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Afrika: Im Zoo der Alphatiere

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Wo Milliardäre Luxus-Lodges und Reservate betreiben Das Afrika der Superreichen

Einige der reichsten Männer der Welt haben ihr Herz ausgerechnet an den ärmsten Kontinent verloren. Sie betreiben riesige Reservate und luxuriöse Lodges. Auf Safari in einer anderen Dimension.
Von Viola Keeve

Die beiden Männer könnten nicht unterschiedlicher sein: der eine dünn, fast ausgemergelt, sonnenverbranntes Gesicht, ausgeblichene, fleckige Shorts. Der andere: pausbäckig, blass, glatt gescheiteltes Haar, Brille, dunkelblaues Polohemd.

Der eine: Biologe mit Cambridge-Studium. Seit 36 Jahren kämpft er in Namibia darum, die letzten 150 Wüstenlöwen zu schützen. Er schläft oft im Truck, mit dem er den Tieren folgt, betäubt sie, wenn sie Dörfern und Vieh zu nahe kommen, und bringt sie dann weg. Sie nennen ihn den "Löwenmann".

Der andere: Multimilliardär und einer der 50 reichsten Männer der Welt. Er hat einst Microsoft mitgegründet, verwaltet nun sein Vermögen, führt eine Stiftung und sammelt Kunst.

Flip Stander und Paul Allen. Die beiden mögen sich. Schon ein paarmal zog Allen mit Stander in Namibia durch den Busch, ließ sich die Löwen zeigen und das Desert-Lions-Projekt erklären. Er flog mit ihm über die Skeleton Coast, über Walknochen, Schiffswracks, Pelzrobbenkolonien und Dünen, und an den Kunene, der ganzjährig Wasser führt und von Krokodilen wimmelt.

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Zwischen den Touren stand Allen mal allein eine halbe Stunde auf einem Hügel der "Serra Cafema", einer der schönsten und entlegensten Lodges im Norden Namibias, blickte auf ockerrote Berge, einen Myrrhenbaum und blassrosa Weite: Kaokoland. Die Landschaft ist so unberührt und friedlich, dass dem Milliardär ganz warm ums Herz wird: "Man, this land is good for the soul!"

Eine Woche verbrachte Allen in der Lodge am Krokodilfluss, die wirkt wie aus alten Hollywoodtagen: schwere Vorhänge, Kupferwannen, Himmelbetten, auf Stelzen gebaut. "Ruft an, wenn das Camp frei ist", ließ Allen ausrichten. Seitdem kommt er immer wieder.

Einer mehr, der Afrika verfallen ist. Allen spendete nicht nur großzügig für Standers Löwenprojekt, er kaufte sich auch ein ins "Abu Camp" im Okavango-Delta (Botswana), eine 180.000-Hektar-Elefantenschutzzone. Und weil einer wie Allen groß denkt, machte er im Kampf gegen die Wilderer gleich alles ganz anders: Die Elefantenherden werden nun aus der Luft überwacht, in 18 Ländern. Sieben Millionen Dollar hat Allen sich den Great Elephant Census bislang kosten lassen.

Er entwickelte eine Software, die sämtliche Informationen (Drohne, Ranger, Kamerafalle) auswertet: Big Data gegen Wilderer, ursprünglich entworfen für die New Yorker Polizei. Allens Domain-Awareness-System (DAS) aus Seattle, eine Überwachungskarte in Echtzeit, wird gerade getestet. Die Tierschützer vom WWF geraten bei all der Präzision fast ein wenig ins Schmunzeln: Jedes Tier mit GPS-Sender auszustatten sei doch sehr, sehr aufwendig, mehr Ranger einzustellen hätte es vielleicht auch getan. Aber: Lieber zu viel als zu wenig.

Afrika verändert jeden: An vielen Orten sieht der Kontinent aus wie kurz nach der Schöpfung, an anderen wieder wie kurz vor deren Ende. Im "magischen Königreich" (BBC) fühlt man sich bedroht und frei zugleich. "Das Fett von der Seele wegtrainieren", schrieb Hemingway über seine Zeit dort.

Es sind vor allem die Reichen und Superreichen aus dem Westen, die in Afrika ihre zärtliche Seite entdecken und zu Weltenrettern werden. Viele kommen zur Safari - und kehren zurück als Naturschützer, Mäzen oder Entwicklungshelfer.

