Dienstag, 16. Juli 2019

Wo Milliardäre Luxus-Lodges und Reservate betreiben Das Afrika der Superreichen

Afrika: Im Zoo der Alphatiere
Jonathan Cosh

4. Teil: "Do good" statt Diamanten

Staunen und genießen statt jagen - das gilt auch für "Tswalu", das wohl exklusivste Camp Südafrikas, nur 13 Zimmer, fast immer ausgebucht, man wird eingeflogen, ab 1000 Euro die Nacht. Der Name ist Programm: "Tswalu" heißt Neuanfang. Seit 1998 wird hier nicht mehr geschossen. "Wenn ihr noch einen Landrover seht, sagt Bescheid", soll Nicky Oppenheimer (72) gesagt haben, mit rund sieben Milliarden Dollar der reichste Südafrikaner. Der Diamantendynastie gehörte einst De Beers.

Die Oppenheimers besitzen das größte private Wildreservat des Landes, mit 110.000 Hektar. Einmal im Jahr trifft sich dort der ganze Clan. Jonathan Oppenheimer (47), der einzige Sohn, schläft am liebsten draußen, unter Sternen: "Es gibt nichts Besseres."

Er lebt zurückgezogen in London, das Diamantengeschäft haben sein Vater und er 2012 verkauft ("emotional schwierig, aber intellektuell das Richtige"), es lief nicht mehr so richtig. Heute verwaltet er das Familienvermögen. Und sieht Profit auch als soziale Aufgabe: "Wir müssen Gewinn machen, aber so, dass die Menschen hier nachhaltig etwas davon haben." Das habe schon sein Urgroßvater so gesehen.

Die Khoi San, eines der ältesten Völker der Erde, leben in dem Gebiet. Wer einmal mit ihnen gelaufen ist, vergisst es nicht. Manche können einen Skorpion in den Mund nehmen, ohne dass er sticht, "Scorpion King". Eins mit der Natur.

Oppenheimer will davon nichts hören. Bloß keine falsche Romantik. Die Kindersterblichkeit liege bei 50 Prozent, die Lebenserwartung bei 32 Jahren - "ein brutales Leben". 200 Leute, darunter viele San, beschäftigt er auf seiner Lodge, davon leben 1000 bis 2000 Familien.

Während den Diamantenspross vor allem das soziale Gewissen leitet, nutzt der britische Softwarepionier Rory Sweet (50) Afrika hauptsächlich als Therapeutikum gegen die Langeweile. Der Gründer von RBR Networks und Message Labs hat sich die coolste Lodge Südafrikas zugelegt: "Leobo", in der Waterberg-Region, drei Stunden von Johannesburg entfernt.

Man findet sie kaum im staubig roten Sand der Schotterpiste. Auch das GPS hilft nicht. Also wird man abgeholt und staunt: viele Zimmer, keiner da. Vermietet wird immer nur das ganze Anwesen, für 4250 Euro die Nacht, allerdings nur in jenen zehn Monaten des Jahres, in denen Sweet nicht vor Ort weilt.

Seine Lodge erinnert an einen großen Abenteuerspielplatz: Sie besteht aus einem einzigen riesigen Wohnraum, über dem Esstisch hängt das Skelett eines Flusspferds als Lüster, es gibt ein Privatkino und Aussichtsplattformen. Der Mann hat vier Kinder, das Jüngste ist noch keine zehn Jahre alt. Aber auch der Vater spielt noch gern, zum Beispiel mit seiner Sternwarte. Sweet schwärmt für Astronomie, manchmal schaltet er sich aus den fernen Cotswolds zu und öffnet die Kuppel. Am Eingang hängen silberfarbene Raumanzüge in allen Größen.

Wann immer er anreist, ist Action angesagt. Safaris und Safarilodges findet er "ziemlich langweilig". Vier Stunden im Auto sitzen, aus dem man nicht raus kann - nichts für ihn.

In Sweets Lodge ist nichts zu schräg: auf 8000 Hektar im Busch mit Freunden vom Helikopter aus Paintball spielen, Hühnchentauziehen mit Krokodil Stevie oder mit dem Quad zum See mit den Flusspferden heizen. Wer's romantisch mag, kann abends bei Kerzenlicht vom Dachterrassenpool aus die Sterne beobachten.

Doch Investoren wie Sweet sind eher die Ausnahme auf dem schwarzen Kontinent. Die meisten verfolgen eine ganz konkrete Mission. So wie Sabine Plattner (68), Ehefrau von SAP-Gründer Hasso. Sie betreibt einen der besten Golfplätze Südafrikas samt dem Fünfsternehotel "Fancourt" (eines der Leading Hotels of the World), alles sattgrün, Florida-Feeling, auch das ist Afrika. Was ihr aber eigentlich am Herzen liegt: Zusammen mit Howard Buffett, Sohn von Warren, engagiert sie sich im Kongo, "weil ich will, dass meine Kinder mal die gleiche Luft atmen können, wenn sie so alt sind wie ich."

Mehrere Millionen Euro hat die Multimilliardärin für den Aufbau der Lodges "Ngaga" und "Lango" im Naturschutzgebiet Odzala gespendet. Das Ziel: der Schutz der Flachlandgorillas. Einfach hinlaufen und gucken war gestern. Heute dürfen gerade mal vier Leute pro Tag zu den Gorillas, und das auch nur für eine Stunde und nicht näher als sieben Meter. Mit Mundschutz, die Tiere könnten sich sonst anstecken und sterben. Die jüngste Ebola-Epidemie hat den Affen schwer zugesetzt.

Gorillatrekking zieht. Besonders bei jenen, die schon alles gesehen haben. Um etwa die vom Aussterben bedrohten rund 800 Berggorillas im Grenzgebiet von Kongo, Ruanda und Uganda zu sehen, läuft man auch schon mal in 2000 Meter Höhe stundenlang durch den Regenwald. Eine gemütliche Sundowner-Safari sieht anders aus.

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