Dienstag, 15. Oktober 2019

Wo Milliardäre Luxus-Lodges und Reservate betreiben Das Afrika der Superreichen

Afrika: Im Zoo der Alphatiere
Jonathan Cosh

5. Teil: Zelten mit Branson

Auch der britische Multimilliardär Richard Branson, Vorbild aller unangepassten Entrepreneure, verfolgt in Afrika ein klares Ziel: den Schutz der großen Tierwanderung und nebenbei der Massai.

Die Mara in Kenia ist einer der feuchtesten Orte Afrikas. Von Juni bis Oktober ziehen Millionen Gnus, Zebras, Antilopen durch die Serengeti auf der Suche nach Nahrung. Nirgends lässt sich der Treck der Tiere besser beobachten als im Land der Massai. Als Branson hörte, dass der Tiertreck in Gefahr sei, pachtete er das Land kurzerhand. Die Massai stellte er als Wildhüter an. Bransons Optimismus gilt als legendär, sein Spitzname lautet "Dr. Yes".

Er baute ein Camp aus zwölf Luxuszelten, das "Mahali Mzuri" (Suaheli für "schöner Ort"), es wurde seine Lieblingslodge. "Es gibt keinen magischeren Ort als die Masai Mara", sagt der 67-jährige Virgin-Boss, Abenteurer, Ballonflieger, Hotelier und Massai Elder, "eine Ehre", denn das werde man eigentlich nur durch Geburt.

Wenn er vor Ort ist, fährt er lieber ins Dorf der Massai als auf Safari. Und wenn er Zivilisation will, hat er noch das schönste Weingut Südafrikas: Mont Rochelle, ein weißes Reetdachhaus auf einer Anhöhe, morgens quellen Wolken über die Drakensteinberge, abends liegt man am beheizten Pool.

Der mit dem vielleicht ambitioniertesten Projekt in Afrika ist jedoch Techtycoon Gregory Carr (58). Er will gleich einen ganzen Regenwald retten, den berühmten Gorongosa National Park. Ausgerechnet in Mosambik, einst Spielwiese des internationalen Jetsets, nach 16 Jahren Bürgerkrieg aber wirtschaftlich und touristisch erledigt.

40 Millionen Dollar lässt sich Carr, Dreitagebart, Khakihose, T-Shirt, Timberlands, die Aktion kosten. Der Internetpionier aus Idaho, Gründer von Boston Technology, hat Geschichte und Politik studiert, Joyce, Dante und Homer gelesen und Kurse in Linguistik besucht. Warum sprechen wir? Was ist menschlich? Das sind so die Fragen, die ihn beschäftigen.

Carr war mal zwei Jahre in Japan als Mormonenmissionar und entdeckte für sich den Zen-Buddhismus. Mit 40 gründete er die Gregory Carr Foundation.

Gorongosa, "eines der artenreichsten Gebiete der Welt", ist genau das Richtige für ihn: kleiner Einsatz, große Wirkung. "An diesem Berg kann man mit einem 50.000-Dollar-Geschäft ein ganzes Ökosystem retten." Das nennt man Impact.

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In den 60ern lagen Tippi Hedren, John Wayne und Joan Crawford noch am Pool des Chitengo Camps. Dann kam der Bürgerkrieg. Und die Tiere waren weg, bis auf ein paar Warzenschweine, Vögel. Die ganzen Arten musste Carr, eher Denker als Outdoormensch, erst wieder ansiedeln. Er verbringt heute mehrere Monate im Jahr in Mosambik.

Inzwischen läuft es. Und zwar so gut, dass er sogar 500 Tiere an andere Parks abgeben kann.

Dieser Erfolg war alles andere als selbstverständlich. Als Carr den Segen des Schamanen vor Ort für sein Projekt einholen wollte, lief zunächst alles schief: Er kam mit einem roten Hubschrauber (Farbe der Aggression, Kriegsgerät), dann entdeckten die Einheimischen im Dorf eine Schlange (unfroher Ahne) und sahen in dem Amerikaner ein fliegendes schlechtes Omen.

Inzwischen sind die Hubschrauber, in denen Carr landet, blau. Und den Segen des Schamanen hat er auch.

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