Microsoft-LegendeBill Gates etwa investiert in Impfungen und Aids-Projekte und züchtet vor Ort Superbananen mit mehr Vitamin A. Investorenikone Warren Buffett hat der Gates-Stiftung 70 Prozent seines Vermögens übertragen, zuletzt erst wieder 2,4 Milliarden Dollar. US-Hedgefondsmilliardär Paul Tudor Jones betreibt in Tansania und Simbabwe Reservate, Virgin-Gründer und Multiunternehmer Richard Branson in Kenia. Sabine Plattner, die Frau von SAP-Grande Hasso, schützt im Kongo den Regenwald und die Flachlandgorillas. Der britische Softwarepionier Gregory Carr rettet in Mosambik ein ganzes Ökosystem.

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Im Zeitalter von Nachhaltigkeit und Klimawandel steht Artenschutz ganz oben auf der Agenda der 0,1-Prozenter. Dabei geht es ihnen längst um mehr als nur den Kampf gegen die Wilderer. Sie wollen vor allem die Natur und deren Ursprünglichkeit erhalten. Denn der Kontinent sitzt auf Öl, Gas, Uran und Seltenen Erden, Chinas Wirtschaft hat sich viele Minen und Vorkommen bereits gesichert. Überall werden Straßen, Schienen und Dämme gebaut, bis 2050 sollen doppelt so viele Menschen auf dem Kontinent leben wie heute. Wenn Afrika erst einmal erschlossen ist und von der Entwicklungs- zur Schwellenlandregion aufsteigt, wird es für Tiere und Natur eng.

"Land für Reservate zu kaufen kann da einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz leisten", sagt Chris Weaver, WWF-Direktor in Namibia. Die weltgrößte Umweltschutzorganisation ist in allen großen Privatreservaten vertreten.

Schmuckkollektionen werben für Elefantenschutz

Es wäre schön, große Gebiete einfach der Natur zu überlassen, so Weaver, doch die Menschen hätten einen berechtigten Anspruch, sich wirtschaftlich zu verbessern. Nach wie vor lasse sich mit der Jagd mehr verdienen als mit Fotosafaris. Und die Erkenntnis, dass sich Ökotourismus langfristig eher auszahle, setze sich erst langsam durch. Ballern, im Busch saufen, sich fühlen wie Teddy Roosevelt, der Duke of Windsor oder Hemingway ("Man schoss niemals daneben, wenn es wirklich wichtig war") - Anbieter, die den Thrill des First Kill versprechen, Adrenalinferien für Alphatiere, gibt es bis heute.

Doch die Zeiten, in denen man sich wie dereinst Franz Josef Strauß ungehemmt und selbstbewusst als Großwildjäger inszenierte ("Dreimal schoss er. Dreimal traf er.") sind vorbei. Der ehemalige spanische König Juan Carlos verlor 2012 seinen Titel "Ehrenpräsident des spanischen WWF", als herauskam, dass er in Afrika Elefanten gejagt hatte. Der König brach sich nachts in Botswana vor der Hütte die Hüfte und musste ausgeflogen werden. Peinlich.

Inzwischen gilt es in besseren Kreisen als schick, sich auf die Seite der Dickhäuter zu schlagen. Die Schmuckmarke Tiffany unterstützt die Tiere mit rauschender Party und eigener Schmuckkollektion ("Save the Elephants"). Cara Delevingne erschien mit transparenter Robe, Dickhäutertattoo und raspelkurzem elefantengrauem Haar.

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Wildtierreisen boomen, statt mit Gewehren gehen die Jäger mit Kameras auf die Pirsch. Vor allem im Topsegment ist der Zulauf enorm. In denLuxuslodges der gigantischen Privatreservate werden die Gäste umsorgt, wie sie es gewohnt sind: Irgendwelche Allergien? Kein Problem, kommen auf die Liste und werden berücksichtigt. Der Ausflug würde mit dem Landrover zu lange dauern? Lassen Sie uns den Heli nehmen. Ein Sherry gefällig? Aber gern, selbstverständlich im Kristallglas.

Wenige Gäste, dafür teuer - das Konzept geht auf. Preise von 2000 Euro und mehr pro Person und Nacht werden ohne zu zucken bezahlt. Ein profitables Geschäft, ohne das Arten wie die Wüstenlöwen in Namibia wohl längst verschwunden wären.

Die Big Five (Löwe, Elefant, Nashorn, Büffel, Leopard), präsentiert von den Big Three, den drei Gründern der großen Agenturen, die das Geschäft mit der Safari neu erfunden haben. Allesamt gute Typen, bestens vernetzt und mittlerweile selbst Upper Class. Ihre Mission: den Kontinent retten und seine Schönheit erhalten.

