Talente in Unternehmen Der ewige Kampf

Die besten Mitarbeiter zu finden und zu halten; das ist weit mehr als das Winken mit hohem Gehalt oder eindrucksvollem Titel. Gerade Mittelständler können dabei punkten - sagen zumindest Torsten Schumacher und Markus Baumanns von der Unternehmensberatung Schumacher & Baumanns..
Von Arne Gottschalck
Harte Arbeit: Talente aufspüren

Harte Arbeit: Talente aufspüren

Foto: Patrick Seeger/ picture alliance / dpa

mm: Hand aufs Herz, die Herren - wird das Thema "Kampf um Talente" nicht übertrieben?

Schumacher: Definitiv nicht. Es ist schon heute einer der wichtigsten Engpässe für die meisten Unternehmen. Weniger als 30 Prozent aller europäischen Unternehmen sind von Anzahl und Qualität der Nachwuchsfach und -führungskräfte in ihren eigenen Reihen überzeugt. Demographische Faktoren und die viel zu schleppend verlaufende Integration von internationalen Top-Arbeitskräften werden diesen Trend in den kommenden Jahren verschärfen. Wir erleben eine der Auswirkungen dieses Befunds jeden Tag: Die kritischen und strategischen Themen sind auf viel zu wenige fähige Schultern verteilt.

mm: Ist Geld nicht das universale Lockmittel?

Baumanns: Es ist wissenschaftlich zig-fach belegt, dass die Besten im Geld keinen Motivator sehen. Schlechte Bezahlung wirkt sich negativ aus, aber der Umkehrschluss gilt eben nicht. Für die Besten der Generationen Y und Z werden Geld und Status noch unwichtiger. Was zählt, sind spannende Projekte voller Sinn, Chancen der persönlichen Weiterentwicklung und flexible Arbeitsmodelle. Das hat eine gerade erschienene Studie der Stiftung Neue Verantwortung eindeutig belegt, an der wir mitgewirkt haben.

mm: Wie sollen Mittelständler da mithalten?

Schumacher: Nicht nur mithalten, sondern einen unschätzbaren Wettbewerbsvorteil aktiver nach außen tragen: weniger Bürokratie, schnellere Entscheidungen, persönlicheres Umfeld, keine Überreglementierung, Sinnhaftigkeit des Produktes, das wir verkaufen. Genau wegen dieser Punkte gibt es ja seit einigen Jahren eine "Flucht aus Konzernen". Dort wird von "Unternehmertum im Unternehmen" gefaselt und gleichzeitig muss jede mittlere Ausgabe von drei Vorgesetzten abgesegnet werden. Die Folgen: Leistungsträger wandern ab zu mittelständischen Unternehmen - oder in die Selbständigkeit - und der Rest schwankt zwischen innerer Kündigung und Zynismus.

mm: Wie können Aufgaben locken?

Schumacher: Mögliche Aufgaben konkret und anfassbar im Auswahlverfahren vorstellen - und zwar idealerweise von denjenigen, die in den letzten sechs bis zwölf Monaten neu ins Unternehmen gekommen sind. Sie sind die glaubwürdigsten Botschafter und nicht der Senior Vice President HR.

mm: Wie definieren Sie eigentlich den Begriff "Talent"?

Baumanns: Talente sind nach unserer Lesart - und eigener praktischer Führungserfahrung - Menschen, die notorisch neugierig sind. Sie sind leistungsorientiert und denken übergreifend, das bedeutet, über thematische Grenzen/Disziplinen hinweg. Sie wollen Verantwortung und verfügen über hohe soziale und kommunikative Fähigkeiten.

mm: Und wie halte ich diese Talente?

Baumanns: Ein weites Feld. Die wichtigsten drei Zutaten: Erstens, regelmäßig professionelles Feedback geben. Es gibt keinen besseren Weg, um kontinuierlich zu lernen. Zweitens, von Zeit zu Zeit die gegenseitigen Erwartungen abgleichen. Und drittens, an den entscheidenden Stellen Wertschätzung zeigen. Der Wunsch danach ist in keinem Kulturkreis so hoch wie in Deutschland. Also: Gute Führung bindet - nicht Geld..

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