Samstag, 25. Mai 2019

Wo Milliardäre Luxus-Lodges und Reservate betreiben Das Afrika der Superreichen

Afrika: Im Zoo der Alphatiere
Jonathan Cosh

2. Teil: Schmuckkollektionen werben für Elefantenschutz

Es wäre schön, große Gebiete einfach der Natur zu überlassen, so Weaver, doch die Menschen hätten einen berechtigten Anspruch, sich wirtschaftlich zu verbessern. Nach wie vor lasse sich mit der Jagd mehr verdienen als mit Fotosafaris. Und die Erkenntnis, dass sich Ökotourismus langfristig eher auszahle, setze sich erst langsam durch. Ballern, im Busch saufen, sich fühlen wie Teddy Roosevelt, der Duke of Windsor oder Hemingway ("Man schoss niemals daneben, wenn es wirklich wichtig war") - Anbieter, die den Thrill des First Kill versprechen, Adrenalinferien für Alphatiere, gibt es bis heute.

Doch die Zeiten, in denen man sich wie dereinst Franz Josef Strauß ungehemmt und selbstbewusst als Großwildjäger inszenierte ("Dreimal schoss er. Dreimal traf er.") sind vorbei. Der ehemalige spanische König Juan Carlos verlor 2012 seinen Titel "Ehrenpräsident des spanischen WWF", als herauskam, dass er in Afrika Elefanten gejagt hatte. Der König brach sich nachts in Botswana vor der Hütte die Hüfte und musste ausgeflogen werden. Peinlich.

Inzwischen gilt es in besseren Kreisen als schick, sich auf die Seite der Dickhäuter zu schlagen. Die Schmuckmarke Tiffany unterstützt die Tiere mit rauschender Party und eigener Schmuckkollektion ("Save the Elephants"). Cara Delevingne erschien mit transparenter Robe, Dickhäutertattoo und raspelkurzem elefantengrauem Haar.

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Wildtierreisen boomen, statt mit Gewehren gehen die Jäger mit Kameras auf die Pirsch. Vor allem im Topsegment ist der Zulauf enorm. In denLuxuslodges der gigantischen Privatreservate werden die Gäste umsorgt, wie sie es gewohnt sind: Irgendwelche Allergien? Kein Problem, kommen auf die Liste und werden berücksichtigt. Der Ausflug würde mit dem Landrover zu lange dauern? Lassen Sie uns den Heli nehmen. Ein Sherry gefällig? Aber gern, selbstverständlich im Kristallglas.

Wenige Gäste, dafür teuer - das Konzept geht auf. Preise von 2000 Euro und mehr pro Person und Nacht werden ohne zu zucken bezahlt. Ein profitables Geschäft, ohne das Arten wie die Wüstenlöwen in Namibia wohl längst verschwunden wären.

Die Big Five (Löwe, Elefant, Nashorn, Büffel, Leopard), präsentiert von den Big Three, den drei Gründern der großen Agenturen, die das Geschäft mit der Safari neu erfunden haben. Allesamt gute Typen, bestens vernetzt und mittlerweile selbst Upper Class. Ihre Mission: den Kontinent retten und seine Schönheit erhalten.

Der Jüngste der drei ist Joss Kent (48), sein Vater Geoffrey fuhr schon mit Richard Burton durch den Busch. Die Firma: &Beyond.

Der Größte - und Wildeste - im Business hieß lange Colin Bell (61). Er hat 1983 mit einem Freund, 5000 Dollar und einem gebrauchten Landrover Wilderness Safaris gegründet. Das Unternehmen betreibt heute 50 Camps von Botswana bis Ruanda, eine eigene Airline, beschäftigt 2600 Mitarbeiter, macht 94 Millionen Euro Umsatz und ist seit 2010 an der Börse. 34 Prozent hält Botswanas Hotelmilliardär Tollman, 25 Prozent gehören dem französischen Luxuskonzern Kering (Puma, Gucci, YSL).

Bell hat mittlerweile alle Anteile verkauft und die Firma Natural Selection gegründet: 22 Camps will er in Namibia, Südafrika und Botswana eröffnen, zu deutlich "günstigeren" Preisen, ab 850 Euro die Nacht. Über Bushman-Walks möchte er die Dörfer stärker am Geschäft beteiligen.

Liebling der Stars und Superreichen ist Luke Bailes (61), Gründer von Singita. Mit wem man auch spricht: Bailes gilt als einer der einflussreichsten Männer Afrikas, einer, den selbst Präsidenten um Rat fragen und dem sie mal eben ihren Helikopter für eine Erkundungstour leihen.

Bailes hat nur zwölf Lodges (in Südafrika, Tansania und Simbabwe), die aber lassen es an nichts fehlen: Champagner, exquisite Weinkeller, beheizte Pools, Spa mitten im Busch. Viele Gäste werden zu Junkies, kommen immer wieder, wollen denselben Raum, Tracker und Ranger.

Bailes, groß, blond, kräftiger Händedruck, ist schnell beim großen Ganzen. "Wer einem Löwen in die Augen schaut, kann nur sagen: ,Alles klar, du bist der König.'" Viele seiner Gäste seien im normalen Leben der Boss. "Der Busch lehrt sie eine gewisse Demut."

Sein Großvater legte den Grundstein für Singita, er kaufte 1925 ein Jagdgebiet am Kruger Park, Sabi Sands. Dort stehen die drei ältesten Lodges "Castleton", "Ebony", "Boulders". Die vielen Reichen, die sich zunehmend mit eigenen Projekten in Afrika engagieren, hält Bailes für "ziemlich ehrgeizig" und "kompetitiv". Wie im Business wollten sie alles größer und besser machen. Solange es der Sache dient, ist ihm das recht.

Vor 13 Jahren flog Bailes zur Hedgefondsenklave Greenwich in Connecticut und überzeugte Paul Tudor Jones (PTJ), bei ihm einzusteigen. Er wollte so viel Land kaufen wie möglich und als Reservat erhalten, "in 15 Jahren sieht man die Tiere sonst nur noch im Zoo". Dazu brauchte er Tudor Jones, der hatte das Geld.

Dem Finanztycoon gehört das "Sabora Tented Camp" am Rand der Serengeti, das Singita für ihn betreibt. Alles im 20er-Jahre-Stil gehalten: außen unscheinbar, innen Violett, Beige, Orange, Mahagonitruhen, Grammofone, Antiquitäten, persische Teppiche, elegant.

Ende Juni kommt PTJ häufig selbst, dann hat er die Residenz für sich allein. An der "Pamushana Lodge" in Simbabwe ist er ebenfalls beteiligt, samt dem Malilangwe-Reservat drum herum. Bill Gates, Shakira und Michael Douglas übernachteten dort bereits.

Tudor Jones hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Black Rhinos zu schützen. Rund 30 Exemplare hat er mittlerweile aus Südafrika und Botswana bei sich angesiedelt. Manchmal bewachen 50 Leute zwei Nashörner. Allens Überwachungssoftware nutzt auch er.

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