Der Jüngste der drei ist Joss Kent (48), sein Vater Geoffrey fuhr schon mit Richard Burton durch den Busch. Die Firma: &Beyond.

Der Größte - und Wildeste - im Business hieß lange Colin Bell (61). Er hat 1983 mit einem Freund, 5000 Dollar und einem gebrauchten Landrover Wilderness Safaris gegründet. Das Unternehmen betreibt heute 50 Camps von Botswana bis Ruanda, eine eigene Airline, beschäftigt 2600 Mitarbeiter, macht 94 Millionen Euro Umsatz und ist seit 2010 an der Börse. 34 Prozent hält Botswanas Hotelmilliardär Tollman, 25 Prozent gehören dem französischen Luxuskonzern Kering (Puma, Gucci, YSL).

Bell hat mittlerweile alle Anteile verkauft und die Firma Natural Selection gegründet: 22 Camps will er in Namibia, Südafrika und Botswana eröffnen, zu deutlich "günstigeren" Preisen, ab 850 Euro die Nacht. Über Bushman-Walks möchte er die Dörfer stärker am Geschäft beteiligen.

Liebling der Stars und Superreichen ist Luke Bailes (61), Gründer von Singita. Mit wem man auch spricht: Bailes gilt als einer der einflussreichsten Männer Afrikas, einer, den selbst Präsidenten um Rat fragen und dem sie mal eben ihren Helikopter für eine Erkundungstour leihen.

Bailes hat nur zwölf Lodges (in Südafrika, Tansania und Simbabwe), die aber lassen es an nichts fehlen: Champagner, exquisite Weinkeller, beheizte Pools, Spa mitten im Busch. Viele Gäste werden zu Junkies, kommen immer wieder, wollen denselben Raum, Tracker und Ranger.

Bailes, groß, blond, kräftiger Händedruck, ist schnell beim großen Ganzen. "Wer einem Löwen in die Augen schaut, kann nur sagen: ,Alles klar, du bist der König.'" Viele seiner Gäste seien im normalen Leben der Boss. "Der Busch lehrt sie eine gewisse Demut."

Sein Großvater legte den Grundstein für Singita, er kaufte 1925 ein Jagdgebiet am Kruger Park, Sabi Sands. Dort stehen die drei ältesten Lodges "Castleton", "Ebony", "Boulders". Die vielen Reichen, die sich zunehmend mit eigenen Projekten in Afrika engagieren, hält Bailes für "ziemlich ehrgeizig" und "kompetitiv". Wie im Business wollten sie alles größer und besser machen. Solange es der Sache dient, ist ihm das recht.

Vor 13 Jahren flog Bailes zur Hedgefondsenklave Greenwich in Connecticut und überzeugte Paul Tudor Jones (PTJ), bei ihm einzusteigen. Er wollte so viel Land kaufen wie möglich und als Reservat erhalten, "in 15 Jahren sieht man die Tiere sonst nur noch im Zoo". Dazu brauchte er Tudor Jones, der hatte das Geld.

Dem Finanztycoon gehört das "Sabora Tented Camp" am Rand der Serengeti, das Singita für ihn betreibt. Alles im 20er-Jahre-Stil gehalten: außen unscheinbar, innen Violett, Beige, Orange, Mahagonitruhen, Grammofone, Antiquitäten, persische Teppiche, elegant.

Ende Juni kommt PTJ häufig selbst, dann hat er die Residenz für sich allein. An der "Pamushana Lodge" in Simbabwe ist er ebenfalls beteiligt, samt dem Malilangwe-Reservat drum herum. Bill Gates, Shakira und Michael Douglas übernachteten dort bereits.

Tudor Jones hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Black Rhinos zu schützen. Rund 30 Exemplare hat er mittlerweile aus Südafrika und Botswana bei sich angesiedelt. Manchmal bewachen 50 Leute zwei Nashörner. Allens Überwachungssoftware nutzt auch er.

Das Richtige für Safari-Snobs

Simbabwe retten Bailes und Tudor Jones mit ihren Lodges gleich ein bisschen mit: "Zim" ist zurück auf der Landkarte der vermögenden Gäste, obwohl das Land nach der fast 40-jährigen Herrschaft von Robert Mugabe (93) völlig kaputtgewirtschaftet ist: ein hungerndes Volk, Korruption, Wilderer. Andererseits hat Simbabwe eben auch die Victoriafälle, die Matobo-Berge, den Hwange-Park.

