Dienstag, 23. April 2019

Aktie stürzt weiter ab Bayer im freien Fall - Druck auf Baumann nimmt zu

Bayer-Chef Werner Baumann: Die Klagewelle in USA hat den Börsenwert des Konzerns einbrechen lassen. Seit Sommer 2017 hat sich der Wert des Konzerns mehr als halbiert. Auf der Hauptversammlung am 26. April in Bonn wird es ungemütlich für Baumann

Vier Wochen vor der Bayer-Hauptversammlung am 26. April nimmt der Druck auf Konzernchef Werner Baumann zu. Die Furcht vor kaum kalkulierbaren Rechtsrisiken durch die Glyphosat-Prozesse in den USA lastet weiterhin schwer auf den Bayer-Aktien - die Papiere setzten ihren Kursrutsch am Dienstag mit einem Minus von 3,4 Prozent auf 55,66 Euro fort und fielen auf das tiefste Niveau seit knapp sieben Jahren. Seit Sommer 2017 hat das Dax-Schwergewicht Bayer mehr als die Hälfte seines Börsenwertes verloren.

An der Ausverkaufsstimmung der Aktionäre änderte auch die Schließung einer anderen Rechtsbaustelle rund um den Gerinnungshemmer Xarelto nichts. Am Montag war bekannt geworden, dass sich die Leverkusener in den USA mit den Klägern wegen möglicher Gesundheitsschäden durch den Blutgerinnungshemmer Xarelto auf einen Vergleich geeinigt haben. Analyst Peter Verdult von der Citigroup sieht Parallelen zu den aktuellen Rechtsstreitigkeiten über den glyphosathaltigen Unkrautvernichter Roundup.

Beispiel Xarelto: Bayer sieht sich im Recht - und zahlt trotzdem

Wie bei Xarelto sehe sich der Konzern zwar auch hier im Recht und halte die Klagen für haltlos, zahle aber letztlich, so der Experte. Dennoch zahle man gemeinsam mit seinem US-Vertriebspartner Janssen Pharmaceuticals die stolze Summe von 775 Millionen Dollar an die Kläger. Basierend auf der Vergleichssumme von 775 Millionen Dollar koste jeder Streitfall im Schnitt 30.000 Dollar.

Trotz des Vergleichs ist Bayer weiter überzeugt, dass die Klagen jeglicher Grundlage entbehren. Der Vergleich bedeute deshalb auch nicht die Anerkennung einer entsprechenden Rechtspflicht, erklärte der Konzern. Alle sechs bisher verhandelten Verfahren seien zugunsten von Bayer und Janssen ausgegangen. Doch ermögliche der Vergleich, Ablenkungen und hohe Kosten zu vermeiden, die durch einen Fortgang der Rechtsstreitigkeiten entstehen würden.

Commerzbank-Experte Daniel Wendorff sieht den Vergleich positiv. Damit entledige sich Bayer einer schweren Bürde für das Pharmageschäft. So wird der Vergleichsbetrag von Bayer und Janssen zu gleichen Teilen getragen. Bayer geht außerdem davon aus, dass sein Anteil teilweise durch die Produkthaftpflichtversicherung gedeckt wird.

Glyphosat-Klagen dürften noch viel teurer werden

Im Falle des umstrittenen Unkrautvernichters Roundup stehen derweil - Stand Ende Januar - Klagen von rund 11 200 Klägern im Raum. Und anders als bei Xarelto musste der mittlerweile zu den Leverkusenern gehörende US-Saatgutanbieter Monsanto hier schon Schlappen vor Gericht einstecken. Anleger befürchten daher Milliardenrisiken, die laut vielen Analysten nach dem Kurseinbruch der vergangenen Monate aber zumindest ein Stück weit eingepreist sein dürften.

Bayer-Papiere gehören mit minus 8 Prozent im bisherigen Jahresverlauf erneut zu den schwächsten Werten im gleichzeitig gut gelaufenen Dax. Im Vorjahr waren sie um 40 Prozent eingebrochen. Seit Juni 2017 hat die Aktie mehr als die Hälfte ihres Wertes eingebüßt. Viele Aktionäre halten die Übernahme des Glyphosat-Herstellers Monsanto bereits für eine toxische Übernahme.

Baumann hält Kauf von Monsanto weiterhin für "gute Idee"

Bayer-Chef Werner Baumann verteidigt unterdessen den milliardenschweren Kauf des umstrittenen US-Saatgutkonzerns Monsanto gegen wachsende Kritik. "Der Monsanto-Kauf war und ist eine gute Idee", sagte der Chef des Agrarchemie- und Pharmaunternehmens der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS). Erst in der abgelaufenen Woche hatte ein Rückschlag in einem wegweisenden Prozess um angebliche Krebsrisiken des glyphosathaltigen Unkrautvernichters Roundup den Druck auf den Manager erhöht. Eine Jury in San Francisco befand, dass das Produkt ein wesentlicher Faktor für die Lymphdrüsenkrebserkrankung des 70-jährigen Klägers Edwin Hardeman gewesen sei.

Damit geht der Prozess nun mit derselben Jury in eine zweite Phase, in der die Haftungsfragen geklärt werden sollen. Dabei geht es auch darum, ob Monsanto über Risiken hinwegtäuschte und wie hoch der mögliche Schadenersatz ausfallen könnte.

Auf der Hauptversammlung am 26. April wird sich der Bayer-Manager harscher Kritik stellen müssen. So bezeichnete Christian Strenger, Gründungsmitglied der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex, den Monsanto-Kauf jüngst in einem dem "Manager Magazin" vorliegenden Brief als "den größten und schnellsten Wertvernichter der Dax-Geschichte". Strenger fordert demnach, Baumann und seinen Vorstandskollegen die Entlastung zu verweigern.

la/mmo/dpa

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