Brasilien gegen Deutschland Der Cup der geplatzten Träume

Die Fußball-WM ist vorbei. Für die Brasilianer ist nicht nur der Traum vom Titel geplatzt. Schon vor Turnierstart wurde den Menschen viel versprochen - und wenig gehalten.
Spielort Belo Horizonte am vergangenen Donnerstag: Zwei Tote und 23 Verletzte nach Einsturz einer Brücke

Spielort Belo Horizonte am vergangenen Donnerstag: Zwei Tote und 23 Verletzte nach Einsturz einer Brücke

Foto: AP/dpa

Belo Horizonte - Nur fünf Kilometer trennen das Estádio Mineirão in Belo Horizonte vom Ort des größten Unglücks während der laufenden Fußball-WM. Dort starben zwei Menschen und 23 wurden verletzt, als eine neu gebaute Überführung über einer Hauptverkehrsstraße einstürzte.

Für Brasiliens Öffentlichkeit könnte der Ort, wo die Seleção im Halbfinale an Deutschland scheiterte, sinnbildlich für das Debakel der WM im eigenen Land stehen. Große Hoffnungen waren darauf gesetzt, die eigene Leistungsfähigkeit sportlich wie wirtschaftlich unter Beweis zu stellen. Schlussendlich mussten die Spieler ihr Können ohne den im Viertelfinale verletzten Superstar Neymar beweisen - das Ergebnis ist bekannt.

Die Arbeiter der örtlichen Baufirma Cowan hatten gerade die Stützen der Brücke entfernt, als das Bauwerk kollabierte. Offiziell sind noch keine Angaben zur Ursache des Unfalls bekannt, aber nicht nur der Bürgermeister spricht von Baumängeln.

Die Politik hatte den Menschen im Land versprochen, dass das Turnier auch ihnen zugute kommen sollte - unter anderem dank Investitionen in verbesserten Nahverkehr. Die Brücke war Teil einer neuen Schnellbuslinie mit eigenen Spuren. Obwohl die Bauarbeiten noch nicht abgeschlossen waren, wurde die Linie eilig zum WM-Beginn im Juni eröffnet.

Schon seit 2012 hatten staatliche Behörden und Justiz das Bauwerk untersucht. Die ursprünglich beauftragte Baufirma Delta hatte sich aus dem Projekt zurückgezogen. Korruption, überhöhte Preise und Bauverzögerungen waren die Themen - wie bei vielen anderen WM-Projekten.

Niemand will den Superzug bauen

Exporthoffnung: Siemens würde den ICE gern auch in Brasilien fahren lassen

Exporthoffnung: Siemens würde den ICE gern auch in Brasilien fahren lassen

Foto: DPA

Hamburg - Brasilien wartet auf seinen Superzug. Der "trem-bala", der Pistolenzug zwischen den Metropolen Rio de Janeiro und São Paulo, soll kommen. Eine Ausschreibung ist für die zweite Jahreshälfte geplant. Doch es wäre nicht die erste. Das Projekt wurde früher in Zusammenhang mit der nun beginnenden Fußball-Weltmeisterschaft genannt. Ein erster Versuch ging 2011 schief, weil sich keine Firma um den Bau der ersten brasilianischen Hochgeschwindigkeitsstrecke bewarb.

Der Staat hatte bei der Ausschreibung vor allem die Ticketpreise im Blick, für einen billigen Bau waren die internationalen Konzerne aber nicht zu haben. Eine weitere Auktion wurde 2013 abgesagt, weil sich nur ein Bewerber fand. Verkehrsminister Cesar Borges will jetzt die Bedingungen nachbessern, um das Interesse von Siemens , Alstom und Co. zu wecken.