Genau das Richtige für Safarisnobs, denen Südafrika viel zu leicht erreichbar und viel zu überfüllt ist. Im Kruger Park steht schon mal ein Dutzend Autos auf einer Asphaltstraße um zwei Löwinnen herum, die an einem Büffel fressen. Es geht nicht vor und nicht zurück, jeder will eine Nahaufnahme. Gehupe.

Wer dagegen in einem exklusiven Camp wie "Lebombo" von Singita eincheckt, ein Reservat im Kruger Park, Manhattan-Loft-artig, mit luftigen Suiten ab 1450 Euro die Nacht (die Villa am Krokodilfluss für 11.000 Euro), bekommt die besten Ranger, die selbst die entlegensten Stellen kennen. Die riesigen Privatreservate sind nicht umzäunt, da läuft so ziemlich jede Art einmal durchs Camp. Nachts jaulen die Hyänen.

Joss Kent von &Beyond ist im Busch aufgewachsen. Die Drehorte von "Jenseits von Afrika" waren sein "Kinderspielplatz". Die Mutter ließ ihn laufen, einzige Regel: "Be back before sundown."

29 Camps betreibt er heute, die Getty-Familie, Gründer der gleichnamigen Bildagentur, gehört zu seinen Investoren.

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Kent hat Wirtschaft in Harvard studiert, an der Wall Street gearbeitet, später für Abercrombie & Kent, die Firma seines Vaters Geoffrey (75). Joss war schon mit Jimmy Carter fischen, Bill und Melinda Gates ("incredible people") gingen drei Wochen vor ihrer Hochzeit mit den Kents auf Safari, damals sei auch die Idee mit der Stiftung entstanden.

Joss Kent galt lange als designierter Nachfolger, bis er sich mit seinem Vater überwarf, ausstieg, 2012 &Beyond erfand - und zum härtesten Rivalen des Seniors wurde. Sein Anspruch: "Wenn die Gäste nur sagen, sie waren auf einer tollen Lodge, einer großartigen Safari, habe ich versagt." Sie müssen begreifen, wie die Menschen dort leben.

Das gelingt auch Kent nicht immer. Viele seiner Gäste sehen aus als entstammten sie dem Topmanagement von Apple - schwarzes Shirt, Riesenobjektiv, saturiert. Die Tochter hat sich zum elften Geburtstag eine Safari gewünscht. Die hat sie bekommen, natürlich gleich im "Ngala Camp", einem der besten Südafrikas. "Mach, dass ich die Tiere sehe, die mir noch fehlen." Die Schokoladentorte hängt schon mal im Baum, happy Birthday!

Nach der Safari gönnen sich viele noch eine Woche am Meer. Auf "Thanda Island" beispielsweise, fünf Zimmer mit Butler, eigenem Bootsmann, mitten im Shungi-Mbili-Meeresschutzpark. Das Resort bietet die Vorteile einer Megajacht, ohne deren Nachteile. Der schwedische Techtycoon Dan Olofsson (66; Sigma und Epsilon) hat das acht Hektar große Eiland vor der Küste Tansanias 2015 für 60 Jahre gepachtet.

Auch Kents &Beyond bietet Strandprogramm. Auf der Insel Benguerra vor Mosambik (keine Straßen, nur Fischerdörfer) baute er für 5,5 Millionen Dollar 15 strohgedeckte Villen mit Himmelbett. Das Ensemble wurde 2016 vom "Conde Nast Traveller" sogleich zum besten neuen Hotel Afrikas gekürt. Abends liegen Hummer und Langusten auf dem Grill, vor den Tischen brennen Fackeln.

"Do good" statt Diamanten

Staunen und genießen statt jagen - das gilt auch für "Tswalu", das wohl exklusivste Camp Südafrikas, nur 13 Zimmer, fast immer ausgebucht, man wird eingeflogen, ab 1000 Euro die Nacht. Der Name ist Programm: "Tswalu" heißt Neuanfang. Seit 1998 wird hier nicht mehr geschossen. "Wenn ihr noch einen Landrover seht, sagt Bescheid", soll Nicky Oppenheimer (72) gesagt haben, mit rund sieben Milliarden Dollar der reichste Südafrikaner. Der Diamantendynastie gehörte einst De Beers.

