Streit um 3-Liter-Dieselmotoren Volkswagen weist neue Vorwürfe der US-Aufseher zurück

Neue Vorwürfe und ein Dementi von VW: Der Autobauer gerät in der Affäre um manipulierte Abgaswerte erneut ins Schlingern. Den Vorwurf der Umweltbehörde EPA, dass auch bei Dieselmotoren in Audi- und Porsche-Fahrzeugen getrickst worden sei, wies die Konzernmutter VW zurück.
Von mm-newsdesk
Porsche Cayenne Diesel: "Die Software ist gesetzeskonform"

Porsche Cayenne Diesel: "Die Software ist gesetzeskonform"

Foto: DENIS BALIBOUSE/ REUTERS

New York - Die US-Umweltschutzbehörde EPA warf Volkswagen am Montag vor, bei Drei-Liter-Dieselmotoren verschiedener Modelle von Audi, Porsche und VW mit einer nicht zugelassenen Software-Funktion zur Abgaskontrolle getrickst zu haben. Volkswagen und seine Töchter Audi  und Porsche  wiesen die Vorwürfe zurück. Die Anleger reagierten dennoch aufgeschreckt.

Im Kern scheint der neue Vorwurf der US-Umweltbehörde anders gelagert zu sein als im September: Während der Skandal sich an einer komplett verheimlichten Manipulationssoftware entzündete, steht nun ein sogenanntes AECD-Programm im Fokus. AECD steht für Auxiliary Emission Control Device - eine Zusatzfunktion zur Emissionskontrolle, die in einer Software enthalten sein kann. Diese Funktion ist für die EPA nun ausschlaggebend.

Die Software in den nun beanstandeten Modellen VW Touareg, Porsche Cayenne und mehreren Audi-Versionen beinhalte "eine oder mehrere" AECD-Programme, die nicht entsprechend der Vorgaben "offen gelegt, beschrieben und begründet" und damit nicht von der EPA zugelassen worden seien, erklärte die US-Umweltschutzbehörde. Die Software - zu der eben die beanstandeten AECD-Funktionen zählen - erkenne, ob das Fahrzeug auf dem Prüfstand stehe oder sich im Alltagsbetrieb befinde und reguliere dementsprechend den Schadstoffausstoß.

Zusatzfunktion AECD steht im Fokus

Volkswagen habe "wieder einmal" gegen das US-Gesetz zur Luftreinhaltung verstoßen, erklärte EPA-Vertreterin Cynthia Giles. Insgesamt geht es laut EPA bei den neuen Vorwürfen um rund 10.000 Fahrzeuge, die seit 2014 in den Vereinigten Staaten verkauft wurden.

Volkswagen reagierte alarmiert. Es sei keine Software in den Drei-Liter-Motoren eingebaut, "um die Abgaswerte in unzulässiger Weise zu verändern", betonte der Konzern. Das Unternehmen werde "vollumfänglich kooperieren, um den Sachverhalt rückhaltlos aufzuklären". Porsche zeigte sich "überrascht". Bislang hätten alle vorliegenden Informationen ergeben, dass der Porsche Cayenne Diesel die US-Vorschriften voll erfülle, erklärte die VW-Tochter.

Audi: "Unsere Software ist gesetzeskonform"

Auch Audi wies am Dienstag die Vorwürfe zurück. "Unsere Software ist gesetzeskonform", sagte ein Sprecher. Das Programm erkenne nicht, ob ein Auto auf dem Testprüfstand stehe, um dann die Emissionsausstöße herunterzufahren. Es reagiere auf ganz unterschiedliche Situationen und passe die Motorleistung und auch den Mechanismus zur Abgasreinigung je nach Situation an.

Ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums erklärte, die von den neuen Vorwürfen betroffenen Dieselmotoren seien bereits Teil der Nachprüfungen, die das Kraftfahrt-Bundesamt derzeit durchführen lasse. "Sobald die Nachprüfungen abgeschlossen sind, wird es ein Gesamtergebnis geben."

Die Grünen beantragten eine Aktuelle Stunde im Bundestag. "Die Bundesregierung muss endlich Klartext reden und VW unmissverständlich klar machen, dass eine lückenlose Aufklärung nötig ist und mit Schummelei und Betrug bei den Abgaswerten ein für alle Mal Schluss sein muss", forderte die Parlamentsgeschäftsführerin Britta Haßelmann.

Für Volkswagen wiegen die neuen Vorwürfe schwer, weil laut EPA auch die Luxustochter Porsche betroffen sein soll. Dort stand bis vor kurzem Matthias Müller an der Spitze - der als unbelasteter neuer Volkswagen-Chef den größten Skandal der Unternehmensgeschichte aufarbeiten soll. Der Kurs der Stammaktie verlor am Dienstag rund drei Prozent. Nach Bekanntwerden des Skandals im September waren allein am ersten Tag 20 Prozent des Wertes verpufft.