Ringen um den Schnellzug zwischen Rio und São Paulo

Dabei war es einmal umgekehrt. Als Brasiliens damaliger Präsident Lula da Silva mit seiner Nachfolgerin Dilma Rousseff 2009 zum Staatsbesuch nach Deutschland kam, chauffierten der damalige Siemens-Chef Peter Löscher und dessen Bahn-Kollege Rüdiger Grube die beiden im Sonder-ICE durchs Land. Die Chancen deutscher Bahntechnik für den Zehn-Milliarden-Euro-Auftrag galten als groß. Sogar die Magnetschwebebahn Transrapid brachten Konzerne und Berliner Politiker unter Verweis auf Brasilien wieder ins Spiel.

Die Bahn war das Vorzeigeprojekt einer Initiative namens "Win-Win 2014/2016" des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), die der deutschen Wirtschaft einen großen Anteil an Investitionen über 200 Milliarden Euro im Zug der brasilianischen Großereignisse Fußball-WM und Olympia versprach.

Das war eine andere Zeit. Brasilien wurde bewundert, weil es leichtfüßig aus der Weltwirtschaftskrise kam. Als Rohstoffgroßmacht und gewaltiger Konsummarkt hatte sich das Schwellenland schon etabliert. Jetzt sollten die Sportevents helfen, den Investitionsrückstand in der maroden Infrastruktur aufzuholen, so die Erwartung.

Nicht nur Siemens hat Ärger mit der Metro von São Paulo

Rush Hour in São Paulo: Wer es sich leisten kann, nimmt den Helikopter

Rush Hour in São Paulo: Wer es sich leisten kann, nimmt den Helikopter

Foto: REUTERS

"Vielversprechende Zukunftsprojekte für den Ausbau und die Modernisierung der Infrastruktur sind in der Planung", beharrt Rafael Haddad, Geschäftsführer des BDI Brazil Board - WM-Termin hin oder her. Dass nun die Gelegenheit verstrichen ist, die Pläne zu verwirklichen, glaube er nicht. "Um Brasiliens Wettbewerbsfähigkeit sicherzustellen, müssen sie jetzt umgesetzt werden."

Eines der größten Probleme des Landes, das ist kein Geheimnis, liegt im Stadtverkehr. Die öffentlichen Bahnnetze, soweit es in den Millionenstädten überhaupt welche gibt, sind kaum leistungsfähig. Die Rush Hour von São Paulo zählt zu den schlimmsten der Welt. Wer es sich leisten kann, nimmt den privaten Helikopter. Deshalb rühmt sich die Stadt des weltgrößten Hubschraubervorkommens.

Bürger stecken im Stau, Behörden im Sumpf der Korruption

Doch die Masse der Normalverdiener wie auch der WM-Besucher wird ohne U-Bahnen nicht zu bewegen sein. Das Netz der 20-Millionen-Stadt misst gerade einmal 74 Kilometer. Die 2010 eröffnete vollautomatische Linie 4 mit privatem Betreiber zählt schon zu den Erfolgsgeschichten des Ausbaus.

Doch Siemens  wird nicht gern daran erinnert. Ein früherer Mitarbeiter informierte das brasilianische Kartellamt über Preisabsprachen mit anderen Lieferanten und Bestechung bei der Auftragsvergabe. Der Korruptions- und Kartellskandal beschäftigt den deutschen Konzern seit Jahren. Nach bisherigem Stand ist er für fünf Jahre von öffentlichen Aufträgen in Brasilien ausgeschlossen. Das spricht auch gegen den ICE-Export.

Feiertage gegen das Verkehrsproblem - beim Karneval beklagt auch keiner den Stau

"Goldene Linie" in São Paulo: Gebaut wird noch, aber nicht mehr für die WM

"Goldene Linie" in São Paulo: Gebaut wird noch, aber nicht mehr für die WM

Foto: Metrô

Sinnbildlich für die großen Pläne in São Paulo steht die Liniennummer 17 des aktuellen Bauvorhabens im Südwesten der Stadt. Die "Goldene Linie" soll den Stadtflughafen Congonhas mit dem Nobelviertel Morumbi und dem dortigen Stadion verbinden - als Einschienenbahn. Im Vergleich zu einer herkömmlichen Metro soll das Platz sparen, durch den Wegfall von Grundstücksenteignungen auch Zeit und Geld.