Die Oppenheimers besitzen das größte private Wildreservat des Landes, mit 110.000 Hektar. Einmal im Jahr trifft sich dort der ganze Clan. Jonathan Oppenheimer (47), der einzige Sohn, schläft am liebsten draußen, unter Sternen: "Es gibt nichts Besseres."

Er lebt zurückgezogen in London, das Diamantengeschäft haben sein Vater und er 2012 verkauft ("emotional schwierig, aber intellektuell das Richtige"), es lief nicht mehr so richtig. Heute verwaltet er das Familienvermögen. Und sieht Profit auch als soziale Aufgabe: "Wir müssen Gewinn machen, aber so, dass die Menschen hier nachhaltig etwas davon haben." Das habe schon sein Urgroßvater so gesehen.

Die Khoi San, eines der ältesten Völker der Erde, leben in dem Gebiet. Wer einmal mit ihnen gelaufen ist, vergisst es nicht. Manche können einen Skorpion in den Mund nehmen, ohne dass er sticht, "Scorpion King". Eins mit der Natur.

Oppenheimer will davon nichts hören. Bloß keine falsche Romantik. Die Kindersterblichkeit liege bei 50 Prozent, die Lebenserwartung bei 32 Jahren - "ein brutales Leben". 200 Leute, darunter viele San, beschäftigt er auf seiner Lodge, davon leben 1000 bis 2000 Familien.

Während den Diamantenspross vor allem das soziale Gewissen leitet, nutzt der britische Softwarepionier Rory Sweet (50) Afrika hauptsächlich als Therapeutikum gegen die Langeweile. Der Gründer von RBR Networks und Message Labs hat sich die coolste Lodge Südafrikas zugelegt: "Leobo", in der Waterberg-Region, drei Stunden von Johannesburg entfernt.

Man findet sie kaum im staubig roten Sand der Schotterpiste. Auch das GPS hilft nicht. Also wird man abgeholt und staunt: viele Zimmer, keiner da. Vermietet wird immer nur das ganze Anwesen, für 4250 Euro die Nacht, allerdings nur in jenen zehn Monaten des Jahres, in denen Sweet nicht vor Ort weilt.

Seine Lodge erinnert an einen großen Abenteuerspielplatz: Sie besteht aus einem einzigen riesigen Wohnraum, über dem Esstisch hängt das Skelett eines Flusspferds als Lüster, es gibt ein Privatkino und Aussichtsplattformen. Der Mann hat vier Kinder, das Jüngste ist noch keine zehn Jahre alt. Aber auch der Vater spielt noch gern, zum Beispiel mit seiner Sternwarte. Sweet schwärmt für Astronomie, manchmal schaltet er sich aus den fernen Cotswolds zu und öffnet die Kuppel. Am Eingang hängen silberfarbene Raumanzüge in allen Größen.

Wann immer er anreist, ist Action angesagt. Safaris und Safarilodges findet er "ziemlich langweilig". Vier Stunden im Auto sitzen, aus dem man nicht raus kann - nichts für ihn.

In Sweets Lodge ist nichts zu schräg: auf 8000 Hektar im Busch mit Freunden vom Helikopter aus Paintball spielen, Hühnchentauziehen mit Krokodil Stevie oder mit dem Quad zum See mit den Flusspferden heizen. Wer's romantisch mag, kann abends bei Kerzenlicht vom Dachterrassenpool aus die Sterne beobachten.

Doch Investoren wie Sweet sind eher die Ausnahme auf dem schwarzen Kontinent. Die meisten verfolgen eine ganz konkrete Mission. So wie Sabine Plattner (68), Ehefrau von SAP-Gründer Hasso. Sie betreibt einen der besten Golfplätze Südafrikas samt dem Fünfsternehotel "Fancourt" (eines der Leading Hotels of the World), alles sattgrün, Florida-Feeling, auch das ist Afrika. Was ihr aber eigentlich am Herzen liegt: Zusammen mit Howard Buffett, Sohn von Warren, engagiert sie sich im Kongo, "weil ich will, dass meine Kinder mal die gleiche Luft atmen können, wenn sie so alt sind wie ich."

Mehrere Millionen Euro hat die Multimilliardärin für den Aufbau der Lodges "Ngaga" und "Lango" im Naturschutzgebiet Odzala gespendet. Das Ziel: der Schutz der Flachlandgorillas. Einfach hinlaufen und gucken war gestern. Heute dürfen gerade mal vier Leute pro Tag zu den Gorillas, und das auch nur für eine Stunde und nicht näher als sieben Meter. Mit Mundschutz, die Tiere könnten sich sonst anstecken und sterben. Die jüngste Ebola-Epidemie hat den Affen schwer zugesetzt.

