Gewinnentwicklung Die Dax-Konzerne im Überblick

Zehn Dax-Konzerne legten in dieser Woche ihre Ergebnisse des dritten Quartals vor. Ein Überblick über die Zahlenflut und die Reaktion der Fachleute.
Deutsche Bank: Stabiles Privatkundengeschäft stützt schwächelnde Investment-Sparte

Deutsche Bank: Stabiles Privatkundengeschäft stützt schwächelnde Investment-Sparte

Foto: KAI PFAFFENBACH/ REUTERS

Das Quartalsergebnis: Der Gewinn der Deutschen Bank  brach im dritten Quartal zwar erwartungsgemäß ein, der Rücksetzer fiel jedoch nicht so stark aus, wie von vielen befürchtet. Grund war vor allem ein vergleichsweise stabiles Privatkundengeschäft. Das Investmentbanking dagegen, unter der Regie des kommenden Bankchefs Anshu Jain, lieferte ein schwaches Ergebnis.

Das Urteil der Analysten: Die Mehrheit der Analysten reagierte positiv auf die Zahlen der Bank. Zum größten Teil wird die Aktie zum Kauf empfohlen. J.P. Morgan etwa bestätigte die Einstufung auf "overweight". Philipp Zieschang, Analyst der UBS, stuft die Aktie der Deutschen Bank ebenfalls unverändert mit "kaufen" ein. Die Deutsche Bank habe mit dem Ergebnis des dritten Quartals über den niedrigen Erwartungen abgeschnitten, schrieb er. Die Konsensprognose zum Vorsteuergewinn sei übertroffen worden.

Ähnlich klingt der Kommentar von Olaf Kayser, Analyst der LBBW, der ebenfalls zum Kauf rät: Die Deutsche Bank habe im dritten Quartal mit einem starken klassischen Bankgeschäft das schwache Investmentbanking mehr als kompensieren können. Unter dem Strich seien die Ergebnisse nicht so schlecht ausgefallen wie es zum Teil vom Markt befürchtet worden sei.

Die Reaktion der Anleger: Die Aktie der Deutschen Bank notierte am Tag der Ergebnisveröffentlichung stabil bis leicht im Plus.

Merck: Am Pharmakonzern tropft die Euro-Krise ab

Merck: Deutlich steigender Gewinn des Darmstädter Pharmakonzerns - trotz Abschreibungen

Merck: Deutlich steigender Gewinn des Darmstädter Pharmakonzerns - trotz Abschreibungen

Foto: DPA/ Merck

Das Quartalsergebnis: Der Pharma- und Chemiekonzern Merck  hat mit seinen Zahlen zum dritten Quartal für eine Überraschung gesorgt: Nach einem Verlust im zweiten Quartal haben die Darmstädter die Monate Juli bis September trotz erneuter Abschreibungen im Arzneimittelgeschäft mit einem Gewinnanstieg abgeschlossen.

Der Überschuss verbesserte sich um 7,5 Prozent auf 227 Millionen Euro. Damit übertraf Merck die Erwartungen von Analysten. Diese hatten mit einem kräftigen Rückgang gerechnet.

Das Urteil der Analysten: Die Mehrzahl der Analysten stufen die Aktie von Merck "Halten" ein und blieb auch nach der Veröffentlichung bei diesem Urteil. Entsprechende Einschätzungen gab es beispielsweise von der Deutschen Bank, der WestLB, der NordLB, der Citigroup, der Société Générale und dem Bankhaus Lampe. J.P. Morgan hob die Merck-Einstufung sogar von "underweight" auf "neutral" an. Nomura rät auch nach der Veröffentlichung unverändert zum Kauf.

Volker Braun von der Commerzbank sprach von guten Zahlen, die er vor allem auf ein starkes Pharmageschäft zurückführte. Karl-Heinz Scheunemann von der LBBW lobte die Laborsparte Millipore.

Die Reaktion der Anleger: An der Börse sorgten die Zahlen für ein Kursfeuerwerk. Merck-Aktien notierten mit einem Plus von 6,6 Prozent an der Dax-Spitze.

