Samstag, 20. Juli 2019

Riesiges Pyramidenspiel treibt Bitcoin-Kurs in die Höhe Diesem Crash-Propheten folgen hundert Millionen in den Ruin

Was kann schiefgehen? Alles - daran lässt Sergei Mavrodi keinen Zweifel. Verantwortung trägt er nicht, sein MMM-System liegt ja formell nur in der Hand der Teilnehmer
Iliya Pitalev / picture alliance / DPA
Was kann schiefgehen? Alles - daran lässt Sergei Mavrodi keinen Zweifel. Verantwortung trägt er nicht, sein MMM-System liegt ja formell nur in der Hand der Teilnehmer

"Was ist Geld?", fragt Sergei Mavrodi, und gibt selbst die Antwort: "Nichts! Ein Phantom. Leere!" Na, dann können diejenigen, die ihr Geld seinem MMM-Schema anvertrauen, ja auch nichts verlieren.

Mavrodi ist der Kopf hinter dem wohl größten Pyramidenspiel der Geschichte. Das Erstaunliche: Er macht kein Geheimnis daraus, auch wenn er die Bezeichnung "Selbsthilfefonds" oder "soziales finanzielles Netzwerk" bevorzugt - aber auf der Webseite sogar eine Grafik in Pyramidenform zeigt: "Wenn du Ronalds Anleiter bist, Ronald Maricel anleitet und Maricel Joseph, bekommst du 5 Prozent von Ronalds Spende, 3 Prozent von Maricels und 1 Prozent von Josephs."

100 Prozent Gewinn im Monat verheißt er den Teilnehmern. Aber er verspricht nichts, sondern warnt klar und deutlich, dass sie ebenso gut den Totalverlust erleiden können - nämlich für den Fall, dass sich keine weiteren Mitspieler finden und die Pyramide zusammenbricht.

Er hat schon zweimal Millionen Russen verführt

So läuft das eben. Man kann darauf spekulieren, sein Geld zu vervielfachen, solange man nicht als einer der letzten Dummen in das System einsteigt. Wenn das Vertrauen darin schwindet, dass noch mehr einzahlen, geht die Wette allerdings regelmäßig für die meisten schief.

Mavrodi ist darin geübt, und zumindest in seiner russischen Heimat kein Unbekannter. Schon vor dem Ende der Sowjetunion gründete der Informatiker mit Frau und Bruder die Firma MMM (das Kürzel steht für die Nachnamen der drei), die im Börsenwahn der frühen 90er als Aktiengesellschaft Furore machte, mit großen Werbekampagnen und einem landesweiten Netz eigener Aktienverkaufsstellen.

Bis zu 15 Millionen Russen, ein Zehntel der Bevölkerung, sollen sich bei MMM eingekauft haben, bis 1994 Zweifel laut wurden und die Behörden einschritten. Um der Strafverfolgung wegen Steuerbetrugs zu entgehen, ließ Mavrodi sich ins Parlament wählen - unterstützt von MMM-Opfern, die im Fall eines Urteils erst recht um ihr Geld fürchteten.

Doch die Immunität wurde aufgehoben, Mavrodi hielt sich jahrelang versteckt und saß dann doch seine Gefängnisstrafe ab - um sich anschließend mit "MMM 2011" zurückzumelden. Auch dieses System zog Millionen Russen an und kollabierte 2012. "Fool me twice, shame on me", befand der russische Auslandssender RT.

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