Gorillatrekking zieht. Besonders bei jenen, die schon alles gesehen haben. Um etwa die vom Aussterben bedrohten rund 800 Berggorillas im Grenzgebiet von Kongo, Ruanda und Uganda zu sehen, läuft man auch schon mal in 2000 Meter Höhe stundenlang durch den Regenwald. Eine gemütliche Sundowner-Safari sieht anders aus.

Zelten mit Branson

Auch der britische Multimilliardär Richard Branson, Vorbild aller unangepassten Entrepreneure, verfolgt in Afrika ein klares Ziel: den Schutz der großen Tierwanderung und nebenbei der Massai.

Die Mara in Kenia ist einer der feuchtesten Orte Afrikas. Von Juni bis Oktober ziehen Millionen Gnus, Zebras, Antilopen durch die Serengeti auf der Suche nach Nahrung. Nirgends lässt sich der Treck der Tiere besser beobachten als im Land der Massai. Als Branson hörte, dass der Tiertreck in Gefahr sei, pachtete er das Land kurzerhand. Die Massai stellte er als Wildhüter an. Bransons Optimismus gilt als legendär, sein Spitzname lautet "Dr. Yes".

Er baute ein Camp aus zwölf Luxuszelten, das "Mahali Mzuri" (Suaheli für "schöner Ort"), es wurde seine Lieblingslodge. "Es gibt keinen magischeren Ort als die Masai Mara", sagt der 67-jährige Virgin-Boss, Abenteurer, Ballonflieger, Hotelier und Massai Elder, "eine Ehre", denn das werde man eigentlich nur durch Geburt.

Wenn er vor Ort ist, fährt er lieber ins Dorf der Massai als auf Safari. Und wenn er Zivilisation will, hat er noch das schönste Weingut Südafrikas: Mont Rochelle, ein weißes Reetdachhaus auf einer Anhöhe, morgens quellen Wolken über die Drakensteinberge, abends liegt man am beheizten Pool.

Der mit dem vielleicht ambitioniertesten Projekt in Afrika ist jedoch Techtycoon Gregory Carr (58). Er will gleich einen ganzen Regenwald retten, den berühmten Gorongosa National Park. Ausgerechnet in Mosambik, einst Spielwiese des internationalen Jetsets, nach 16 Jahren Bürgerkrieg aber wirtschaftlich und touristisch erledigt.

40 Millionen Dollar lässt sich Carr, Dreitagebart, Khakihose, T-Shirt, Timberlands, die Aktion kosten. Der Internetpionier aus Idaho, Gründer von Boston Technology, hat Geschichte und Politik studiert, Joyce, Dante und Homer gelesen und Kurse in Linguistik besucht. Warum sprechen wir? Was ist menschlich? Das sind so die Fragen, die ihn beschäftigen.

Carr war mal zwei Jahre in Japan als Mormonenmissionar und entdeckte für sich den Zen-Buddhismus. Mit 40 gründete er die Gregory Carr Foundation.

Gorongosa, "eines der artenreichsten Gebiete der Welt", ist genau das Richtige für ihn: kleiner Einsatz, große Wirkung. "An diesem Berg kann man mit einem 50.000-Dollar-Geschäft ein ganzes Ökosystem retten." Das nennt man Impact.

In den 60ern lagen Tippi Hedren, John Wayne und Joan Crawford noch am Pool des Chitengo Camps. Dann kam der Bürgerkrieg. Und die Tiere waren weg, bis auf ein paar Warzenschweine, Vögel. Die ganzen Arten musste Carr, eher Denker als Outdoormensch, erst wieder ansiedeln. Er verbringt heute mehrere Monate im Jahr in Mosambik.

Inzwischen läuft es. Und zwar so gut, dass er sogar 500 Tiere an andere Parks abgeben kann.

Dieser Erfolg war alles andere als selbstverständlich. Als Carr den Segen des Schamanen vor Ort für sein Projekt einholen wollte, lief zunächst alles schief: Er kam mit einem roten Hubschrauber (Farbe der Aggression, Kriegsgerät), dann entdeckten die Einheimischen im Dorf eine Schlange (unfroher Ahne) und sahen in dem Amerikaner ein fliegendes schlechtes Omen.

Inzwischen sind die Hubschrauber, in denen Carr landet, blau. Und den Segen des Schamanen hat er auch.

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