SAP: Das Geschäft mit Software-Lizenzen brummt - Rekordjahr in Sicht

Foto: dapd

Das Quartalsergebnis: Bei Europas größtem Softwarehersteller SAP  laufen die Geschäfte so gut wie selten zuvor. Das Dax-Unternehmen schraubte seinen Überschuss im dritten Quartal verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um rund 150 Prozent nach oben. In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres kletterte der Überschuss um 63 Prozent auf 2,24 Milliarden Euro. Auch der juristische Triumph über den Erzrivalen Oracle lässt die Kasse klingeln. Der Konzern befindet sich allen Konjunktursorgen zum Trotz auf dem Weg zu einem Rekordjahr.

Das Urteil der Analysten: Das Gros der Analysten empfiehlt das Papier von SAP zum Kauf. Nach der Veröffentlichung der Zahlen kam dieses Urteil zum Beispiel von Goldman Sachs, J.P. Morgan, der Citigroup, der WestLB und der UBS.

Das im dritten Quartal erzielte Ergebnis je Aktie von 0,72 Euro habe die Konsensprognose deutlich übertroffen, schrieb beispielsweise Gunnar Plagge von der Citigroup. Quer durch alle geographischen Regionen sei ein starkes Umsatzwachstum verzeichnet worden.

Das gute Wachstum des Softwarekonzerns habe auf einer geographisch breiten Basis gestanden, hießt es bei der UBS. Dabei habe das Unternehmen auch von Großaufträgen profitiert. Der Cashflow sowie die Bilanzkennziffern seien stark gewesen.

Die Reaktion der Anleger: Die SAP-Aktie kletterte am Mittwoch um gut 1,5 Prozent auf 43,48 Euro. Dabei waren die guten zahlen schon zwei Wochen zuvor vorläufig veröffentlicht worden. Auch seinerzeit hatten sie für ein kräfiges Kursplus gesorgt.

Daimler: Gewinnsteigerung bleibt hinter der Konkurrenz zurück

Das Quartalsergebnis: Daimler  konnte seinen Absatz, seinen Umsatz und sein operatives Konzernsergebnis zwar steigern - jedoch nur, wen die Sondereffekte außen vor bleiben: Höhere Materialkosten, Wechselkursschwankungen bei Mercedes-Benz Cars, Kosten wegen der anstehenden Umstellung der Modellpalette sowie Abwertungen auf Beteiligungen an Renault und dem russischen Nutzfahrzeugunternehmen Kamaz drückten das operative Ergebnis der Pkw-Sparte jedoch um 15 Prozent ins Minus auf 1,1 Milliarden Euro. Die Prognose, 2011 sehr deutlich besser als das Vorjahr zu beenden, bleibt bestehen.

Das Urteil der Analysten: Die Commerzbank, das Bankhaus Lampe, die Citigroup sowie Equinet stuften das Papier von Daimler nach der Vorlage der Zahlen unverändert mit "Kaufen" ein. Bei Independent Research steht das Papier nach wie vor auf "Halten".

Die weitgehend entsprechend seinen Erwartungen gemeldeten Quartalszahlen unterstrichen sein positives Urteil über den Autobauer, schrieb Analyst Tim Schuldt von Equinet. Er werde allenfalls minimale Änderungen an seinen Schätzungen vornehmen.

Die Reaktion der Anleger: Die Aktie von Daimler legte am Donnerstag mehr als 3 Prozent zu. Damit blieb sie allerdings hinter dem Markt zurück, der gemessen am Dax vor allem wegen der Erleichterung über die Brüsseler Ergebnisse zur Euro-Rettung ein Plus von 5,4 Prozent verzeichnete.

Bayer: Wachstum bei Pharma, Sorgen in der Kunststoffsparte

Foto: dpa/dpaweb

Das Quartalsergebnis: Bayer baute seinen Gewinn im dritten Quartal aus. Brummende Agrarchemiegeschäfte und ein steigender Medikamentenabsatz in Schwellenländern sorgen für gute Stimmung beim Pharma- und Chemiekonzern, einzig die Kunststoffsparte macht Sorgen.

Das Urteil der Analysten: Die Bayer-Aktie wird mehrheitlich zum Kauf empfohlen. Auch nach den Ergebnissen des dritten Quartal kamen mehrere Banken zu dem Urteil.

Die Commerzbank etwa schrieb, der Chemie- und Pharmakonzern habe gewinnseitig ein starkes drittes Quartal vermeldet. Dazu beigetragen habe vor allem die Marge in der Gesundheitssparte. Der Umsatz habe derweil seine und die Schätzungen des Marktes genau getroffen.

Nach Ansicht von Tim Race von der Deutschen Bank bietet der Pharma- und Chemiekonzern branchenführendes Wachstum, während seine Bewertung unter dem Sektordurchschnitt liegt.

Die Reaktion der Anleger: Die Bayer-Aktie gewann Donnerstag fast 5 Prozent, allerdings ebenfalls vor dem Hintergrund der Euphorie über die Gipfel-Ergebnisse in Brüssel.

BASF: Libyen bremst, doch Rekordjahr bleibt im Blick

Foto: BASF/ dpa

Das Quartalsergebnis: Der weltgrößte Chemiekonzern verdiente im dritten Quartal zwar operativ weniger, doch für das Gesamtjahr bleibt der Ausblick positiv. Der Ausfall libyscher Ölförderanlagen hat bei BASF trotz eines Umsatzzuwachs zu einem Rückgang des operativen Gewinns geführt. Für das Gesamtjahr zeigte sich BASF-Chef Kurt Bock weiterhin zuversichtlich. Er will bei Umsatz und Ergebnis die Rekordwerte des Jahres 2010 signifikant übertreffen.

Das Urteil der Analysten: Die Aktie von BASF wird von den meisten Banken ebenfalls zum Kauf empfohlen, darunter am Donnerstag erneut die WestLB, Cheuvreux, die Commerzbank und Nomura.

Insgesamt betrachtet habe die BASF solide Quartalszahlen präsentiert, schrieben Andrew Benson und Dominik Frauendienst von der Citigroup. Die Bekräftigung der Gesamtjahresprognose sei ermutigend. Allerdings habe das Unternehmen auch signalisiert, dass sich das Jahr 2012 schwieriger als bisher erwartet gestalten werde.

Die Reaktion der Anleger: Der Aktienkurs von BASF legte um 4,7 Prozent auf 52,97 Euro zu (Effekt Euro-Gipfel). Der Nettogewinn sei "besser als erwartet" ausgefallen, sagten Händler. Eine Gewinnwarnung, zu der es mehrfach Gerüchte gegeben habe, sei ausgeblieben. Die Umsätze lägen im Rahmen der Erwartungen.

Volkswagen: Operativen Gewinn verdoppelt

Foto: DPA

Das Quartalergebnis: Volkswagen startet durch: In den ersten neun Monaten hat Europas größter Autobauer das operative Ergebnis auf rund neun Milliarden Euro verdoppelt. Mit mehr als sechs Millionen verkauften Autos und rund 116 Milliarden Euro Umsatz bleibt Volkswagen im laufenden Jahr auf Rekordkurs. Für das Gesamtjahr 2011 bekräftigte Vorstandschef Martin Winterkorn die Ziele. Die Auslieferungen werden demnach höher ausfallen als im Vorjahr, das operative Ergebnis und die Erlöse sollen deutlich steigen. Im Klartext: Die Wolfsburger befinden sich auf Rekordkurs.

Das Urteil der Analysten: Die meisten Analysten halten das VW-Papier für einen klaren Kauf. Nach Lektüre der Quartalsergebnisse am Donnerstag fällten zum Beispiel Frank Schwope von der NordLB und Christian Ludwig von der WestLB dieses Urteil.

Die Neunmonatszahlen hätten zum Teil deutlich über den Markterwartungen gelegen, schrieb Schwope. Volkswagen fahre weiterhin in der Erfolgspur.

Die Reaktion der Anleger: Die Aktie sprang am Donnerstag im starken Marktumfeld um mehr als 10 Prozent in die Höhe - so stark, wie kein anderer der Berichtenden Konzerne.

Lufthansa: Verhaltener Ausblick

Foto: dapd

Das Quartalsergebnis: Die Lufthansa  hat in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres einen stabilen operativen Gewinn in Höhe von 578 Millionen Euro erzielt, der mit einem Rückgang von 5,6 Prozent nur knapp unter dem Vorjahreswert lag. Die Umsatzerlöse lagen bei 22,1 Milliarden Euro, und das Konzernergebnis betrug 288 Millionen Euro. Dieses Ergebnis sei trotz deutlichen Gegenwindes und schwieriger Rahmenbedingungen beachtlich, sagte Vorstandschef Christoph Franz. Der Ausblick der Lufthansa fiel allerdings verhalten aus.

