsoren und ist durch seine auffällige Bandenwerbung während der Vorrundenspiele in den Blick geraten. Investoren erhoffen sich nun auch steigende Absätze des chinesischen TV-Herstellers in Europa.

Brexit-Wahlkampf unterbrochen nach dem Tod von Jo Cox

Inmitten der erhitzten Debatte um einen möglichen Ausstieg Großbritanniens aus der EU haben sich die Brexit-Befürworter und Brexit-Gegner eine zweitägige Wahlkampf-Pause verordnet. Der Tod der Labour-Abgeordneten Jo Cox, die von einem Attentäter am Donnerstag auf offener Straße ermordet wurde, sorgt für Entsetzen und Trauer weltweit.

LBBW-Investmentanalyst Werner Bader glaubt trotz der Dax-Erholung nicht an eine Trendwende nach den klaren Verlusten der vergangenen Tage. Denn zu groß seien die Ängste vor einem negativen Votum der britischen Bevölkerung am kommenden Donnerstag. "Allerdings ist der Dax inzwischen unter technischen Gesichtspunkten auch ein Stück weit überverkauft, so dass für antizyklisch handelnde Marktteilnehmer das deutlich gedrückte Kursniveau durchaus interessant sein könnte", so Bader.

Keine Null-Dividende: Volkswagen erklärt Streit für beendet

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Gewinn, Umsatz, Mitarbeiter: Die Champions im Dax

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Volkswagen-Vorzugsaktien kletterten um 2,5 Prozent. Kurz vor der VW-Hauptversammlung haben die Familien Porsche und Piëch als Großaktionäre einen Streit über die Zahlung einer Dividende für die Aktionäre für beendet erklärt. Demnach streben sie keine Null-Dividende bei dem Autobauer an, wie die "Bild"-Zeitung (Freitag) berichtete. Eine Null-Dividende hätte für große Konflikte insbesondere mit dem weiteren Großaktionär Niedersachsen sorgen können. Zudem teilte Volkswagen mit, den Abwärtstrend bei den Verkäufen seiner Kernmarke VW im Mai etwas abgebremst zu haben.

Morphosys profitieren von Medikamenten-Fallstudie

Die Titel des Biotech-Unternehmens Morphosys reagierten mit einem Kurssprung von fast 5 Prozent auf eine positive Fallstudie für den Blutkrebs-Produktkandidaten MOR208.

Die Papiere von SAP profitierten dagegen nur unterdurchschnittlich von Geschäftszahlen des US-Konkurrenten Oracle und kletterten um 0,86 Prozent. Ein Händler sah in dem Quartalsbericht des US-Konzerns auch positive Signale für den deutschen Softwarehersteller.

Neue Bundesanleihen mit historisch niedrigen Renditen

Auch bei den Anleihen blieb die Nervosität hoch. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe tauchte wie schon am Dienstag wieder unter die Null-Prozent-Marke ab. Bei der Versteigerung neuer Bundesanleihen mussten sich die Anleger mit einer historisch niedrigen Mini-Rendite von 0,01 Prozent begnügen. Die Ausweitung der EZB-Anleihekäufe auf Schuldscheine von Großkonzernen drückte auch deren Renditen immer tiefer in den Keller. Bei einigen Bonds müssen Anleger dafür zahlen, dass sie den Firmen Geld leihen.

Adidas, Vonovia und RWE einzige Gewinner im Dax 2016

Unter den 30 Dax-Werten weisen nur 3 Konzerne eine positive Performance seit Jahresbeginn auf. Adidas notiert in diesem Ranking mit einem Kursplus von 30 Prozent seit Jahresbeginn mit großem Abstand an der Dax-Spitze, gefolgt von Vonovia (plus 7 Prozent) und RWE (plus 2,5 Prozent).

In unserem interaktiven Chart können Sie die Einschätzungen der Analysten zu der Adidas-Aktie nachvollziehen und ein eigenes Kursziel setzen.

Unter den Einzelwerten könnten die Aktien von Evonik einen Blick wert sein. Vorbörslich stiegen die Papiere des Spezialchemiekonzerns gegen den schwachen Markttrend um 2,26 Prozent. Zuvor hatte die US-Investmentbank Morgan Stanley Händlern zufolge die Evonik-Titel von "Equal-weight" auf "Overweight" hochgestuft.

Für die Papiere von Wacker Chemie  ging es den umgekehrten Weg: Sie verloren vorbörslich 2,70 Prozent, nachdem Morgan Stanley sie laut Händlern von "Overweight" auf "Equal-weight" abgestuft hatte.

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