Euro-Anleihe One more Bond - warum Apple den Euro liebt

Apple schwimmt im Geld. 155 Milliarden Dollar hat der Erfolgskonzern aus Kalifornien auf dem Konto. Warum also leiht sich Firmenchef Tim Cook jetzt noch mehr Geld am Anleihemarkt - noch dazu in Euro?
Apple-Chef Tim Cook: Selbst die Anleihen des Konzerns lösen Begeisterung aus

Apple-Chef Tim Cook: Selbst die Anleihen des Konzerns lösen Begeisterung aus

Foto: LUCY NICHOLSON/ REUTERS

Hamburg - Das iPhone 6 sorgt weltweit für Furore, die Aktie befindet sich auf Rekordhoch und die Firmenkasse läuft über vor Geld: Der Tech-Riese Apple  steht so gut da wie nie. In dieser Situation wendete sich der Konzern diese Woche erstmals an Investoren auf dem europäischen Anleihemarkt, um sich Geld von ihnen zu leihen.

Nach iPhone, iPad und Apple Watch nun also die nächste Innovation aus Cupertino: der iBond in Euro . Doch was steckt dahinter? Warum braucht ausgerechnet Apple Geld?

Laut "Wall Street Journal" standen die Investoren förmlich Schlange, um bei der Platzierung dabei zu sein. Ein Volumen von mindestens einer Milliarde Euro hatte Apple angekündigt - am Ende wurden es 2,8 Milliarden Euro.

Damit stockt Apple sein ausstehendes Anleihevolumen auf mehr als 30 Milliarden Dollar auf, was Experten zufolge selbst für den kerngesunden, teuersten Konzern der Welt aus Kalifornien ein ziemlicher Batzen Geld ist. 2013 hatte Apple bereits einen Weltrekord aufgestellt, als das Unternehmen binnen kurzer Zeit eine Anleihe über 17 Milliarden Dollar platzierte. Einen größeren Firmenbond hatte es bis dahin nicht gegeben. Im April dieses Jahres folgte eine weitere Anleihe am US-Markt über zwölf Milliarden Dollar.

Geld leihen, um Aktien zurückzukaufen

Und nun also die erste Euro-Tranche in der Firmengeschichte - Geld, das Apple gut gebrauchen kann. Eigenen Angaben zufolge will der Smartphone- und Tablet-Hersteller die Milliarden für "allgemeine Unternehmenszwecke" verwenden, worunter in diesem Fall vor allem Aktienrückkäufe sowie Dividendenzahlungen zu verstehen sein dürften.

Aktionäre wie der unbequeme US-Milliardär Carl Icahn, der etwa 0,9 Prozent der Apple-Anteile hält, fordern seit langem, Apple möge mehr von seinen gewaltigen Cash-Reserven mit den Anlegern teilen. Immerhin verfügt der Konzern über ein Polster von 155 Milliarden Dollar. So viel Geld hat weltweit kein zweites Unternehmen auf dem Konto.

Zwar hat Apple schon einiges an seine Aktionäre ausgezahlt. Laut US-Sender CNBC etwa wurden von einem laufenden Aktienrückkauf- und Dividendenprogramm im Volumen von 130 Milliarden Dollar bislang 94 Milliarden Dollar umgesetzt. Die verbleibenden 36 Milliarden sollen bis Ende 2015 erfüllt werden, so der Bericht. Dem notorisch unzufriedenen Aktionär Icahn beispielsweise reicht aber auch das nicht. Er dränge auf mehr, so CNBC.

Apples Trick mit der Steuer

So erklärt sich, dass Apple-Chef Tim Cook sowie sein Finanzvorstand Luca Maestri erneut den Anleihemarkt entern. Alternativ könnten sie zwar auch direkt auf ihre Bargeldreserven zugreifen.

