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Freistoß-Spray: Endlich eine klare Linie

Foto: Elsa/ Getty Images

Freistoß-Spray bei der WM Das Geheimnis des Schiri-Schaums

Die Schiedsrichter sprühen bei dieser WM zum ersten Mal. Der Argentinier Pablo Silva hat das Freistoß-Spray entwickelt. Die Fifa ist von der Neuerung überzeugt. Kommt der Schaum jetzt auch nach Deutschland?

Hamburg - In der Bundesliga müssen die Schiedsrichter ohne technische Hilfsmittel auskommen, bei der WM hingegen wird den Unparteiischen geholfen. Die Frage, ob der Ball im Tor war oder nicht, wird durch die Torlinientechnologie geklärt. Im Eröffnungsspiel gab es eine solch strittige Szene noch nicht - auch wenn die internationale TV-Regie beim ersten Treffer demonstrierte, dass die Technik sehr wohl funktionierte.

Wesentlich öfter kam ein zweites Hilfsmittel zum Einsatz: das Freistoß-Spray. Schiedsrichter Yuichi Nishimura zog mehrfach Linien , um den Abstand der Mauer von 9,15 Metern deutlich erkennbar zu machen. Doch was ist dieses Spray eigentlich?

Laut dem argentinischen Hersteller ist es eine "Flüssiggas-Substanz, biologisch abbaubar und harmlos für den Rasen". Es ist eine Art Rasierschaum, der nach 45 bis 120 Sekunden wieder verschwindet. Konzipiert hat das Spray der Argentinier Pablo Silva. Angeblich hatte er sich als Amateurfußballer so sehr darüber geärgert, dass die Mauer bis auf fünf Meter herantippelte und er einen Freistoß nicht richtig ausführen konnte, dass er das Spray entwickelte.

Auf Fifa-Ebene wurde das Spray mit dem Namen "915 Fair Play Limit" im vergangenen Jahr bei der U20-WM und auch bei der Klub-WM  getestet. In Südamerika wird es schon länger eingesetzt, sogar bei der Copa Libertadores, dem südamerikanischen Pendant zur Champions League. Mit dem Spray ist klar erkennbar, wenn Spieler vor einem Freistoß zu nah an den Ball heranrücken. Die Schiedsrichter tragen die kleine Dose (147 Milliliter Inhalt) am Hosenbund. Vor jedem Gebrauch schütteln die Referees die Dose, markieren den Abstand der Mauer und ziehen eine Linie vor den Ball - schließlich sollen sich auch die Schützen keinen regelwidrigen Vorteil verschaffen können.

Freistoß-Spray wird nicht in die Bundesliga kommen

Das Freistoß-Spray soll helfen, Diskussionen um den Abstand zu verhindern und die Einhaltung zu gewährleisten. Die Erfahrung hat gezeigt, dass sich die Profis an die Linie halten. Also alles gut? Nein, denn bei der Klub-WM gab es Kritik an dem Spray, weil dadurch angeblich das Ausführen von Freistößen verzögert werde.

Schiedsrichter und Funktionäre scheinen zudem zu fürchten, dass die Unparteiischen an Autorität einbüßen. Tatsächlich wirkt es manchmal ungewollt komisch, wenn sich die Referees direkt vor den Spielern bücken, um dann die Linien zu ziehen. Oder aber über die Fußspitzen der Spieler malen - wie im Eröffnungsspiel über den Schuh von Brasiliens Luiz Gustavo.

Der deutsche WM-Schiedsrichter Felix Brych hält sich mit seiner Meinung zum Spray noch zurück: "Ob es gut ist, das werden wir dann im Spiel sehen." Massimo Busacca, Leiter der Fifa-Schiedsrichterabteilung, nennt es ein "wichtiges Hilfsmittel für die Schiedsrichter".

In Deutschland wird es in absehbarer Zeit trotz der Fifa-Lorbeeren nicht eingeführt werden. "Ehrlich gesagt kann ich den Sinn des Freistoßsprays nicht erkennen. Ich sehe aus fachlicher Sicht auch keine Notwendigkeit, dies in Deutschland einzusetzen", sagte der Vorsitzende des DFB-Schiedsrichterausschusses, Herbert Fandel, bereits im Januar: "Wir haben kein Problem mit der Mauerstellung." Stattdessen setzt der DFB darauf, dass die Unparteiischen mit ihrer Persönlichkeit und Autorität dafür sorgen, dass die Abstände korrekt eingehalten werden.

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