Dienstag, 22. Oktober 2019

Brasilien gegen Deutschland Der Cup der geplatzten Träume

Die Fußball-WM ist vorbei. Für die Brasilianer ist nicht nur der Traum vom Titel geplatzt. Schon vor Turnierstart wurde den Menschen viel versprochen - und wenig gehalten.

Spielort Belo Horizonte am vergangenen Donnerstag: Zwei Tote und 23 Verletzte nach Einsturz einer Brücke
Belo Horizonte - Nur fünf Kilometer trennen das Estádio Mineirão in Belo Horizonte vom Ort des größten Unglücks während der laufenden Fußball-WM. Dort starben zwei Menschen und 23 wurden verletzt, als eine neu gebaute Überführung über einer Hauptverkehrsstraße einstürzte.

Für Brasiliens Öffentlichkeit könnte der Ort, wo die Seleção im Halbfinale an Deutschland scheiterte, sinnbildlich für das Debakel der WM im eigenen Land stehen. Große Hoffnungen waren darauf gesetzt, die eigene Leistungsfähigkeit sportlich wie wirtschaftlich unter Beweis zu stellen. Schlussendlich mussten die Spieler ihr Können ohne den im Viertelfinale verletzten Superstar Neymar beweisen - das Ergebnis ist bekannt.

Die Arbeiter der örtlichen Baufirma Cowan hatten gerade die Stützen der Brücke entfernt, als das Bauwerk kollabierte. Offiziell sind noch keine Angaben zur Ursache des Unfalls bekannt, aber nicht nur der Bürgermeister spricht von Baumängeln.

Die Politik hatte den Menschen im Land versprochen, dass das Turnier auch ihnen zugute kommen sollte - unter anderem dank Investitionen in verbesserten Nahverkehr. Die Brücke war Teil einer neuen Schnellbuslinie mit eigenen Spuren. Obwohl die Bauarbeiten noch nicht abgeschlossen waren, wurde die Linie eilig zum WM-Beginn im Juni eröffnet.

Schon seit 2012 hatten staatliche Behörden und Justiz das Bauwerk untersucht. Die ursprünglich beauftragte Baufirma Delta hatte sich aus dem Projekt zurückgezogen. Korruption, überhöhte Preise und Bauverzögerungen waren die Themen - wie bei vielen anderen WM-Projekten.

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