Pünktlich zur WM wird die 3,1 Milliarden Real (eine Milliarde Euro) teure Linie trotzdem nicht fertig. Nachdem sich die Baugenehmigung verzögert hatte, wurde klar, dass die Fifa das Morumbi-Stadion ohnehin nicht als WM-Spielstätte akzeptiert. Daher flog die Stelzenbahn, bis dahin das teuerste dort verzeichnete Projekt, aus dem von Brasilien und Fifa vereinbarten Rahmenplan für WM-Investitionen. Stattdessen bekam São Paulo den Ausbau von Straßen rund um die Corinthians-Arena, die schon einen Metro-Anschluss hat. Schöner Nebeneffekt: Die Rechnung sank auf 318 Millionen Real.

Eine Monorail wie São Paulo wollte auch die Amazonas-Metropole Manaus, um aus Anlass der WM erstmals überhaupt ein Schienenverkehrsmittel zu bekommen. Doch ein Bundesgericht stoppte den Bau im vergangenen Oktober wegen Fehlern bei der Auftragsvergabe, Gefahr für das historische Erbe der Stadt und allgemein fehlender Realisierungschancen des Projekts.

Macht nichts, befand Omar Aziz, Gouverneur des Staats Amazonas. 42.000 Zuschauer, die in die neu gebaute Arena passen, seien keine größere Herausforderung als die Menge im Sambodrom zum Karneval. "Da gehen die Leute mal ein Stück, bleiben dann wieder stehen, und niemand beschwert sich über mangelnde Mobilität." Die Stadt solle die Spieltage einfach zu Feiertagen erklären, dann gebe es kein Verkehrsproblem.

Es sind doch nur drei Kilometer Fußweg zum Stadion ...

Während der WM im Testbetrieb: Straßenbahn in Cuiabá

Während der WM im Testbetrieb: Straßenbahn in Cuiabá

Foto: CAF

Ähnlich nonchalant wie die Kollegen aus dem Dschungel gab sich die Bezirksregierung der Bundeshauptstadt Brasília. Dort sollte eine von Alstom gelieferte Straßenbahn das Mittel der Wahl sein, um den Flughafen mit der Innenstadt und dem frisch renovierten Nationalstadion zu verbinden. Auch hier schritt ein Gericht ein und verlangte, den Auftrag neu auszuschreiben, weil ein mit einem Metro-Manager verbundenes Konsortium bevorzugt worden sei.

Die Bahn wird gebaut, gehört aber nicht mehr zum WM-Plan. Dafür wurde die Flughafenzufahrt ausgebaut und im Mai eingeweiht - sogar zur Hälfte der geplanten Kosten und drei Wochen vor der Frist. Gäste kämen nun mit Bussen schnell ins Zentrum, erklärte die Behörde der Zeitung "A Pública" - zwar nicht direkt zum Stadion, aber da bliebe ja nur eine Distanz von drei Kilometern, "was den Zugang zu Fuß erleichtert und fördert".

Wegen Betrugs wurde der Straßenbahnbau auch in Cuiabá unterbrochen, die erste Strecke ist aber fertig und auch die Züge sind an einem der entlegensten Spielorte des Turniers eingetroffen. Während der WM aber werden sie noch im Testbetrieb laufen müssen. Ab 2015 sollen die Bewohner das moderne Verkehrsmittel nutzen können.

Deutsche Fans können eine ähnliche Baustelle vor dem Vorrundenspiel gegen Ghana in Fortaleza besichtigen. Zum Auftakt gegen Portugal in Salvador da Bahia dürfen sie eine nach jahrelangen Bauverzögerungen fertige, aber noch nicht in Betrieb genommene U-Bahn zu Sonderfahrten nutzen.

Rio de Janeiro bekommt immerhin Busspuren ...

Milliarden für den Samba: Transcarioca-Brücke über die Guanabara-Bucht

Milliarden für den Samba: Transcarioca-Brücke über die Guanabara-Bucht

Foto: Getty Images

Immerhin eine 39 Kilometer lange Strecke mit eigenen Spuren für eine schnelle Buslinie quer durch Rio de Janeiro konnte Präsidentin Dilma Anfang Juni eröffnen. "Diese Linie gibt mir den Samba", frohlockte sie. Die Fahrzeit vom Flughafen zum Atlantik im Stadtteil Barra da Tijuca soll sich von zweieinhalb auf eine halbe Stunde reduzieren. Allerdings sind die meisten Stationen noch nicht fertig.

Deutsche Kompetenz war für die 1,7 Milliarden Real (550 Millionen Euro) teure "Transcarioca"-Linie nicht gefragt. Den Bau führte der heimische Konzern Andrade Gutierrez. Der hatte zwar mit den für solche Großprojekte typischen Problemen zu kämpfen - Verzögerungen, überzogene Kosten, Ausstieg von Projektpartnern, eine von der Umweltbehörde verlangte Streckenänderung -, das System der separaten Busspuren hat sich aber als pragmatische brasilianische Alternative zu teuren Bahnstrecken durchgesetzt. Mehrere WM-Städte setzen darauf.

Auch einen U-Bahn-Anschluss soll Barra da Tijuca, mit den angrenzenden Bezirken längst zur eigenen Millionenstadt am Strand gewachsen, bis 2016 bekommen. Dann sollen dort die Olympischen Sommerspiele stattfinden. Bis dahin sollen auch die gewaltigen Bauarbeiten am anderen Ende der Stadt abgeschlossen sein ...

... und zu Olympia einen "Wunderhafen" mit "Museum der Zukunft"

Animation oder Illusion? Pläne für "Porto Maravilha"

Animation oder Illusion? Pläne für "Porto Maravilha"

Foto: CDURP

Im historischen Hafenviertel von Rio de Janeiro hat sich die Stadt ein ambitioniertes Entwicklungsprojekt vorgenommen. Der erste Abschnitt von "Porto Maravilha" (Wunderhafen) mit dem Abriss alter Hochstraßen und dem Bau einiger staatlicher Einrichtungen ist noch vergleichsweise einfach. Während der WM wird das Zentrum allerdings noch ein Engpass für Besucher sein. Unter anderem sind gleich sechs neue Straßenbahnlinien und ein olympischer Sporthafen in Bau.

Richtig ambitioniert jedoch sind die Pläne für die zweite Phase, in der mehrere Milliarden aus privaten Quellen in die Belebung des Viertels fließen sollen. Etliche Büro- und Wohntürme wurden angekündigt, bisher aber noch nicht verwirklicht. Im Bau ist wenigstens ein spektakulärer Entwurf des spanischen Stararchitekten Santiago Calatrava mit dem passenden Namen "Museum der Zukunft".

Münchener Flughafen beteiligt sich an "ambitioniertem Ausbauplan" - nach der WM

Flughafen Manaus: Stand der Bauarbeiten im Mai

Flughafen Manaus: Stand der Bauarbeiten im Mai

Foto: DPA

Die Münchener Flughafengesellschaft, in Brasilien bereits mit Beratungsaufträgen aktiv, zeigt sich stolz über die bevorstehende Beteiligung am Flughafen Belo Horizonte. Das Konsortium übernimmt den Betrieb von der Staatsfirma Infraero im August - nach dem Turnier - , und dann steht nach Angabe der Münchener "ein ambitionierter Ausbauplan" an.

Der Grund ist einfach: Belo Horizonte hat wie die anderen Landeplätze im Land einen Rückstand aufzuholen. An keinem der acht Infraero-Flughäfen wurden die zur WM angekündigten Ausbauten fristgerecht fertig. Auch die bereits privatisierten Anlagen wie Viracopos (mit Münchener Rat) schafften die Deadline nicht - mit einer rühmlichen Ausnahme: Am größten Flughafen Brasiliens Guarulhos bei São Paulo wurde im Mai ein neuer Terminal eröffnet.

In Fortaleza dagegen (zur Erinnerung: der Ort des Spiels Deutschland-Ghana) kündigte die Regierung den Vertrag mit der Baufirma wegen gravierender Verspätungen. Stattdessen entsteht für 90 Tage während der WM eine provisorische Abfertigungshalle hinter Bauplanen.

Auch Eon kommt mit seinen Brasilien-Plänen in Verzug

Cash dringend benötigt: Eon-Kraftwerk nahe Fortaleza

Cash dringend benötigt: Eon-Kraftwerk nahe Fortaleza

Foto: Eneva

Fortaleza liegt im Nordosten des Landes, der im Vergleich zum industrialisierten Südosten wirtschaftlich unterentwickelt ist, aber seit Jahren besonders starkes Wachstum verspricht. Hierzu braucht es elektrische Energie. Die in Brasilien dominierenden Wasserkraftwerke liegen weit entfernt und laufen zudem in Dürreperioden wie in den vergangenen Monaten immer am Rand des Blackouts.

Der deutsche Stromkonzern Eon  hat sich mit seiner brasilianischen Beteiligung Eneva voll dem Bau thermischer Gas- und Kohlekraftwerke im armen Norden verschrieben. Einen bereits laufenden Steinkohleblock im Hafen Pecém nahe Fortaleza will Eneva nun aber verkaufen (wobei Eon selbst für 50 Prozent der Beteiligung garantiert), um dringend benötigtes Kapital zu gewinnen.

Der Netzanschluss des Gaskraftwerks Parnaíba - in einer noch ärmeren Gegend - verzögert sich nämlich weiter, und Eneva muss seit März Strommengen von anderen Erzeugern zukaufen, um die zugesicherten Lieferungen auch leisten zu können. Im Mai kündigte Eon an, sich mit bis zu 200 Millionen Euro an einer Kapitalerhöhung zu beteiligen. Es ist bereits die dritte in zwei Jahren einer glücklosen Milliardeninvestition.

270 Millionen Mobilfunkverträge, aber kein ausreichendes Netz

Kein Anschluss: Telefonierender Künstler vor WM-kritischem Graffito

Kein Anschluss: Telefonierender Künstler vor WM-kritischem Graffito

Foto: REUTERS

Ähnlich strapaziert wie das Stromnetz ist auch der Mobilfunk in Brasilien. Die 200 Millionen Einwohner teilen sich 270 Millionen Verträge, zwei Millionen davon mit Zugang zu schnellem Netz des aktuellen Standards LTE. Doch das Wachstum der vergangenen Jahre war offenbar zu schnell. Die Netzaufsicht verordnete den vier großen Mobilfunkanbietern vor zwei Jahren bereits eine Pause beim Werben um neue Verträge. Denn die in einem harten Preiskampf konkurrierenden Firmen, von denen drei auch noch krisengeplagte südeuropäische Muttergesellschaften haben, kommen mit Investitionen nicht hinterher.

Die "New York Times" warnt vor einem Chaos während der WM. Gerade in den Stadien, wo die Funktechnik der vierten Generation sich besonders beweisen soll, dürfte eine große Zahl von Zuschauern, die Selfies ins Netz stellen wollen, schon für einen Zusammenbruch der Verbindungen sorgen.

Sicherheit der WM ist teuer, aber Airbus entgeht Milliardenauftrag

Martialischer Auftritt: Sondereinheit der Polizei in einer Favela von Rio de Janeiro

Martialischer Auftritt: Sondereinheit der Polizei in einer Favela von Rio de Janeiro

Foto: Antonio Lacerda/ dpa

Das größte Versprechen zur Weltmeisterschaft hieß sozialer Frieden. Zumindest in den Metropolen Rio de Janeiro und São Paulo sind Gewalt und Kriminalität auch deutlich zurückgegangen, im internationalen Vergleich aber immer noch auf einem erschreckend hohen Niveau.

