Sonntag, 21. April 2019

Brasilien gegen Deutschland Der Cup der geplatzten Träume

4. Teil: Feiertage gegen das Verkehrsproblem - beim Karneval beklagt auch keiner den Stau

"Goldene Linie" in São Paulo: Gebaut wird noch, aber nicht mehr für die WM
Sinnbildlich für die großen Pläne in São Paulo steht die Liniennummer 17 des aktuellen Bauvorhabens im Südwesten der Stadt. Die "Goldene Linie" soll den Stadtflughafen Congonhas mit dem Nobelviertel Morumbi und dem dortigen Stadion verbinden - als Einschienenbahn. Im Vergleich zu einer herkömmlichen Metro soll das Platz sparen, durch den Wegfall von Grundstücksenteignungen auch Zeit und Geld.

Pünktlich zur WM wird die 3,1 Milliarden Real (eine Milliarde Euro) teure Linie trotzdem nicht fertig. Nachdem sich die Baugenehmigung verzögert hatte, wurde klar, dass die Fifa das Morumbi-Stadion ohnehin nicht als WM-Spielstätte akzeptiert. Daher flog die Stelzenbahn, bis dahin das teuerste dort verzeichnete Projekt, aus dem von Brasilien und Fifa vereinbarten Rahmenplan für WM-Investitionen. Stattdessen bekam São Paulo den Ausbau von Straßen rund um die Corinthians-Arena, die schon einen Metro-Anschluss hat. Schöner Nebeneffekt: Die Rechnung sank auf 318 Millionen Real.

Eine Monorail wie São Paulo wollte auch die Amazonas-Metropole Manaus, um aus Anlass der WM erstmals überhaupt ein Schienenverkehrsmittel zu bekommen. Doch ein Bundesgericht stoppte den Bau im vergangenen Oktober wegen Fehlern bei der Auftragsvergabe, Gefahr für das historische Erbe der Stadt und allgemein fehlender Realisierungschancen des Projekts.

Macht nichts, befand Omar Aziz, Gouverneur des Staats Amazonas. 42.000 Zuschauer, die in die neu gebaute Arena passen, seien keine größere Herausforderung als die Menge im Sambodrom zum Karneval. "Da gehen die Leute mal ein Stück, bleiben dann wieder stehen, und niemand beschwert sich über mangelnde Mobilität." Die Stadt solle die Spieltage einfach zu Feiertagen erklären, dann gebe es kein Verkehrsproblem.

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung