Dienstag, 21. Mai 2019

Preispoker um Olympia-Rechte 2018 und 2020 ARD und ZDF riskieren erstmals Verlust wichtiger Sportrechte

Kann weh tun. US-Skistar Lindsey Vonn, hier im Februar 2016, nachdem sie in La Thuile bei der Abfahrt nur den zweiten Platz erreicht hatte.

Der US-Medienkonzern Discovery will für die Olympischen Spiele in Pyeongchang 2018 und Tokio 150 Millionen Euro. Den Öffentlich-Rechtlichen ist das zu teuer. Nun droht der Eklat

In der Vergangenheit haben ARD und ZDF kaum ein großes Sportrechtegeschäft ausgelassen selbst wenn die Preise schwindelerregend stiegen. Zuletzt war das bei der Bundesliga der Fall, als es um die Fortsetzung der "Sportschau" ging.

Doch jetzt riskieren die Öffentlich-Rechtlichen erstmals den Verlust eines wichtigen Sportereignisses. Die Verhandlungen mit dem US-Medienkonzern Discovery um die deutschen Übertragungsrechte für die Olympischen Spiele Winterspiele 2018 Pyeongchang (Südkorea) und Sommerspiele 2020 in Tokio sind laut Beteiligten auf beiden Seiten völlig festgefahren. Vertreter der Öffentlich-Rechtlichen drohen inzwischen offen mit Abbruch, wenn sich die Gegenseite im Sommer nicht noch bewegt.

Nach Informationen von manager-magazin.de liegen beide Seiten weit auseinander: ARD und ZDF wollen höchstens 100 Mio. Euro zahlen, Discovery verlangt mindestens 150 Mio. Euro. Laut den Beteiligten haben sich beide Seiten in der Preisfrage seit Monaten keinen Millimeter bewegt.

Der US-Konzern Discovery hatte im vergangenen Jahr in einer aufsehenerregenden Transaktion für 1,3 Milliarden Euro vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) die europäischen Rechte für die Olympischen Spiele 2018 bis 2024 gekauft. Discovery selbst betreibt unter anderem den Sender Eurosport und auch mehrere Pay-TV-Kanäle. Doch das IOC schreibt vor, dass ein Großteil der Spiele im frei empfangbaren Fernsehen gezeigt werden. Wenn Discovery diese Programme in Eurosport zeigen würde, wäre es laut Rechteexperten extrem schwierig, die hohen Rechtekosten zu refinanzieren. Deswegen verhandelt der Medienkonzern für diese Rechte im deutschen Markt mit ARD und ZDF.

Die Zeit in den Verhandlungen drängt: Denn die Planungen für die Übertragung der Winterspiele im südkoreanischen Pyeongchang haben längst begonnen. Im April fand das erste so genannte "Broadcaster's Meeting" der übertragenden Sender statt. Spätestens zu Ende der Spiele in Rio im August wollen die öffentlich-rechtlichen Verhandler Klarheit haben.

Bei maßgeblichen Sportverbänden in Deutschland macht sich inzwischen ernsthaft Angst breit, dass die Öffentlich-Rechtlichen aussteigen. Die Verbandsbosse fürchten, dass ihnen Wahrnehmung und damit Sponsorengelder abhandenkommen. Vertreter des Deutschen Olympischen Sportbunds haben sich nach Informationen von manager-magazin.de an IOC-Präsident Thomas Bach gewandt, damit dieser Druck auf Discovery macht - sind jedoch abgeblitzt.

Discovery lässt nach Informationen von Beteiligten inzwischen Szenarien rechnen, wie der Konzern die Rechte ohne Beteiligung von ARD und ZDF verwerten könnte. Gleichzeitig bieten die Amerikaner den Öffentlich-Rechtlichen eine neue Variante an: ARD und ZDF könnten demnach ihrerseits andere Sportrechte an Eurosport weiterreichen, um einen entsprechenden Preisnachlass bei Olympia zu erhalten.

Die Öffentlich-Rechtlichen begründen ihre harte Haltung mit den gedeckelten Sportrechteetats und dem öffentlichen Druck. Dabei haben sie gerade bei der Bundesliga-Auktion erstaunliche Preise gezahlt: Die ARD muss für die "Sportschau"-Rechte nach Informationen von manager-magazin.de statt bisher gut 100 ab 2017 rund 134 Millionen Euro pro Saison zahlen, obwohl sie einige Live-Spiele verloren hat und für Zusatzrechte (etwa Wiederholungen) ein weiterer zweistelliger Millionenbetrag fällig wird. Das ZDF hat seinen Einsatz für die Bundesliga mit rund 45 Millionen Euro pro Saison mehr als verdoppelt, dafür allerdings auch einige zusätzliche Live-Spiele erworben.

© manager magazin 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung