Montag, 21. Oktober 2019

Wo Milliardäre Luxus-Lodges und Reservate betreiben Das Afrika der Superreichen

Afrika: Im Zoo der Alphatiere
Jonathan Cosh

3. Teil: Das Richtige für Safari-Snobs

Simbabwe retten Bailes und Tudor Jones mit ihren Lodges gleich ein bisschen mit: "Zim" ist zurück auf der Landkarte der vermögenden Gäste, obwohl das Land nach der fast 40-jährigen Herrschaft von Robert Mugabe (93) völlig kaputtgewirtschaftet ist: ein hungerndes Volk, Korruption, Wilderer. Andererseits hat Simbabwe eben auch die Victoriafälle, die Matobo-Berge, den Hwange-Park.

Genau das Richtige für Safarisnobs, denen Südafrika viel zu leicht erreichbar und viel zu überfüllt ist. Im Kruger Park steht schon mal ein Dutzend Autos auf einer Asphaltstraße um zwei Löwinnen herum, die an einem Büffel fressen. Es geht nicht vor und nicht zurück, jeder will eine Nahaufnahme. Gehupe.

Wer dagegen in einem exklusiven Camp wie "Lebombo" von Singita eincheckt, ein Reservat im Kruger Park, Manhattan-Loft-artig, mit luftigen Suiten ab 1450 Euro die Nacht (die Villa am Krokodilfluss für 11.000 Euro), bekommt die besten Ranger, die selbst die entlegensten Stellen kennen. Die riesigen Privatreservate sind nicht umzäunt, da läuft so ziemlich jede Art einmal durchs Camp. Nachts jaulen die Hyänen.

Joss Kent von &Beyond ist im Busch aufgewachsen. Die Drehorte von "Jenseits von Afrika" waren sein "Kinderspielplatz". Die Mutter ließ ihn laufen, einzige Regel: "Be back before sundown."

29 Camps betreibt er heute, die Getty-Familie, Gründer der gleichnamigen Bildagentur, gehört zu seinen Investoren.

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Kent hat Wirtschaft in Harvard studiert, an der Wall Street gearbeitet, später für Abercrombie & Kent, die Firma seines Vaters Geoffrey (75). Joss war schon mit Jimmy Carter fischen, Bill und Melinda Gates ("incredible people") gingen drei Wochen vor ihrer Hochzeit mit den Kents auf Safari, damals sei auch die Idee mit der Stiftung entstanden.

Joss Kent galt lange als designierter Nachfolger, bis er sich mit seinem Vater überwarf, ausstieg, 2012 &Beyond erfand - und zum härtesten Rivalen des Seniors wurde. Sein Anspruch: "Wenn die Gäste nur sagen, sie waren auf einer tollen Lodge, einer großartigen Safari, habe ich versagt." Sie müssen begreifen, wie die Menschen dort leben.

Das gelingt auch Kent nicht immer. Viele seiner Gäste sehen aus als entstammten sie dem Topmanagement von Apple - schwarzes Shirt, Riesenobjektiv, saturiert. Die Tochter hat sich zum elften Geburtstag eine Safari gewünscht. Die hat sie bekommen, natürlich gleich im "Ngala Camp", einem der besten Südafrikas. "Mach, dass ich die Tiere sehe, die mir noch fehlen." Die Schokoladentorte hängt schon mal im Baum, happy Birthday!

Nach der Safari gönnen sich viele noch eine Woche am Meer. Auf "Thanda Island" beispielsweise, fünf Zimmer mit Butler, eigenem Bootsmann, mitten im Shungi-Mbili-Meeresschutzpark. Das Resort bietet die Vorteile einer Megajacht, ohne deren Nachteile. Der schwedische Techtycoon Dan Olofsson (66; Sigma und Epsilon) hat das acht Hektar große Eiland vor der Küste Tansanias 2015 für 60 Jahre gepachtet.

Auch Kents &Beyond bietet Strandprogramm. Auf der Insel Benguerra vor Mosambik (keine Straßen, nur Fischerdörfer) baute er für 5,5 Millionen Dollar 15 strohgedeckte Villen mit Himmelbett. Das Ensemble wurde 2016 vom "Conde Nast Traveller" sogleich zum besten neuen Hotel Afrikas gekürt. Abends liegen Hummer und Langusten auf dem Grill, vor den Tischen brennen Fackeln.

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