Mittwoch, 19. Juni 2019

Forensische Befragung "Intelligente Menschen lügen besser"

Am Zucken des Augenlids verraten: So werden im Fernsehen Lügner überführt. In der Realität es das etwas komplizierter

2. Teil: Vorteil Fernsehen?

mm: Helfen Ihnen eigentlich die entsprechenden Fernsehserien - oder sind diese ein Hinderniss?

Löw: Die Fernsehserien helfen mir bei den Buchverkäufen, da meine Bücher am Markt Alleinstellungsmerkmal haben und erzählen, wie man wirklich Betrüger überführt. Das finden viele recht spannend. Ich gewinne meine Kunden aber nicht durch Fernsehsendungen, sondern durch meinen guten Ruf am Markt. Als Senator des Bundesverbandes für Wirtschaftsförderung und Außenwirtschaft, Sachbuchautor und Mitglied der deutschen Top 100 Trainer bei Trainers Excellence habe ich mittlerweile eine gute Reputation. Mir helfen allerdings meine eigenen Auftritte und Fernsehauftritte sehr, wie beispielsweise kürzlich im WDR.

mm: Wie lange dauert es für Sie, einen Sachverhalt aufzuklären?

Löw: Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Es hängt vom individuellen Einzelfall ab. Mein Schwerpunkt ist aber die Hilfe zur Selbsthilfe. So lernen meine Kunden in meinen Seminaren in wenigen Tagen das wesentliche Handwerkszeug, um selbst Fälle erfolgreich aufzuklären. Die meisten meiner Seminare dauern zwei bis drei Tage. Besonders gerne nehmen Unternehmen die Komplettausbildung zum forensischen Befragungstaktiker im Rahmen von Inhouse-Trainings in Anspruch, weil danach die Seminarteilnehmer selbst als Multiplikatoren fungieren können und sich das für die Unternehmen sehr gut rechnet.

mm: Mit welchen Vorstellungen wendet sich die Lenkung eines Unternehmens eigentlich an Sie?

Löw: Das ist völlig unterschiedlich. Die meisten Unternehmen ordern mich für Inhouse-Trainings und schätzen es, dass ich sehr diskret bin und keine offizielle Referentenliste führe. Schließlich sind meine Themen sehr sensibel und brechen auch in mancher Hinsicht Tabus, beispielsweise beim Thema der Mitarbeiterkriminalität und des Bewerbungsbetruges. Auch, weil nicht wenige Arbeitnehmer Unternehmen generell als Feindbild sehen, dabei ist dies völlig ungerechtfertigt. Nach meiner Erfahrung sind die meisten Unternehmen sehr um ein gutes Betriebsklima bemüht und möchten schwarze Schafe möglichst unauffällig aussortieren. Hierzu nehmen sie meine Hilfe auf vielfältige Weise in Anspruch.

mm: Wie gehen Sie bei den Gesprächen vor?

Löw: Das ist davon abhängig, um welche Gesprächssituation es sich handelt. Bewerberinterviews, Zeugeninterviews und Verdächtigenbefragungen sind völlig unterschiedliche Dinge und erfordern jeweils komplett andere Strategien. Gleiches gilt für Verhandlungssituationen. Auch hier kann man die von mir gelehrte forensische Gesprächskompetenz sehr gut einsetzen. Stresserkennung beim Gesprächspartner hilft sowohl bei der Glaubhaftigkeitsprüfung von Aussagen, als auch dem Einschätzen des Gesprächspartners in einer wichtigen Verhandlung. Das von mir konzipierte Marco-Löw-Befragungssystem verfügt für alle Gesprächssituationen, sowohl über eine gemeinsame Basis, als auch über optimale Konzepte für den jeweiligen Einzelfall.

mm: Lügen intelligente Menschen besser?

Löw: Das ist zweifellos der Fall, wenngleich Erfahrung, schauspielerische Fähigkeiten und die Abgebrühtheit des Einzelnen ebenfalls eine große Rolle spielen. Ab einem gewissen Level, zum Beispiel bei wichtigen Verhandlungen unter Top-Managern, können Sie davon ausgehen, dass jeder der Teilnehmer schon mal auf einem Körperspracheseminar war und den ein oder anderen Rhetorikkurs besucht hat. Gerade da kann ein forensischer Befragungstaktiker seine Vorteile voll ausspielen, weil dieses spezielle Wissen in dieser Tiefe deutschlandweit nur durch Löw & Partner vermittelt wird. Dieses Alleinstellungsmerkmal ist ein wesentliches Erfolgsmerkmal meiner Person und meines Unternehmens.

mm: Wie sehr ist in Deutschland eigentlich "whistleblowing" verbreitet, auf deutsch als "verpfeifen" übersetzt - und hilft Ihnen das?

Löw: Dieses Thema ist bei großen Unternehmen verbreitet und im Mittelstand nahezu unbekannt. Es wird auch sehr unterschiedlich gehandhabt, beispielweise in der Frage, ob es eine anonyme Hotline oder einen persönlichen Ansprechpartner gibt, der vom Whistleblower für ein direktes Gespräch aufgesucht werden muss. Beides hat Vor- und Nachteile. Einerseits ist bei einer anonymen Hotline die Hemmschwelle für eine Meldung geringer, andererseits wird sie auch oft fachfremd missbraucht, beispielsweise für Beschwerden aller möglichen Art. So manches Unternehmen, dass eine solche Hotline einrichtete, musste die Erfahrung machen, regelrecht mit Meldungen überflutet zu werden, die mit allem Möglichen zu tun haben, nur nicht mit dolosen Handlungen. Im persönlichen Gespräch hingegen lassen sich Sachverhalte viel besser klären, weil der Whistleblower persönlich eingeschätzt werden kann und es die Möglichkeit für den Ermittler gibt, weitere Fragen zu stellen, die zur Aufklärung des Sachverhalts notwendig und zielführend sind.

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