Dienstag, 20. August 2019

Brasilien gegen Deutschland Der Cup der geplatzten Träume

3. Teil: Nicht nur Siemens hat Ärger mit der Metro von São Paulo

Rush Hour in São Paulo: Wer es sich leisten kann, nimmt den Helikopter

"Vielversprechende Zukunftsprojekte für den Ausbau und die Modernisierung der Infrastruktur sind in der Planung", beharrt Rafael Haddad, Geschäftsführer des BDI Brazil Board - WM-Termin hin oder her. Dass nun die Gelegenheit verstrichen ist, die Pläne zu verwirklichen, glaube er nicht. "Um Brasiliens Wettbewerbsfähigkeit sicherzustellen, müssen sie jetzt umgesetzt werden."

Eines der größten Probleme des Landes, das ist kein Geheimnis, liegt im Stadtverkehr. Die öffentlichen Bahnnetze, soweit es in den Millionenstädten überhaupt welche gibt, sind kaum leistungsfähig. Die Rush Hour von São Paulo zählt zu den schlimmsten der Welt. Wer es sich leisten kann, nimmt den privaten Helikopter. Deshalb rühmt sich die Stadt des weltgrößten Hubschraubervorkommens.

Bürger stecken im Stau, Behörden im Sumpf der Korruption

Doch die Masse der Normalverdiener wie auch der WM-Besucher wird ohne U-Bahnen nicht zu bewegen sein. Das Netz der 20-Millionen-Stadt misst gerade einmal 74 Kilometer. Die 2010 eröffnete vollautomatische Linie 4 mit privatem Betreiber zählt schon zu den Erfolgsgeschichten des Ausbaus.

Doch Siemens Börsen-Chart zeigen wird nicht gern daran erinnert. Ein früherer Mitarbeiter informierte das brasilianische Kartellamt über Preisabsprachen mit anderen Lieferanten und Bestechung bei der Auftragsvergabe. Der Korruptions- und Kartellskandal beschäftigt den deutschen Konzern seit Jahren. Nach bisherigem Stand ist er für fünf Jahre von öffentlichen Aufträgen in Brasilien ausgeschlossen. Das spricht auch gegen den ICE-Export.

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