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Positives Denken: So gelingt Ihnen ein guter Jahresrückblick

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Sieben Schritte zu einem konstruktiven Blick aufs Jahr So bringt Ihr Jahresrückblick Sie weiter

Von Ilona Bürgel

Vielleicht können Sie es gar nicht abwarten, dass das alte Jahr vorüber geht und mit dem neuen auch neue Chancen kommen. Es war bestimmt ein turbulentes Jahr. Oft hetzen wir durch unseren Alltag und sind damit befasst, mit allen Veränderungen, Anforderungen, Überraschungen und der Weltlage an sich klar zu kommen. In schöner Regelmäßigkeit haben wir deshalb auch am Jahresende das Gefühl, das alles zu viel und zu schnell war. Das sorgt nicht gerade für die positive Stimmung, die der Advent verdient und das neue Jahr mit seinen neuen Anforderungen braucht.

Ilona Bürgel

Die Psychologin Ilona Bürgel zählt zu den führenden Vertretern der Positiven Psychologie im deutschsprachigen Raum. Sie will aufzeigen, wie der Spagat zwischen Lust auf Leistung und Erhalt der eigenen Ressourcen gelingen kann. Nach 15 Jahren in Führungspositionen ist sie heute Referentin, Beraterin, Autorin und Kolumnistin. Ilona Bürgel lebt und arbeitet in Dresden und im dänischen Århus. Hier geht es zu ihrer Website. 

Grundsätzlich arbeitet unser Gehirn nach dem Prinzip "Katastrophe kommt vor Vergnügen". Wir sind die Hälfte der Tageszeit mit unseren Gedanken woanders, ärgern uns über das, was gestern war, machen uns Sorgen über Dinge, die wir hören und lesen und manche, die noch gar nicht real sind. Dieser einst hilfreiche Überlebensmechanismus, sich mental auf Probleme oder Gefahren zu konzentrieren, wird in der Psychologie das "katastrophische Gehirn" genannt.

Doch er hat sich verselbständigt. Worüber sprechen Sie in der Mittagspause oder am Abendbrottisch? Über Ihren pünktlichen Bus, den schnittigen Firmenwagen, die guten Kunden, die Sie haben? Oder das ärgerliche Telefonat mit der anderen Niederlassung, was Ihnen immer noch quer im Magen liegt? Dass Freunde oder Kollegen uns wohlgesonnen sind ist schön, geht aber im anspruchsvollen Alltag eher unter.

Schönes, Gutes, Nettes, Funktionierendes nehmen wir kaum zur Kenntnis. Oder haben Sie schon einmal darüber geplaudert, wie schnell Ihr Internet läuft und wie zuverlässig Ihr Herz arbeitet? Einmal erkannt, können wir in diesem Jahr eingreifen. Die Glücksforschung geht davon aus, dass neben einer genetischen Anlage für Glück und Wohlbefinden von 50 Prozent die Unterschiede im Befinden nur zu 10 Prozent von Lebensumständen bestimmt werden. 40 Prozent Chance auf Wohlbefinden wird bestimmt von unserem subjektiven Blick auf die Dinge, von dem, was wir daraus machen.

Die Erinnerung macht was sie will

Das autobiographische Gedächtnis, die Erinnerung an unsere eigene Vergangenheit, ist kein objektives Werkzeug, sondern unterliegt vom Augenblick des Geschehens an unserer Beeinflussung. Wir ordnen Erlebnisse in einen Kontext von dem ein, was wir schon erlebt, was wir erwartet haben, was wir von uns halten, wie wir hoffen oder fürchten zu sein. Die Bewertung eines Ereignisses ist der nächste subjektive Faktor. Die gleiche Situation wird von verschiedenen Menschen anders gesehen.

Sprechen Sie gern vor anderen? Viele Menschen sind dabei eher aufgeregt als froh, weil sie Angst vor Fehlern oder Bewertungen haben. Ich genieße es als eine Chance, anderen etwas mitzuteilen. Beide haben wir Recht. Die Realität enthält alle Aspekte, wir nehmen sie nur verschieden wahr. Was wir wahrnehmen und wie wir denken beeinflusst wie wir uns fühlen. Grund genug, unsere Wahrnehmung bewusster auf das zu lenken, was wir erreicht haben, was da ist und was wir schon sind.

