Sonntag, 26. Mai 2019

Aktienrückkäufe auf Ausnahmeniveau So erkaufen sich US-Konzerne ihre schöne Börsenwelt

Aktienhändler an der Wall Street: Die Kurse in den USA entwickeln sich besser als in Europa - auch, weil die Konzerne mit Aktienrückkäufen dazu beitragen.

Während die Aktienkurse in Europa sinken, ziehen sie an der Wall Street weiter an. Einen Grund liefern die US-Konzerne selbst: Ihre Aktienrückkäufe dürften 2018 erstmals eine historische Marke übertreffen.

Die Bilanz der vergangenen Monate an der Börse fällt nicht erfreulich aus: Mit den Kursen ging es turbulent auf und vor allem ab, unterm Strich dürften bei vielen Investoren Verluste entstanden sein.

Ein genauer Blick zeigt jedoch: Der Aktienmarkt in den USA entwickelte sich besser als viele andere weltweit. Der Vergleich zum Geschäft hierzulande etwa fällt deutlich zu Gunsten der Wall Street aus. Während beispielsweise der deutsche Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen allein in der jüngsten Handelswoche mehr als ein Prozent verlor, legte der breite US-Index S&P 500 im gleichen Zeitraum um mehr als 2 Prozent zu. Mit Blick auf die vergangenen zwölf Monate öffnet sich die Schere sogar noch weiter: Da verlor der Dax beinahe 15 Prozent, während der S&P 500 um beinahe 10 Prozent zulegte.

Woran liegt das? Ein wichtiger Grund ist zweifellos die wirtschaftliche Entwicklung beider Länder. Deutschland erfreut sich zwar seit einigen Jahren einen stabilen konjunkturellen Aufschwungs. Dessen nahendes Ende ist inzwischen jedoch abzusehen. Zudem befindet sich die deutsche Volkswirtschaft im Umfeld der wirtschaftlich deutlich schwächeren Euro-Zone, die nach wie vor mit der Schuldenkrise zu kämpfen hat. Nicht umsonst hält die Europäische Zentralbank ihre Zinsen nach wie vor auf dem niedrigsten Niveau, während in den USA bereits seit geraumer Zeit der Zyklus schrittweiser Zinssteigerungen läuft.

Rückkäufe knacken wohl erstmals die Marke von einer Billion Dollar

Ohnehin entwickelt sich die US-Wirtschaft deutlich besser als die hiesige, was nicht zuletzt auch an der Vorherrschaft der US-amerikanischen Technologiekonzerne wie Apple Börsen-Chart zeigen, Amazon Börsen-Chart zeigen, Google Börsen-Chart zeigen oder Microsoft Börsen-Chart zeigen liegt. Sie sind es auch, die mit ihren enormen Kurssteigerungen die US-Börsenhausse der vergangenen Jahre maßgeblich angetrieben haben.

All dies sind gute Gründe für die Entkopplung der US-Börse insbesondere von den europäischen. Doch es gibt mindestens noch einen weiteren: Noch nie zuvor haben US-Firmen so viel Geld in den Rückkauf eigener Aktien gesteckt, wie 2018.

Hintergrund: Kauft ein Unternehmen seine eigenen Aktien zurück, so steigert dies den Wert der Papiere auf zwei Wegen. Einerseits sinkt die Anzahl der in Umlauf befindlichen Aktien, auf die sich der Unternehmensgewinn verteilt, so dass auf jede einzelne Aktie ein größerer Anteil entfällt. Und zweitens treten die Unternehmen am Aktienmarkt als Käufer auf und erhöhen damit die gesamte Nachfrage nach ihren Papieren.


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In den USA stehen zahlreichen Konzernen nach der Steuerreform, die die Regierung Trump zu Beginn des Jahres in Kraft gesetzt hat, zum Teil enorme Mengen an Liquidität zur Verfügung. US-Präsident Donald Trump hatte zwar versprochen, derartige Mittel sollten genutzt werden, um in den Vereinigten Staaten neue Jobs zu schaffen. Einen Großteil der Gelder, das zeigen Statistiken, stecken die Unternehmen jedoch auch in den Rückkauf der eigenen Aktien - womit sie zugleich Kurspflege betreiben und zur guten Performance des US-Aktienmarktes beitragen.

Bemerkenswert: Ein großer Teil der Rückkäufe entfällt ausgerechnet auf jene Unternehmen, die auch sonst im Zentrum des US-Börsengeschehens stehen, nämlich die führenden Tech-Konzerne wie Apple, Cisco Börsen-Chart zeigen oder Qualcomm Börsen-Chart zeigen.

Schon früher im Jahr zeichnete sich ab, dass dieses Jahr ein Rekordjahr werden könnte, was den Umfang der Aktienrückkäufe in den USA angeht. Inzwischen verfestigt sich diese Erwartung. Zahlen von JP Morgan zufolge beispielsweise befindet sich die US-Wirtschaft auf dem besten Wege, das Volumen der Rückkäufe im laufenden Jahr über die Marke von einer Billion Dollar zu treiben. Es wäre das erste Mal in der Geschichte, dass dieser Wert übertroffen würde.

Warren Buffetts Kehrtwende stimmt nachdenklich

Selbst US-Investmentikone Warren Buffett reihte sich jüngst in die Phalanx der Käufer ein: Zusammen mit den Ergebnissen für das dritte Quartal gab Buffetts Beteiligungsholding bekannt, eigene Aktien im Wert von 928 Millionen Dollar gekauft zu haben.

Investoren sollte der Schritt des bekannten US-Investors womöglich nachdenklich machen. Schließlich hatte Buffett sich früher häufig skeptisch zum Thema Aktienrückkäufe geäußert. Derartige Deals seien für Unternehmen nur sinnvoll, wenn sie ihre Papiere zu einem günstigen Preis erwerben könnten, lautete eines seiner Argumente.

Wie viele andere US-Papiere auch notieren die Berkshire-Aktien Börsen-Chart zeigen momentan jedoch auf dem höchsten Niveau, das sie bisher überhaupt erreicht haben. Damit ist Warren Buffett also offensichtlich ziemlich gravierend von seiner Überzeugung abgewichen. Das Vertrauen von Investoren in die Hausse am US-Aktienmarkt dürfte diese Erkenntnis kaum steigern.

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