Etwa 137 Milliarden der 155 Milliarden Dollar befinden sich jedoch in Apple-Tochtergesellschaften außerhalb der USA. Sobald das Management das Geld zurückholt, beispielsweise um es an Aktionäre auszuzahlen, werden Steuerzahlungen fällig. Und die möchten Cook und Co. doch lieber vermeiden.

Euro statt Dollar: In Euro-Land ist Geld viel billiger zu haben

Aber warum plötzlich eine Anleihe in Euro? Warum nicht, wie schon bei den beiden Vorgängern, in US-Dollar? Die Antwort ist einfach. Geht es ums Schuldenmachen, dann handelt der Weltkonzern Apple  genauso, wie jeder durchschnittliche Privatmensch: Er sucht sich die günstigsten Konditionen.

Vor allem aufgrund der unterschiedlichen Linien der Europäischen Zentralbank (EZB) und der US-Notenbank Fed liegt das Zinsniveau in der Euro-Zone deutlich unter dem in den Vereinigten Staaten. Die zehnjährige Bundesanleihe etwa rentiert zurzeit bei etwa 0,85 Prozent, während das US-Pendant, das Treasury-Papier mit zehn Jahren Laufzeit, auf eine Rendite von rund 2,4 Prozent kommt. Laut Bloomberg ist die Differenz, im Jargon: der Spread, zwischen dem Zinsniveau in Euro und in Dollar derzeit so groß wie seit 2008 nicht mehr.

Das ist eine der Ursachen dafür, dass der Dollar gegenüber dem Euro zusehends an Wert gewinnt. Und es ist der Hauptgrund dafür, dass sich US-Konzerne wie Apple gegenwärtig mit Vorliebe in Europa Geld leihen, und nicht in den USA.

Umtausch von Euro in Dollar: Apples Trick mit dem Swap

Laut Bloomberg haben US-Unternehmen in diesem Jahr bislang 53,5 Milliarden Euro an Anleihevolumen platziert, was der höchste Wert für einen vergleichbaren Zeitraum seit 2007 sei. Namhafte Beispiele waren zuletzt die Citigroup , die diese Woche einen Eine-Milliarde-Euro-Bond auf den Markt brachte.

Der US-Pharmakonzern Merck & Co.  bot zudem Anfang Oktober eine Anleihe über 2,5 Milliarden Euro an. Es war die erste Euro-Bond-Transaktion des Unternehmens seit 2007.

Die Zinssätze, mit denen Apple die 2,8-Milliarden-Euro-Anleihe versehen musste, dürften allerdings selbst die prominenteste Konkurrenz neidisch machen. 1,082 Prozent zahlt der iPhone-Hersteller für Papiere mit einer Laufzeit von acht Jahren. Bei einer Laufzeit von zwölf Jahren beträgt der Zinssatz 1,671 Prozent.

Damit hat Apple auch bei dieser Anleiheemission wieder einen Rekord aufgestellt. Laut Datenanbieter Dealogic gab es noch kein Unternehmen, das ein vergleichbares Papier mit einem so niedrigen Zinssatz platzieren konnte. Selbst einige Staaten in Europa - beispielsweise Italien oder Spanien - müssen Investoren mehr bieten, damit diese ihnen Geld leihen.

Stellt sich am Ende nur noch eine Frage: Was will Apple mit all den Euros, wo es doch seine Verpflichtungen zum weitaus größten Teil in Dollar zahlen muss? Auch da lassen sich Konzernchef Cook und sein Oberfinanzer Maestri nicht auf dem falschen Fuß erwischen. US-Medien zitieren Investmentexperten mit der Einschätzung, dass Apple für diesen Fall Swap-Konditionen nutzen kann, die so günstig sind, dass der Euro-Bond trotz allem noch die attraktivere Variante ist.

Sprich: Apple tauscht die Euros einfach in Dollar und spart unterm Strich immer noch etwas.

Es ist also offenbar wie bei allen Produkten von Apple: Vom Schlange stehen für den iBond profitiert vor allem der Konzern.

Mariana Mazzucato: Wie Apple von staatlichen Innovationen profitiert

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