Anleitung: In sieben Schritten zum positiven Jahresrückblick

Warum sollten Sie innehalten, um einen positiven Blick auf 2017 zu bekommen? Dafür gibt es gleich sechs gute Gründe.

  • Sie stärken Ihre Gesundheit Die subjektive Bewertung unseres Gesundheitszustandes, also unabhängig von objektiven Werten, führt zu einer besseren oder schlechteren Gesundheit. Das Sterberisiko steigt bei der Einschätzung der Gesundheit von "sehr gut" über "gut", bis "schlecht" oder "sehr schlecht" kontinuierlich an. Da wir uns ja als Erstes immer eine gute Gesundheit wünschen, lohnt sich die positive Aufmerksamkeit für unseren Körper.
  • Sie investieren in die Leistungsfähigkeit Ihres Teams Die amerikanische Psychologin Barbara Fredrickson hat sich mit der Frage beschäftigt, in welchem Verhältnis positive zu negativen Momenten stehen müssen, damit Teams erfolgreich zusammenarbeiten und es wenig Fluktuation gibt. Dadurch, dass negative Gefühle und Gewohnheiten bei Weitem stärker wirken als positive, braucht es mindestens ein drei zu eins von Positivem zu Negativem.
  • Sie schaffen positive Emotionen Lächeln führt zur Stressreduktion und zu Glücksgefühlen. Dies gilt selbst für das sogenannte "unechte" Lächeln, bei dem nur der Mund, nicht die Augen lachen.
  • Sie erwarten eine gute Zukunft Die Wissenschaftler um Jia Wie Zhang fanden, dass Menschen mit einem positiven Vergangenheitsbild zufriedener sind und positivere Erwartungen an die Zukunft haben. Wir rechnen immer die Vergangenheit hoch, wenn wir nach vorn schauen. So limitieren oder bereichern wir uns.
  • Sie geben Ihrem Arbeitsleben Sinn Im Alltag gehen Sinnfragen häufig in Stress, Hektik und dem Gefühl von Zeitmangel unter. Die Einordnung unseres Lebens und Handelns in einen größeren Sinnzusammenhang während eines Jahresrückblicks bringt hingegen ein beglückendes Gefühl eines tieferen Wertes. Die Sinnfrage zählt zum so genannten psychologischen Kapital also Stärken, die Produktivität und Glück bei der Arbeit steigern.
  • Sie erweitern Ihre Möglichkeiten für 2018 Eine positive Grundhaltung versüßt nicht nur den Augenblick, sondern erweitert auch die Perspektiven. Das hat die "Broaden-and-build-Theorie" nachgewiesen. Optimismus, Neugier, Lebensfreude erweitern z. B. die Perspektive und ermöglichen Wachstum. Glückliche Menschen sind kreativer, motivierter, hilfsbereiter, sozialer, energievoller. Glück ist wie ein Perpetuum mobile und füllt sich selbst. So entstehen Aufwärtsspiralen. Aus einem guten Gefühl heraus nehmen wir mehr gute Dinge wahr, dadurch fühlen wir uns besser, verhalten uns anders, und das schafft neue positive Ereignisse, die unsere guten Erwartungen bestätigen. Das bringt wiederum gute Gefühle usw.

Hier sind die sieben Schritte für den positiven Jahresrückblick

Sie werden drei Ebenen finden: das offensichtlich vorhandene Gute, das Vorhandene, aber nicht wahrgenommene Gute und schließlich scheinbar Unangenehmes, hinter dem sich Gutes noch versteckt.

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Positives Denken: So gelingt Ihnen ein guter Jahresrückblick

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Fürchten Sie, Sie machen sich etwas vor, wenn Sie sich auf die guten Seiten konzentrieren, denn es gibt ja nicht nur diese? Ich habe keine Zweifel, dass Sie sich mit den negativen Dingen schon mehr als genug befasst haben, denn das geschieht ganz von allein und wird von Medien, Nachbarn und Freunden noch befeuert. Gönnen Sie sich dieses Jahr, dass Sie sich mit dem jetzt zu Ende gehenden Jahr wohlfühlen!

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