Samstag, 7. Dezember 2019

Börsenstimmung Der manisch-depressive Aktienmarkt

Daumen hoch: Alibaba-Gründer Jack Ma sorgte kurzzeitig für Feierlaune in New York - doch die Stimmung an der Börse kann schnell wieder kippen

Das Schottland-Referendum und der Börsengang von Alibaba haben den Dax hin- und hergerissen. Stimmungen machen Kurse - und der nächste Aufreger könnte den Dax wieder talwärts schicken.

Hamburg - Er ist manisch-depressiv, dieser Mr. Market. Es gibt ihn nicht wirklich - Mr. Market ist eine fiktive Figur, ersonnen von dem Anlageguru Benjamin Graham. Mal berauscht sich Mr. Market voller Begeisterung an Aktien, dann wieder flieht er in Panik von den Märkten. Manisch-depressiv eben, oder, wie der Volksmund verkürzt sagt: Mal himmelhoch jauchzend, mal zu Tode betrübt.

Genau das lässt sich an der Börse derzeit wieder gut beobachten. Die Börse ist stark von Stimmungen getrieben - noch vor wenigen Wochen sorgte die Ukraine-Krise für einen Börsenblues, Dax-Anleger fürchteten einen Krieg in Europa. Nun wird angesichts des Rekord-Börsengangs von Alibaba - die Aktie legte bei der Erstnotiz am Freitag in New York um 36 Prozent auf 92,70 Dollar zu - wieder bei Aktien zugegriffen, als habe sich die Welt binnen kurzer Zeit verändert.

Starke Stimmungsschwankungen bedeuten starke Kursschwankungen. Ändern dürfte sich nichts daran - das ist eine Warnung für Anleger.

Gute Nachrichte sind rar geworden, unter anderem deswegen, weil die Kurse von Aktien seit Jahren steigen und die Bewertungen damit längst nicht mehr günstig sind. Was also könnten nach dem - aus britischer Sicht - Happy End des Schottland-Referendums und dem fulminanten Börsendebüt von Alibaba die neuen guten Nachrichten sein, um Aktien noch weiter steigen lassen?

Wo ist der nächste Kurstreiber?

Eine Fortsetzung der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), lautet die gängige und schon oft gehörte Antwort. Denn sie sorgt dafür, dass Anleihen kaum etwas abwerfen und europäische Investoren lieber zur Aktie greifen. Doch der Effekt dieser Politik nimmt ab - bereits im Sommer 2012 hatte EZB-Chef Mario Draghi erklärt, er wolle "wirklich alles" tun, um den Euro zu stützen.

Und wenn die EZB nun erklärte, weitergehende Maßnahmen zu ergreifen? Gar Anleihen zu kaufen? Angelsächsische Investoren mahnen so einen Schritt immer wieder an.

Auch Mr. Market wäre das nur recht. Denn das wäre eine Hurra-Nachricht für die Börse. Dass die Dax-Unternehmen ihre gestiegenen Bewertungen mit deutlichen Gewinnsteigerungen untermauern, ist derzeit wenig wahrscheinlich - denn die Konjunkturaussichten sind für Europa eher trüb.

Es bleiben also nur vereinzelte Meldungen, die Mr. Market in Hochstimmung versetzen können. Weil sie eine positive Überraschung darstellen oder sich zumindest so interpretieren lassen. Bayers Plan zum Beispiel, seine Kunststoff-Sparte an die Börse zu bringen, ließ die Aktie am Donnerstag auf ein Rekordhoch springen. Und Alibabas Weg an die Börse hat Investoren in helle Aufregung versetzt: Die Nachfrage nach der Aktie war s groß, dass Alibaba der bis heute größte Börsengang gelang. Ob der hohe Preis für die Alibaba-Aktie gerechtfertig ist?

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