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Wassersportmesse: Alles im Lot auf der Boot

Foto: Rolf Vennenbernd/ dpa

Wassersportmesse Boot macht erfinderisch

Auf der Wassersportmesse "Boot" zeigt die Branche ihre Neuheiten: von Luxusjachten bis hin zu faltbaren Segelbooten. Trendsportarten sollen vor allem die Jugend begeistern - denn der Wassersport hat ein Nachwuchsproblem.

Düsseldorf - Diese Prinzessin ist 30 Meter lang, 95 Tonnen schwer und 6,75 Millionen Euro teuer. Die größte Jacht auf der Wassersportmesse Boot ist auf dem Weg zu ihrem Besitzer, einem Osteuropäer, und macht einen Zwischenstopp in Düsseldorf. Die Halle für die Luxusschiffe ist in diesem Jahr wieder voller geworden. Bill Barrow, Verkaufsmanager der britischen Princess Werft, berichtet, dass die Jachten in der Luxusklasse tendenziell größer werden. "Es gibt Leute, die haben viel Geld, und sie wollen Luxus", sagt er. Und diese Klientel komme nach Düsseldorf, zunehmend auch aus Ländern wie China oder aus Südamerika.

Das größte Schiff auf der Messe ist Luxus pur: Teppiche zum Versinken, allerfeinste Möbel in braun und natur, Gästezimmer mit eigenem Bad und ein Oberdeck mit großer Bar und Platz für eine ganze Abendgesellschaft. Nicht alle Luxusjachten sind zur Besichtigung frei für die knapp eine Viertelmillion erwarteten Besucher. 50.000 Gäste reisen aus dem Ausland an, erfahrungsgemäß ist das eine betuchte Kundschaft.

Auf der Boot werden bis Sonntag 1700 Schiffe gezeigt - vom kleinen Anfängermodell bis zur 30-Meter-Jacht. Insgesamt präsentieren sich 1650 Hersteller, erwartet werden knapp eine Viertelmillion Besucher. Die Besucher können an mehreren Wasserbecken selbst Tauchen, Wakeboarden, Paddeln und Angeln ausprobieren.

Viel Platz ist auch dem neuen führerscheinfreien Bootfahren gewidmet. Dort werden Schiffe für Motoren bis 15 PS gezeigt und Tipps dazu gegeben. Die Wassersportwirtschaft verspricht sich von den erleichterten Regeln mehr Nachwuchs für das Hobby. Denn die deutschen Freizeitkapitäne sind im Schnitt 56 Jahre alt und auch ihre Boote sind in die Jahre gekommen. Entsprechend steht die Werterhaltung vorhandener Boote hoch im Kurs. Davon profitiert der Ausrüstungsmarkt. Allein 360 Hersteller zeigen ihre Angebote, um Boote aufzufrischen oder komfortabler auszustatten, etwa Motoren, Elektronik, Zubehör und Einrichtung.

Mit Jetlev-Flyern übers Wasser sausen

Eine andere Neuheit, ein Segelboot, kann komplett zerlegt werden und passt in ein Auto. Ursprünglich war das Modell als Beiboot konstruiert, berichtet Bruno Maitre vom französischen Hersteller Nautiraid. "Die Kundschaft hat gefragt, ob wir das auch mit Segeln haben", erzählt Maitre. Das Faltsegelboot hat ein Innenleben aus Esche, ein Holz, das für den Zweck besonders geeignet ist. Immerhin passen zwei Erwachsene und zwei Kinder in den 6000-Euro-Segler.

Etwa 60 Neuheiten präsentiert die Boot. Dazu gehört eine Tauchausrüstung, die speziell für Frauen entworfen ist. Immerhin stellt die Damenwelt ein gutes Drittel der Unterwasserfangemeinde. Nun gibt es Anzüge, Füßlinge und Kopfhauben, die speziell für die weibliche Anatomie zugeschnitten sind. Schutzkappen verhindern, dass die Haare sich im Maskenverschluss verhaken.

