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Bikes in Bildern: Mike Sinyard - ein Mann und seine Fahrradmission

Bike-Guru Mike Sinyard "Hart, das Rad neu zu erfinden"

Mike Sinyard lenkt seit gut vier Jahrzehnten den Fahradhersteller Specialized. Wie er den künftigen Kurs des Unternehmen sieht und welche Rolle eine Feuerwehrstange dabei spielt, erzählt der Kalifornier im Gespräch mit manager magazin online.
Von Arne Gottschalck

mm: Mike Sinyard, Sie sind sind seit gut 40 Jahren im Fahrradgeschäft - was hat sich geändert?

Sinyard: Es gibt vielmehr Facetten, die das Radeln entwickelt hat, zum Beispiel Downhill, Marathon, Straßenräder und so weiter. Und dieser Tage fahren auch viel mehr Frauen Fahrrad. Es geht nicht mehr nur ums Fahrrad allein, sondern um die unterschiedlichen Erfahrungen damit.

mm: Langweilt Sie das nicht irgendwann?

Sinyard: Nein, überhaupt nicht, das ist immer noch ein aufregendes Geschäft. Es sitzen mehr Menschen auf Fahrrädern als je zuvor. Man muss die Einfachkeit des Radelns in das Geschäft bringen. "Keep it simple", lautet mein Motto.

mm: Ein Börsengang wäre also nichts für Sie?

Sinyard: Nein, das ist keine Option. Es würde ja bedeuten, dass ich Analysten berichten müsste und so weiter. Wir müssen gegenüber den Radfahrern ehrlich sein, also das machen, was gut für sie ist und uns nicht um Börsenkurse sorgen. Wir müssen in der Lage sein, unsere Profite zu reinvestieren, um stetig bessere Fahrräder und Ausrüstung zu bauen. Ein IPO passst da nicht rein. Ich bin im Geschäft, um Bikern zu dienen, nicht aber den Anforderungen von Investoren und den Meinungen von Analysten.

mm: Wo steht Specialized eigentlich mit Blick auf dessen Größe? Es ist weder so groß wie Giant noch so klein wie die lokalen Fahrradboutiquen.

Sinyard: Ich glaube, es geht nicht um Größe. Wir haben immer versucht zu machen, was wir für gut hielten. Und das hat uns gut getan. Ich denke vielmehr, dass es entscheidend ist, die grundlegenden Werte eines Unternehmens, einer Marke, hochzuhalten. Wenn man das nicht tut, verirrrt man sich schnell.

mm: Welche Rolle spielen Sie als Gründer dabei?

Sinyard: Eine wichtige - wie jeder bei uns. Wir habe gute Leute gewählt und zu einem guten Team geschmiedet. Ich bin dazu da, Dinge anzustoßen oder werde von meinen Kollegen inspiriert und dann bringen wir unsere Visionen zusammen voran. Aber ohne die richtigen Leute funktioniert es nicht.

mm: Und wie lange dauert es, ein Fahhrad zu entwickeln - ganz von Anfang an?

Sinyard: Nun, dank unser jahrzehnelangen Erfahrung müssen wir nicht ganz vorne anfangen. Aber es sind um die 2,5 Jahre.

mm: Ich vermute, manche Menschen werden sagen, das ist viel Zeit. Ein Rahmen, zwei Räder - ist das alles so kompliziert?

Sinyard: Ein Fahrrad ist die effizenteste Maschine der Welt. So etwas zu verbessern braucht immer Zeit - es ist hart, das Rad neu zu erfinden. Im besten Fall fahren unsere Kunden das Rad lange Jahre. Das erfordert eine solide Planung. Aber ehrlich gesagt, es klingt wirklich lang. Zumindest, wenn man auf die Kernabsicht schaut, Freude zu produzieren am Radeln, sonst nichts.

mm: Sie haben nun ein Elektro-Bike entwickelt. Widerspricht das nicht Ihrer Kultur?

Sinyard: Anfangs habe ich das auch gedacht, aber "innovate or die", ist unsere Kultur. Zwar sind die Zielkunden älter und ich glaubte nicht, dass so ein Fahrrad aufregend sein kann. Aber mein Team überzeugte mich. Und so habe ich gesagt, macht es. Aber macht es beeindruckend!

mm: Und ohne den Schuhkarton, der oftmals die Akkus dafür enthält?

Sinyard: Ha, ja, das ist gut - ohne den Schuhkarton. Es muss halt ein Specialized sein. Ich mag es.

mm: Sie haben eine Feuerwehrstange im Büro und fahren während der Arbeitszeit Fahrrad?

Sinyard: Müssen wir, weil wir sonst den Kontakt zu Kunden verlieren. Außerdem sagen die Leute, dass Albert Einstein seine Relativitätstheorie beim Radeln ersonnen hat. Wir müssen sicherstellen, dass die Menschen spontan bleiben und durchatmen, runterkommen können. Nur so erzielt man gute Leistungen.

mm: In den 80er Jahren gab es eine Phase, in der Fahrräder aus der Mode waren, heute ist das anders. Haben Sie Angst, dass die 80er zurückkommen?

Sinyard: Nein. Ich glaube im Gegenteil, dass die Fahrradindustrie mindestens eine Generation lang weiter wachsen wird. Das liegt an den positiven Folgen für Umwelt und Gesundheit. Zeigen Sie mir ein Problem der Welt - und ich gebe Ihnen das Fahrrad als Teil der Lösung.

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