Dienstag, 16. Juli 2019

Brasilien gegen Deutschland Der Cup der geplatzten Träume

2. Teil: Niemand will den Superzug bauen

Exporthoffnung: Siemens würde den ICE gern auch in Brasilien fahren lassen
Hamburg - Brasilien wartet auf seinen Superzug. Der "trem-bala", der Pistolenzug zwischen den Metropolen Rio de Janeiro und São Paulo, soll kommen. Eine Ausschreibung ist für die zweite Jahreshälfte geplant. Doch es wäre nicht die erste. Das Projekt wurde früher in Zusammenhang mit der nun beginnenden Fußball-Weltmeisterschaft genannt. Ein erster Versuch ging 2011 schief, weil sich keine Firma um den Bau der ersten brasilianischen Hochgeschwindigkeitsstrecke bewarb.

Der Staat hatte bei der Ausschreibung vor allem die Ticketpreise im Blick, für einen billigen Bau waren die internationalen Konzerne aber nicht zu haben. Eine weitere Auktion wurde 2013 abgesagt, weil sich nur ein Bewerber fand. Verkehrsminister Cesar Borges will jetzt die Bedingungen nachbessern, um das Interesse von Siemens Börsen-Chart zeigen, Alstom und Co. zu wecken.

Ringen um den Schnellzug zwischen Rio und São Paulo

Dabei war es einmal umgekehrt. Als Brasiliens damaliger Präsident Lula da Silva mit seiner Nachfolgerin Dilma Rousseff 2009 zum Staatsbesuch nach Deutschland kam, chauffierten der damalige Siemens-Chef Peter Löscher und dessen Bahn-Kollege Rüdiger Grube die beiden im Sonder-ICE durchs Land. Die Chancen deutscher Bahntechnik für den Zehn-Milliarden-Euro-Auftrag galten als groß. Sogar die Magnetschwebebahn Transrapid brachten Konzerne und Berliner Politiker unter Verweis auf Brasilien wieder ins Spiel.

Die Bahn war das Vorzeigeprojekt einer Initiative namens "Win-Win 2014/2016" des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), die der deutschen Wirtschaft einen großen Anteil an Investitionen über 200 Milliarden Euro im Zug der brasilianischen Großereignisse Fußball-WM und Olympia versprach.

Das war eine andere Zeit. Brasilien wurde bewundert, weil es leichtfüßig aus der Weltwirtschaftskrise kam. Als Rohstoffgroßmacht und gewaltiger Konsummarkt hatte sich das Schwellenland schon etabliert. Jetzt sollten die Sportevents helfen, den Investitionsrückstand in der maroden Infrastruktur aufzuholen, so die Erwartung.

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung