Donnerstag, 14. November 2019

Brasilien gegen Deutschland Der Cup der geplatzten Träume

13. Teil: Deutsche Kompetenz für die teuersten und überflüssigsten Bauten des Turniers

Deutsches Dach: Arena da Amazônia in Manaus
Ein Versprechen haben die Organisatoren gehalten, und zwar da, worauf es für die WM wirklich ankommt: Alle zwölf Stadien wurden vor dem Turnier fertig, wenn auch nicht unbedingt fristgerecht, zum Teil zu deutlich gestiegenen Kosten und auch mit einigen Todesopfern während der Bauarbeiten.

Die Bauten kosteten rund 7,7 Milliarden Real (2,5 Milliarden Euro) und lieferten damit den Hauptanlass für Massenproteste gegen die WM. Trotz der hohen Summe konnten deutsche Firmen nicht im großen Stil profitieren. Die Baukonsortien wurden meist von den heimischen Konzernen wie Andrade Gutierrez oder Odebrecht geführt.

"Die brasilianische Bauindustrie ist groß und gut aufgestellt", erklärt BDI-Mann Haddad dazu. "Was sie nicht hat, ist Erfahrung mit der Planung und dem Bau von Stadien, die Fifa-Anforderungen entsprechen." So konnten sich beispielsweise das Ingenieurbüro Schlaich Bergermann und Partner sowie das Architekturbüro Gerkan, Marg und Partner (bekannt vom Berliner Flughafen) in mehrere Stadionbauten einbringen.

Einige dieser Werke werden es jedoch besonders schwer haben, das Versprechen einer nachhaltigen WM zu erfüllen. Beide deutsche Firmen arbeiteten mit an den Stadien in Brasília und Manaus. Das Nationalstadion von Brasília ist mit 1,8 Milliarden Real (570 Millionen Euro) der teuerste Bau der WM, und der erfolgreichste Fußballverein der Hauptstadt spielt nur in der vierten Liga. Am tropischen Standort Manaus wurde die Arena mit 605 Millionen Real zwar nicht ganz so teuer. Doch dort ist überhaupt kein Proficlub mehr ansässig, dafür mussten Fans und Mannschaften zu den vier Vorrundenspielen tausende Kilometer über den Dschungel fliegen.

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