Börse Größtes Dax-Wochenplus seit drei Jahren

Der deutsche Aktienindex Dax hat sein größtes Wochenplus seit drei Jahren eingefahren. Robuste Jobdaten aus den USA sowie die Hoffnung auf eine Lösung der Schuldenkrise stützen die Indizes. Spekulationen um EZB-Kredite über den IWF beflügeln Bankentitel - die Commerzbank klettert zweistellig.
Händler in Frankfurt: Merkel und Sarkozy feilen am Rettungspaket, Anleger schöpfen Hoffnung

Händler in Frankfurt: Merkel und Sarkozy feilen am Rettungspaket, Anleger schöpfen Hoffnung

Foto: ALEX DOMANSKI/ REUTERS

Frankfurt am Main - Die Hoffnung auf eine baldige Lösung der Schuldenkrise brachte dem Dax (Kurswerte anzeigen) auch am Freitag Gewinne. Der Index kletterte zeitweise um mehr als 2 Prozent auf 6156 Zähler, bevor Gewinnmitnahmen einsetzten. Am Ende ging der Leitindex 0,7 Prozent höher bei 6080 Punkten aus dem Handel.

Auf Wochensicht hat der Dax  damit ein Plus von rund 10,7 Prozent über die Ziellinie gebracht - dies ist der größte Wochengewinn seit November 2008.

Positiv werteten Börsianer jüngste Aussagen von Angela Merkel in ihrer Regierungserklärung. "Die Bundeskanzlerin hat die Erwartungen an den Euro-Gipfel Ende der nächsten Woche etwas hochgeschraubt", kommentierte Marktanalyst Robert Halver von der Baader Bank. Unter anderem hatte Merkel eine Änderung der EU-Verträge zur Schaffung einer Fiskalunion als Ziel genannt.

Arbeitslosenquote in den USA sinkt auf Zweieinhalbjahres-Tief

Der Dow Jones (Kurswerte anzeigen) notierte zum Xetra-Schluss in Deutschland ebenfalls 0,7 Prozent im Plus. Etliche Investoren hätten sich bereits im Vorfeld der US-Jobdaten auf eine positive Überraschung eingestellt., sagte ein Börsianer. Die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft stieg im November um 120.000, die Arbeitslosenquote sank von 9 Prozent auf 8,6 Prozent. Das ist die niedrigste Quote seit zweieinhalb Jahren.

Außerdem sorgte zeitweise ein Bericht der Agentur Bloomberg für steigende Kurse, wonach die Europäische Zentralbank (EZB) bis zu 200 Milliarden Euro über den Internationalen Währungsfonds (IWF) an Schuldenländer in Europa geben könnte. Wie "Bloomberg" am Freitag mit Bezug auf zwei mit den Verhandlungen vertraute Personen meldet, soll EZB-Präsident Mario Draghi bereits grünes Licht für den Plan gegeben haben.

Bankentitel gefragt - Commerzbank sehr fest

Angeführt wurde der Dax  von den Bankenwerten. Wie Reuters aus Finanz- und Aufsichtskreisen erfuhr, sollen die Stresstestkriterien für europäische Banken nicht weiter verschärft werden. Damit bleibe es für die fünf betroffenen deutschen Banken bei einem Kapitalbedarf von rund zehn Milliarden Euro.

Aktien der Commerzbank (Kurswerte anzeigen) kletterten daraufhin um rund 10 Prozent und führten damit den Dax an. Titel der Deutschen Bank (Kurswerte anzeigen) zogen um rund 5 Prozent an. In Paris gewannen BNP Paribas 10 Prozent, Credit Agricole sechs Prozent und Societe Generale 8,8 Prozent.

VW, BMW und Daimler gefragt: Gute Verkaufszahlen in den USA

Gut laufende Geschäfte der deutschen Autobauer in den USA honorierten die Anleger ebenfalls mit Aktienkäufen. Daimler (Kurswerte anzeigen) , VW (Kurswerte anzeigen) und BMW (Kurswerte anzeigen) legten zwischen 2 und 3,5 Prozent zu. "VW und Mercedes mit einem beeindruckenden Erfolg", kommentierte ein Händler.

Vor allem Autos der Marke Mercedes waren im November bei den US-Verbrauchern gefragt. Hier stieg der Absatz in den USA um 55 Prozent, bei VW legten die US-Verkäufe um 41 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu, BMW verbuchte ein Plus von 15 Prozent.

Zudem erwarten die deutschen Hersteller für 2011 neue Rekorde bei Export, Produktion und Umsatz.

ThyssenKrupp rutscht tief ins Minus

Aus dem Rahmen fielen am Freitag die Aktien von ThyssenKrupp mit einem Abschlag von rund 6 Prozent. Der Stahlkonzern wies einen Fehlbetrag für das Geschäftsjahr 2010/2011 von 1,783 Milliarden Euro aus. Grund dafür seien hohe Abschreibungen im Amerika-Stahlgeschäft und der Edelstahlsparte.

Die bevorstehende Aufnahme von ProSiebenSat.1 (Kurswerte anzeigen) in den Dow Jones Global Select Dividend Index verhalf dem Papier des Medienunternehmens zuletzt an die MDax-Spitze. Die Vossloh -Papiere  gewannen nach Aussagen des Managements zur Dividende ebenfalls deutlich hinzu. Der Verkehrstechnikkonzern will seinen Aktionären wie im Vorjahr 2,50 Euro Dividende zahlen und in den kommenden beiden Jahren wieder auf den Wachstumskurs zurückkehren.

Ölpreise steigen leicht

Die Ölpreise haben am Freitag zugelegt. Während Rohöl der Nordseesorte Brent (Kurswerte anzeigen) recht klare Gewinne verbuchte, legte der Preis für die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) minimal zu. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) Brent zur Auslieferung im Januar stieg am frühen Morgen um 52 Cent auf 109,51 Dollar.

Euro rutscht nach US-Jobdaten etwas ab

Der Euro  hat am Freitag nur kurzzeitig von der Hoffnung auf eine Eindämmung der Schuldenkrise profitiert. Nachdem die Gemeinschaftswährung am Freitag zunächst deutlich über die Marke von 1,35 US-Dollar gesprungen war, rutschte sie im Handelsverlauf wieder ab.

Am Nachmittag stand der Euro bei 1,3475 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs auf 1,3511 (Donnerstag: 1,3492) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7401 (0,7412) Euro.

la/mg/dpa/reuters
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