Mitmachen und Ausprobieren spielen eine große Rolle. Bei den Sportfischern können Besucher fühlen, wie es ist, einen dicken Fisch an der Angel zu haben. Siegfried George hat in der Halle 12 einen Simulator aufgestellt. Die Kilos könne man einstellen, sagt der Mann aus Bielefeld, der eigentlich Angelboote baut. Ein paar Meter weiter windet sich ein künstlicher Bach durch die Halle, zum Testen von Ruten und Ködern. Immerhin gibt es etwa eine Million Angler in Deutschland, und noch mehr werfen hin und wieder den Haken aus.

Wie James Bond fühlen kann man sich bei dem Jetlev-Flyer. Mit dem auf dem Rücken geschnallten Gerät katapultiert ein gewaltiger Wasserdruck den Träger in die Höhe, ein Schlauch liefert das Wasser. Motoren mit bis zu 260 PS machen es möglich. Allerdings, ausprobieren kann man das Fliegen über den Wellen in den Messehallen nicht. Dafür muss man dann doch aufs richtige Wasser.

Stehend paddeln voll im Trend

Besonders umlagert ist das Wasserbecken des Trendsports. Carsten Kurmis hält elegant das Gleichgewicht auf dem Brett und kurvt gleichzeitig im Becken umher. Allerdings ist der braun gebrannte 44-jährige Münchner auch Deutscher Sprintmeister im Stand-up-Paddling, kurz SUP. In den vergangenen Jahren hat dieser kibbelige Trendsport immer mehr Anhänger gefunden. Dabei steht man aufrecht auf einer Art Surfbrett und benutzt ein langes Stechpaddel zum Fortbewegen. Etwa 5000 Stehpaddler gebe es derzeit in Deutschland, schätzt Kurmis und lobt das "Ganzkörper-Workout".

Für SUP ist ein 50 Meter langes türkisblaues Becken mit geheiztem Wasser in der brechend vollen Trendsporthalle aufgebaut. Neugierige können sich vor aller Augen auf die Bretter wagen. Robert Marx, Präsident des Verbandes der Wassersportwirtschaft, ist davon begeistert. Es gehe darum, ein Das-will-ich-auch-Gefühl zu wecken, meint er und hat den ersehnten Nachwuchs im Sinn.

Der Andrang gibt ihm recht: In einem großem Aquarium tollen Taucher, vor der Paddelbahn warten Besucher geduldig auf freie Boote. Angler versuchen sich an einem kleinen Flusslauf. Bei den Skimboardern schliddern Jungs mit Helmen auf dem Kopf über eine riesige Pfütze.

Wakeboarder lassen sich von einer Seilwinde übers Wasser ziehen, es ähnelt Wasserski. Wer will, bekommt zur Not eine Badehose geliehen. Draußen ist Winter, aber in der Messehalle sitzen am Beckenrand an die 20 Kinder und Erwachsene in Badezeug und warten geduldig auf ihren Versuch. Dabei fallen die neuen Trendsportler allesamt ins Wasser. Aber vor allem Kinder können sich bald auf dem kurzen Brett halten und gleiten stolz zurück - die Eltern, mit den Anziehsachen über dem Arm, schauen am Beckenrand zu.

Für das Gefühl von Urlaub sorgen in diesem Teil der Messe Strandhütten statt der üblichen Stände. Als Bar dient ein Schiff. Palmen, orange Stühle und spanisches Bier erinnern an den Sommer. "Stand-up-Paddling ist die am schnellsten wachsende Trendsportart", sagt Moderatorin Kristina Gräler. Es sei für jeden Mann und jede Frau geeignet. Den Neulingen, die dabei trotzdem baden gehen, wird geholfen. "Wir haben am Ende ein Handtuch für euch."

Ulrike Hofsähs, dpa
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