Freitag, 23. August 2019

Warum Axel Springer den Finanzinvestor braucht Springer und KKR - Partner auf Augenhöhe?

Friede Springer: Partnerschaft mit KKR "auf Augenhöhe" - selbst dann, wenn der US-Finanzinvestor mehr als 50 Prozent der Anteile einsammeln sollte
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Friede Springer: Partnerschaft mit KKR "auf Augenhöhe" - selbst dann, wenn der US-Finanzinvestor mehr als 50 Prozent der Anteile einsammeln sollte

Der Finanzinvestor KKR will beim Verlag Axel Springer einsteigen. Entsteht dort wirklich eine gleichberechtige Partnerschaft - oder vollzieht KKR eine Übernahme durch die Hintertür? Springer jedenfalls kann den US-Investor gut gebrauchen.

"Traviata" lautet das Finanzvehikel, über das der US-Finanzinvestor KKR den Einstieg bei Axel Springer vollziehen will. Zu deutsch: "Die vom Weg Abgekommene." Doch ist der deutsche Medienkonzern, dessen Aktie im Jahr 2018 um rund 30 Prozent eingebrochen war, wirklich vom Weg abgekommen? Droht ein Drama wie in der Verdi-Oper, in der die Umworbene am Ende kraftlos dahinsinkt? Wird ein kühl kalkulierender Investor aus den USA im Schlussakt Axel Springer schlucken und bei dem Medienhaus, zu dem auch "Bild" und "Welt" gehören, allein das Sagen haben? KKR und Axel Springer bemühen sich in ihrer gemeinsamen Erklärung wortreich, das Gegenteil zu behaupten: Kein Übernahme- und Todesdrama stehe an, sondern eine Liebeshochzeit.

Es gehe um "dauerhafte, vertrauensvolle Beziehungen", flötet Johannes Huth, Partner von KKR. Und Philipp Freise, der als Leiter des europäischen Investmentteams für Technologie und Medien bei KKR das öffentliche Übernahmeangebot vorbereitet und orchestriert hat, stimmt ein: "Wir freuen uns darauf, Axel Springer dabei zu unterstützen, (...) Herausforderungen langfristig und nachhaltig zu begegnen".

Beide Seiten betonen bei jeder Gelegenheit das Leitmotiv "Partnerschaft". Das ist auch nötig, denn Friede Springer und Vorstandschef Mathias Döpfner halten gemeinsam nur 45,4 Prozent des Grundkapitals bei Axel Springer.

Sollten sämtliche anderen Aktionäre, inklusive der Springer-Enkel Axel Sven und Ariane Melanie, auf das öffentliche Übernahmeangebot eingehen und ihre Anteile an KKR verkaufen, besäße der Finanzinvestor knapp 55 Prozent der Aktien und damit die Mehrheit.

"Friede Springer behält wichtige Mitspracherechte"

Das wäre kein Drama, betont man bei Springer. Schließlich gehe es um eine "Partnerschaft". Selbst wenn KKR nach einem Angebot an die Aktionäre unerwartet die Anteilsmehrheit halten würde, hätte Verlegerwitwe Friede Springer entscheidenden Einfluss und wichtige Mitspracherechte, betonte Springer-Chef Mathias Döpfner am Mittwoch. "Das wird dennoch dann zu einer partnerschaftlichen Governance auf Augenhöhe führen", so Döpfner. Dabei gelte immer das Prinzip, "dass die eine Seite nicht ohne die Zustimmung der anderen Seite in wesentlichen Fragen entscheiden kann".

Selbst wenn eine Mehrheit des Investors KKR nicht erwünscht sein sollte - rechnerisch ist sie möglich. Doch dieses Risiko geht Springer ein. Wegen der öffentlichen Offerte gebe es keine Obergrenze für das KKR-Engagement, erläuterte Springer-Finanzchef Julian Deutz. "Wir nehmen es sozusagen wie es kommt." Dass allerdings dem US-Investor alle ausstehenden knapp 55 Prozent der Aktien angedient würden, sei laut Deutz "kein wahnsinnig realistischer Fall".

Für Springer wird Deutschland zu klein - und KKR bietet viel Kapital

Und es gibt tatsächlich einige Indizien, dass sich KKR im Fall Axel Springer mit der Rolle des Partners begnügt. Beide Seiten hatten schon mehrfach die Möglichkeit eines Einstiegs sondiert. Springer benötigt die Finanzkraft von KKR, um die Expansion im Digitalgeschäft voranzutreiben: Die Bedeutung der deutschsprachigen Zeitungen und journalistischer Inhalte ist im Springer-Geschäftsmodell seit Jahren gesunken und wird weiter sinken. Für den Großteil des Gewinns sorgen nicht "Bild" oder "Welt", sondern digitale Rubriken-Portale wie SeLoger, StepStone oder Immowelt.

Schon jetzt stammen 84 Prozent des bereinigten Vorsteuergewinns von Axel Springer aus digitalen Aktivitäten. Mit jeder weiteren Übernahme eines Digital-Dienstleisters entfernt sich Springer einen Schritt weiter aus dem deutschsprachingen Raum: Da kommt ein finanzstarker Player wie KKR gerade recht.

Und so betont Springer-Chef Mathias Döpfner auch die Entwicklungsperspektiven, die sich mit dem Einstieg von KKR böten. "Durch die strategische Partnerschaft mit KKR könnten wir erhebliche Wachstumschancen ergreifen, da wir uns zusätzliche finanzielle Ressourcen erschließen, sagte Döpfner. Auch in der Vergangenheit hat Döpfner, der konsequent auf eine Internationalisierungsstrategie setzt, keine Berührungsängste gegenüber möglichen Partnern wie KKR gezeigt.

Springer und Döpfner sollen ihre 45,4 Prozent behalten

Auch Friede Springer gibt dem finanzstarken Partner in spe einen Vertrauensvorschuss. Die Verleger-Witwe hält 37,5 Prozent der Anteile über die Axel Springer Gesellschaft für Publizistik. Dazu kommt ein direkt gehaltener Anteil von 5,1 Prozent. Ihr Vertrauter Mathias Döpfner selbst hält 2,8 Prozent. Zusammen sind Friede Springer und Döpfner mit 45,4 Prozent beteiligt und werden ihre Anteile laut Vereinbarung mit KKR auch behalten.

Zur Beruhigung der Verlagsmitarbeiter bekommt Friede Springer eine Art Veto-Recht. Die Vereinbarung mit KKR sehe vor, dass "keine Entscheidungen auf Gesellschafterebene ohne die Zustimmung von Friede Springer getroffen werden können", heißt es.

Eine wichtige Rolle kommt in dieser Situation den Enkelkindern des Verlagsgründers Axel Springer zu, Axel Sven und Ariane Melanie. Ob sie ihre Anteile verkaufen, ist Konzernangaben zufolge noch offen. Beide halten zusammen 9,8 Prozent. Bleiben die Enkel der Familie treu, bleibt die Mehrheit für Springer gesichert - und Axel Springer kann sich zwar an den Partnerschafts-Beschwörungen von KKR erfreuen, muss sich im Ernstfall aber nicht darauf verlassen.

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