Der stille Riese Wie Larry Finks Blackrock die Welt umkrempelt

Von Arne Gottschalck

Larry Fink, der Herr über die Blackrock-Billionen, ist ein gefragter Gesprächspartner. Zuletzt stand er bei der DealBook-Conference in New York auf der Bühne und erläuterte seine Weltsicht. Das Interesse an Fink ist wenig überraschend, sondern erarbeitet - immerhin gebieten er und Blackrock über ein verwaltetes Vermögen von rund 4,7 Billionen Dollar, was das Unternehmen zu einem der größten Investoren und zum größten Vermögensverwalter der Welt macht.

Vor allem aber lenkt er ein Investment-Imperium, dessen Räderwerk in aller Stille surrt. Eine Maschine, die still und effizient wächst. Laut werden Blackrock und Fink nur, wenn am Ruf des Unternehmens gekratzt wird. Wenn zum Beispiel der Investment-Haudegen Carl Icahn die Firma als "extrem gefährlich" einstuft.

Icahn sieht Blackrock als Gefahr, weil Unternehmen wie Blackrock Liquidität aufsaugen und somit selbst zum Markt werden würden - und im Notfall nur an sich selbst verkaufen müssten. In Finks Augen ist das alles Mumpitz. Er sieht Blackrock als ein Finanzhaus unter vielen.

Trotzdem gehört Blackrock inzwischen zu den Unternehmen, die inzwischen ein erhebliches Kielwasser hinter sich her ziehen. Und damit auf die Welt erheblichen Einfluss haben. Sogar in mehrfacher Hinsicht.

Riesenmarkt ETF - Geldanlage wird billiger

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Exchange Traded Funds (ETF) sind günstiger als aktiv verwaltete Fonds, die die Kosten eines Fondsmanagers und seiner Analysten mit erwirtschaften müssen. Vor zehn Jahren war das höchstens Investmentexperten bekannt, heutzutage ist das Wissen auch dank der Marktmacht von Blackrock & Co. weit verbreitet - das Unternehmen ist eines der großen Spieler im ETF-Markt.

Und es geht weiter, mutmaßen Experten. Bis 2020 soll sich die Summe der weltweit verwalteten Gelder verdoppelt haben, schätzt man bei Price Waterhouse Coopers (PwC) laut der Studie ETF 2020 des Jahres 2014. Mehr günstige ETF, das dürfte die Zukunft der Geldanlage sein.

Aktiv oder passiv - der Druck auf die Konkurrenz wächst

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Die Konkurrenz muss handeln. Lange konnten Fondsanbieter vor sich hin wursteln. Freilich bekam dieses Wursteln einen eleganten Begriff, nannte sich zum Beispiel "enhanced index approach". Man baute einen Index wie den Dax  oder den S&P 500 nach und dreht an ein oder zwei Stellschrauben, um ein marginal besseres Ergebnis zu erzielen als jener Index selbst. Etwas mehr Lufthansa  beispielsweise, etwas weniger Daimler . Das ist dank Blackrock & Co. nun Geschichte.

Entweder die Unternehmen folgen dem Pfad, den Blackrock wandelt, und verkaufen passive Produkte. Oder sie überarbeiten ihr Portfolio und schärfen deren Profil.

Barings zum Beispiel hat mit Jean-Louis Scandella seit 2014 einen Head of Global Equities, einen Aktienchef also, der genau darauf achtet. "Barings hat sein Geschäft nun darauf gebürstet, aktiv zu sein, einen Mehrwert für den Anleger zu liefern", sagt Managing Director Michel Schulz. Und jeder Fondsmanager sei angehalten, darauf zu achten.

Der Markt wird komplexer

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Der Investor muss nun mehr nachdenken. Das gilt für die Verwalter von Pensionsfonds ebenso wie für Privatanleger. Warum? Weil die Breite des Angebots wächst. Aktive Fonds auf der einen Seite, ETF auf der anderen - und jede Kategorie facettiert sich weiter auf. Beispiel ETF. Allein den Index abbilden war gestern, heute gibt es aktive ETF, solche mit einem Hebel - der Dax steigt um 1 Prozent, das ETF um 2 Prozent. Oder setzen auf exotische Indizes wie die auf Hedgefonds.

Oder smart beta. Klingt beeindruckend und überarbeitet die herkömmlichen Indizes, so dass beispielsweise die Dominanz eines einzelnen hoch bewerteten Titels reduziert wird. Da den Überblick zu behalten, ist nicht einfach. Und es wird nicht einfacher, weil neue Anbieter dem Markt weiter Nischen hinzufügen. Und Blackrock weiter wächst.

Konzentration auf den Primus

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Wirtschaft funktioniert oft über eine Art Klassensprecher, eine Primus, der inoffiziell für ein ganzes Segment steht. Banken wie Goldman Sachs  oder auch die Deutsche Bank  haben lange für die Finanzindustrie gesprochen, Volkswagen  oder Toyota  für die Automobilbranche. Heute blickt in Sachen Finanzindustrie alles auch auf Blackrock, stellvertretend für Konkurrenten wie Vanguard oder Wisdom Tree. Wenn das Unternehmen, wenn Larry Fink also etwas sagt, hat sein Wort Gewicht. Wenn Fink zum Beispiel über die Dividendenzahlung sinniert, wie zuletzt im "business insider", dann hört man zu. 

Unter anderem deswegen ist man bei Blackrock auch so auf den guten Ruf bedacht. Der Fall VW zeigt, wie fatal Fehler an der Branchenspitze sein können.

Mehr schwappendes Geld

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Investoren sind unduldsam geworden. Eine Anlageidee soll zügig Früchte tragen, muss Geld abwerfen. Passiert das nicht, wird das Geld abgezogen. Früher zeigte man mehr Langmut. Joseph Lakonish, Altmeister der Geldanlage, erzählte in einemInterview mit manager magazin online, er habe früher nur einmal im Quartal auf sein Portfolio geschaut. Aber diese Geduld habe er auch nicht mehr.

Und während der aktive Fondsmanager gegenüber dem erbosten Investor am Telefon noch die Chance hat, zu erklären, warum sein Fonds nicht so gut läuft, fehlt bei einem ETF in aller Regel diese Notwendigkeit. Denn der Index selbst läuft ja schlecht - und damit auch der ETF. Je mehr Geld in den ETF steckt, umso größer daher also auch die Menge des Geldes, das abgezogen und anderweitig investiert wird. Der Trend zu "shorttermism", zur kurzfristigen Anlage, wird durch die Stärke der ETF also gewiss nicht gebremst.

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