Gerade im Kampf mit den Drogenbanden hat die Polizei kräftig aufgerüstet und manche Kartelle auch zerschlagen, während zugleich die Städte mit sozialen Diensten versuchten, die Favelas als Nährboden der Banden zu befrieden. Doch immer wieder flammen Kämpfe auf, manche Bewohner der Armenviertel sehnen sich nach der Fürsorge der Kriminellen. Zu groß ist immer noch die Kluft zwischen Arm und Reich im Land, um wirklichen Frieden zu ermöglichen.

Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern Airbus  hatte sich auch von der WM lukrative Aufträge erhofft. Beim vorigen Turnier in Südafrika 2010 sorgten die Europäer mit für die Sicherheit der Veranstaltung. Doch diesmal kamen sie nicht zum Zug.

Ein Joint-Venture der Airbus-Rüstungssparte Cassidian mit dem brasilianischen Baukonzern Odebrecht wurde Anfang 2013 aufgelöst. Ein Sechs-Milliarden-Dollar-Vertrag zur Grenzsicherung ging an den heimischen Wettbewerber Embraer.

Deutsche Firmen sorgen für Sicherheit - auf dem Spielfeld

Goalcontrol: Torlinientechnik aus Würselen

Goalcontrol: Torlinientechnik aus Würselen

Foto: REUTERS

Näher am Fußball verzeichnet die deutsche Wirtschaft aber durchaus Erfolge. Der Mittelständler Goalcontrol aus Würselen nahe Aachen kann seine Torlinientechnik wie schon zum Confederations Cup 2013 unter Beweis stellen. Die Geräte messen, ob der Spielball Brazuca - geliefert von Fifa-Hauptsponsor Adidas  - hinter der Linie landet. Die Schweriner Firma Airsense hilft mit Robotern, die in den Stadien giftige Gase aufspüren.

Deutsche Kompetenz für die teuersten und überflüssigsten Bauten des Turniers

Deutsches Dach: Arena da Amazônia in Manaus

Deutsches Dach: Arena da Amazônia in Manaus

Foto: Marcus Brandt/ dpa

Ein Versprechen haben die Organisatoren gehalten, und zwar da, worauf es für die WM wirklich ankommt: Alle zwölf Stadien wurden vor dem Turnier fertig, wenn auch nicht unbedingt fristgerecht, zum Teil zu deutlich gestiegenen Kosten und auch mit einigen Todesopfern während der Bauarbeiten.

Die Bauten kosteten rund 7,7 Milliarden Real (2,5 Milliarden Euro) und lieferten damit den Hauptanlass für Massenproteste gegen die WM. Trotz der hohen Summe konnten deutsche Firmen nicht im großen Stil profitieren. Die Baukonsortien wurden meist von den heimischen Konzernen wie Andrade Gutierrez oder Odebrecht geführt.

"Die brasilianische Bauindustrie ist groß und gut aufgestellt", erklärt BDI-Mann Haddad dazu. "Was sie nicht hat, ist Erfahrung mit der Planung und dem Bau von Stadien, die Fifa-Anforderungen entsprechen." So konnten sich beispielsweise das Ingenieurbüro Schlaich Bergermann und Partner sowie das Architekturbüro Gerkan, Marg und Partner (bekannt vom Berliner Flughafen) in mehrere Stadionbauten einbringen.

Einige dieser Werke werden es jedoch besonders schwer haben, das Versprechen einer nachhaltigen WM zu erfüllen. Beide deutsche Firmen arbeiteten mit an den Stadien in Brasília und Manaus. Das Nationalstadion von Brasília ist mit 1,8 Milliarden Real (570 Millionen Euro) der teuerste Bau der WM, und der erfolgreichste Fußballverein der Hauptstadt spielt nur in der vierten Liga. Am tropischen Standort Manaus wurde die Arena mit 605 Millionen Real zwar nicht ganz so teuer. Doch dort ist überhaupt kein Proficlub mehr ansässig, dafür mussten Fans und Mannschaften zu den vier Vorrundenspielen tausende Kilometer über den Dschungel fliegen.

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