Das Urteil der Analysten: Bei der Lufthansa sind sich die Analysten nicht einig, es gibt Empfehlungen zu kaufen, zu halten und zu verkaufen.

Nach Auffassung von Zafer Rüzgar etwa, Analyst bei Independent Research, waren die insgesamt gemischten Zahlen für das dritte Quartal 2011 ohne große Überraschungen. Er bleibt bei seiner Verkaufsempfehlung. Die Analysten von Equinet dagegen bekräftigten ihr "Accumulate". "Lufthansa hat solide Ergebnisse weitgehend im Rahmen unserer Erwartungen veröffentlicht und die Jahresprognose bestätigt", begründeten die Experten ihre Einschätzung.

Reaktion der Anleger: Die Lufthansa-Titel legten am Donnerstag um 3,44 Prozent zu.

Deutsche Börse: Aktienrückkäufe zum Wohl der Anleger

Foto:

Boris Roessler/ dpa

Das Quartalsergebnis: Die Deutsche Börse will ihren Aktionären nach einem Umsatz- und Gewinnanstieg im dritten Quartal etwas Gutes tun. Der Konzern kündigte am Donnerstag ein Aktienrückkaufprogramm an, mit dem Papiere mit einem Wert von rund 100 Millionen Euro erworben werden sollen.

Die Börse hatte bereits in der vergangenen Wochen vorläufige Zahlen für das zurückliegende Vierteljahr vorgelegt, das "bestes Quartalsergebnis seit 2008", erklärte das Management. Nun kündigte der größte deutsche Börsenbetreiber an, seine Sparanstrengungen zu beschleunigen. Die Gruppe erwartet 2011 demnach Einsparungen von 130 Millionen Euro statt wie bisher anvisiert 115 Millionen. Die Gesamtkosten der Gesellschaft würden damit 2011 rund 1,13 Milliarden Euro betragen.

Das Urteil der Analysten: Eine aktuelle Analyse vom Donnerstag ist nicht bekannt. Seit der Vorlage der vorläufigen Zahlen in der Vorwoche wurden mehrheitlich neutrale Urteile abgegeben ("halten").

Die Reaktion der Anleger: Die Aktie der Deutschen Börse stieg um mehr als 4 Prozent.

Linde: Globale Konjunktur zeigt bislang kaum Schwächezeichen

Foto: DDP

Das Quartalsergebnis: Sparanstrengungen und kräftige Nachfrage aus Asien schieben den Gewinn des Industriegasherstellers Linde kräftig an. Mit seinen Geschäftszahlen zum dritten Quartal unterstreicht das Münchener Unternehmen, dass die abflauende Weltkonjunktur in der Gasebranche bislang keine großen Bremsspuren hinterlässt. Linde erzielte im Zeitraum Juli bis September einen operativen Gewinn von 804 Millionen Euro, ein Plus von 7,3 Prozent binnen Jahresfrist, wie der Konzern am Freitag in München mitteilte. Damit schnitt Linde etwas besser ab als von Analysten erwartet.

Das Urteil der Analysten: Analysten äußerten sich positiv zu den Quartalszahlen. Stephan Kippe von der Commerzbank etwa sprach von einem "robusten Quartal im Rahmen der Erwartungen" und blieb in seinem ersten Kommentar auf "Buy" mit dem Kursziel 129,00 Euro. Die leichte Abschwächung beim Umsatzwachstum entspreche der Tendenz bei Wettbewerbern. Regional sei das Wachstum in den nord- und südamerikanischen Märkten sowie in Asia/Pazifik am stärksten geblieben.

Auch Analyst Klaus Ringel von der französischen Investmentbank Cheuvreux hielt an seinem "Outperform"-Votum fest. Er sah die Erlöse einen Tick über den durchschnittlichen Marktprognosen. Linde habe von dem anhaltend günstigen Geschäftsumfeld auf dem weltweiten Industriegasemarkt profitiert. Auch die weltweite Präsenz und die starke Position in den Schwellenländern hätten sich positiv ausgewirkt.

Die Reaktion der Anleger: Die Linde-Aktie notierte gegen Freitagmittag mit 1,7 Prozent im Plus bei 118 Euro. Der Dax verzeichnete zu der Zeit ein Plus von gut einem Prozent.

Mit Material von Nachrichtenagenturen
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