Montag, 23. September 2019

Faulheit Nicht alles auf den "Schweinehund" schieben!

Bloß nicht sitzenbleiben: Experten warnen davor, träge zu werden - geistig wie körperlich
Getty Images
Bloß nicht sitzenbleiben: Experten warnen davor, träge zu werden - geistig wie körperlich

Der Schweinehund sitzt mit auf dem Sofa und hindert die Menschen daran, Sport zu machen oder sich auch beruflich zu engagieren. Alles also die Schuld vom Schweinehund? Nein, ruft der Berater Slatco Sterzenbach.

mm: Wie kann "Jedermann" den Schweinehund besiegen - sei es sportlich, sei es beim beruflichen Fortkommen?

Sterzenbach: Ich halte nichts von dem Begriff "Schweinehund", denn damit schieben wir unbewusst unsere Verantwortung leichtfertig auf ein externes "Tier", welches eher das Gefühl auslöst, man könne ja nichts ändern.

Grundsätzlich entscheiden wir unbewusst und emotional immer so, dass es uns ein besseres Gefühl verschafft. Dabei trifft unser Gehirn eine Entscheidung zwischen Schmerz und Freude. Wenn ich also abends auf dem Sofa sitze und beim Fernsehen ein Bier trinke, dann verschafft mir das kurzfristig ein gutes Gefühl, also Freude. Ein bisschen Schokolade steigert dann noch mehr den Serotonin-Spiegel. Langfristig kann dadurch Schmerz durch Übergewicht, Herz-Kreislauf-Probleme und dem Ekel vor sich selbst entstehen. Doch das liegt in weiter Ferne.

mm: Und das heißt konkret…?

Sterzenbach: Den "Schweinehund" besiegen können wir nur, wenn wir uns zum einen Zeit für diese Thematik nehmen und uns emotional in den langfristigen Schmerz hineinversetzten. Wenn wir uns mit allen Sinnen die schmerzhaften Konsequenzen unseres momentanen Verhaltens vorstellen. Und umgekehrt ist es sehr kraftvoll, wenn wir uns auf die positiven Konsequenzen der neuen, erwünschten Gewohnheiten konzentrieren: leichter die Treppen hochkommen, mehr Anerkennung und Lob vom anderen Geschlecht, ein schlankeres Bild im Spiegel und so weiter. Dies würde Realität werden, wenn wir das momentan "schmerzvolle" Verhalten zu einer neuen Gewohnheit werden lassen: zum Beispiel direkt nach der Arbeit ins Fitness-Studio zu gehen oder eine kleine Runde durch den Park zu walken oder joggen. Damit erarbeiten wir uns dann das Serotonin für ein besseres Gefühl. Verantwortung übernehmen und zukunftsorientiertes Denken ist also der erste Schritt.

Der zweite Schritt liegt in der Planung des WIE. Entwickeln Sie sich einen Fahrplan. Zu welcher Uhrzeit werde ich Sport treiben? Welche Sportart macht mir am meisten Spaß beziehungsweise bringt mich meinem Ziel am schnellsten näher? Mit wem könnte ich den Sport zusammen machen? Kollege? Nachbar? Personal Trainer? Jetzt geht es also in die individuelle Planung. Für den langfristigen Erfolg ist dabei die Dokumentation sehr wichtig. Schreiben Sie Ihre Erfolge auf, die zurückgelegten Kilometer, die Abnahme des Körperfettanteils und so weiter. Oder im Job, die Anzahl der Fachbücher, die Sie im Monat gelesen haben: Schreiben Sie Zusammenfassungen dieser Fachbücher. Die Motivation erhöhen können wir dadurch, indem wir vielen von unserem neuen Vorhaben erzählen. Der externe Druck ist hervorragend, wenn wir einmal die Motivation verlieren. "Na, machst du immer noch Sport oder schon aufgehört?" Der eigene Stolz beziehungsweise das Ego ist ein sehr starker Motivator.

mm: Wie nachhaltig ist ein Beschluss in dieser Richtung?

Sterzenbach: Das hängt davon ab, wie weit die neuen Gewohnheiten zu den eigenen Werten, Stärken und Überzeugungen passen. Ein Verkäufer, der Rechtschaffenheit, Ehrlichkeit und Integrität als wichtigste Werte hat, wird sich nie nachhaltig für einen Verkauf von Produkten motivieren können, die wissentlich dem Kunden schaden. Ein häufiges Thema bei Banken und Versicherungen.

Ein Mann mit kräftigem Körperbau wäre eher für ein Krafttraining als für ein Joggen zu motivieren, weil sich die Erfolgserlebnisse schneller einstellen. Und ein Mensch, der die innere Überzeugung beziehungsweise den Glaubenssatz hat, das Geld den Charakter verdirbt, wird nie zu mehr Arbeit und mehr Erfolg nachhaltig motiviert sein - geschweige denn finanzielle Unabhängigkeit erreichen, denn er wird sich selbst immer wieder in Situationen bringen, die ihn davor "schützen", zu viel Geld zu haben.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung