Unternehmergeist Entfesseln statt Fesseln

Routine tötet die Kreativität in Unternehmen - und damit den Unternehmergeist. Schluss damit, fordert Unternehmensberater Daniel Ewers im Interview.
Von Arne Gottschalck
Freiheit: Den Unternehmergeist zu entfesseln, sei keine einfache Aufgabe - aber es lohnt sich, findet Daniel Ewers, der als Unternehmensberater für das Unternehmen Angriffslust arbeitet

Freiheit: Den Unternehmergeist zu entfesseln, sei keine einfache Aufgabe - aber es lohnt sich, findet Daniel Ewers, der als Unternehmensberater für das Unternehmen Angriffslust arbeitet

Foto: Uwe Anspach/ picture alliance / dpa

mm: Unternehmergeist - gibt es so etwas wie eine Veranlagung zum Unternehmertum?

Ewers: Ich glaube, dass in vielen Menschen der Unternehmergeist schlummert. Immer mehr Menschen entdecken den Reiz unternehmerischen Denken und Handelns: Eigene Vorstellungen zu entwickeln und umzusetzen. Der Unternehmergeist in ihnen wird geweckt und sie beginnen, die Dinge selber in die Hand zu nehmen - es selber anzupacken.

mm: Warum wird der Unternehmergeist immer wieder verschüttet? Führungskräfte sind doch die Einzigen, die den strukturellen Rahmen definieren können. Warum verzetteln sie sich ständig?

Ewers: Wir bei Angriffslust machen leider häufig die Erfahrung, dass auch die Führungskräfte, die sehr unternehmerisch denken, immer öfter in komplexer werdenden Strukturen gefangen sind. Sie werden beengt von zu bürokratischen, starren Prozessen und sind häufig viel zu sehr ins operative Tagesgeschäft eingebunden. So kommen die wirklich wichtigen Aufgaben hinter den dringenden häufig zu kurz, und das operative Tagesgeschäft bestimmt mehr als 90 Prozent der persönlichen Arbeitszeit. Da bleibt oftmals wenig bis kein Raum für strategisch wichtige Überlegungen und eine der wichtigsten unternehmerischen Grundtugenden: Das eigene Handeln lustvoll zu hinterfragen und aktiv neue Chancen für das Unternehmen zu suchen.

mm: Blicken wir einmal auf den populären Fußball - war die Schaffung eines Nationalmannschaftsmanagers so ein Befreiungsschlag, der Löw den Kopf frei macht?

Ewers: Oliver Bierhoff ist 2004 als Manager der deutschen Nationalmannschaft installiert worden und der DFB folgte damit in erster Linie einer Entwicklung im Fußball, die Jürgen Klinsmann von den erfolgreichen Clubs übernommen hat. Im Kern geht es hierbei um die Installierung eines Kompetenzteams und somit die Fokussierung auf Fachbereiche. Das Gegenmodel dazu wäre das Konzept von Felix Magath.

In dieser Form ist es sicherlich eine Umstrukturierung, um den komplexeren Aufgaben, Kompetenzfeldern, Abläufen und Strukturen gerecht zu werden und um diese optimal einzusetzen...bei unserer Betrachtung, gibt es sicherlich noch einige Befreiungspotenziale für den DFB und innovatives Fußball-Management.

mm: Kann man so einen Befreiungsschlag lernen? Und vor allem - wie nachhaltig ist das?

Ewers: Ich glaube nicht, dass es viel zu lernen gibt. Unternehmer und Führungskräfte wissen sehr genau um die Bedeutung strategischer Überlegungen für den Erfolg des Unternehmens. Wir sind aber auch realistisch genug zu erkennen, dass es vielen Führungskräften in Zeiten schlanker Führungsstrukturen gar nicht möglich ist, sich im aktuellen Tagesgeschäft den nötigen Freiraum für diese wichtigen Überlegungen zu verschaffen. Genau dort setzen wir mit unseren Konzepten an und schaffen den Unternehmern und Führungskräften den Freiraum, sich ihren wichtigen Fragestellungen zu widmen und konkrete Lösungen zu entwickeln, die dann sofort in die Umsetzung gehen. So entsteht nachhaltige Entwicklung in den Unternehmen durch die, die es am besten wissen: Die eigenen Führungskräfte.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.